ADAC-Test Zwei Drittel aller Gebrauchtwagen zu teuer


Der ADAC hat Gebrauchtwagenhändler getestet und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Viele dubiose Händler ziehen die Kunden über den Tisch. So waren 60 Prozent der Fahrzeuge ihr Geld nicht wert, am meisten wird bei Vorschäden geschummelt.

Wenn man die stichprobenartigen Ergebnisse des ADAC-Tests Gebrauchtwagenkauf auf den gesamten Markt hochrechnen würde, hieße das nichts anderes, als dass jährlich rund 900.000 Autokäufer von dubiosen Autohändlern über den Tisch gezogen würden. Je 23 markengebundene und freie Autohändler in den sechs deutschen Ballungsgebieten München, Stuttgart, Köln, Hamburg, Berlin und Dresden hat der ADAC getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Jeder vierte gewerbliche Anbieter fiel mit seinem Angebot durch, ein Viertel der Kandidaten kam über ein schwaches "durchschnittlich" nicht hinaus. Und was noch schlimmer ist: Zwei Drittel der Fahrzeuge waren ihr Geld nicht wert!

Incognito bei Gebrauchtwagenhändlern

Inkognito waren sechs Kfz-Sachverständige im Auftrag des ADAC unterwegs. Sie gaben sich als Kaufinteressenten aus und nahmen 23 reine Gebrauchtwagenhändler sowie 23 Markenhändler mit Gebrauchtwagenangebot genauer unter die Lupe. Bei dem Test fielen zwölf Händler - also etwa jeder vierte Betrieb - mit ihrem Angebot glatt durch. Je zwölf Firmen wurden mit "durchschnittlich" und "gut" bewertet, lediglich bei zehn Händlern wurden die Testkunden hervorragend bedient ("sehr gut").

Unterm Strich komme somit auf jeden sehr guten Händler ein schwarzes Schaf, kritisierte der Automobilclub. Auf einen besonderen Hammer stießen die Testkäufer bei einem freien Münchner Gebrauchtwagenhändler, dem Testverlierer. Der bot einen Renault Clio an, bei dem die ADAC-Tester eine lange Mängelliste aufstellten: Bremsflüssigkeit überaltert, Kopfstütze am Fahrersitz defekt, Achslager hinten verschlissen, Ölverlust am Motor, Reifen abgefahren und beschädigt, einer davon sogar fast platt - und auch der teure Wechsel des Zahnriemens war eigentlich fällig. Mit 4300 Euro lag der geforderte Preis laut Gutachter um rund 20 Prozent über dem eigentlichen Wert, berichtete ADAC-Vizepräsident Günter Knopf.

Vertuschte Mänge, hohe Preise

Und mehr noch: Erst spät im Gespräch offenbarte der Münchner Händler, dass er den Wagen nur im Kundenauftrag verkaufe. Im Zweifel hätte das für den Käufer große Nachteile - denn er könnte den Händler nicht für Sachmängel haftbar machen, die das Fahrzeug bei der Übergabe hatte, erläuterte Knopf. Aber auch bei anderen Händlern gab es viel Kritik, nicht nur an technischen Mängeln der Autos von der Beleuchtung bis zu den Bremsen, sondern auch bei Information und Service. In Hamburg blieb ein Wagen gleich bei der Probefahrt liegen.

Jeder vierte Händler fiel im Test durch

Dass es auch anders geht, zeigen zehn Händler, in der Mehrzahl markengebunden, die ein "sehr gut" erhielten. Unterm Strich konnte man auch noch mit dem Ergebnis "gut", das weitere zwölf Händler erhielten, leben. So richtig als König Kunde fühlen konnte sich der ADAC-Tester in Radebeul bei Dresden im Autohaus Gommlich. Der Verkäufer war freundlich und kompetent, gab alle Informationen richtig weiter und organisierte schnell und problemlos eine Probefahrt. Der Clou: Der Preis für den Opel Vectra war um neun Prozent günstiger als ortsüblich.

"In Stuttgart bot ein Händler einen Lancia zu einem Preis an, der um 64 Prozent über dem ermittelten Wert lag", kritisierte ADAC-Experte Robert Sauter am Mittwoch in München bei der Vorstellung der Testergebnisse. "Das ist nicht akzeptabel." Mal wurden im Internet niedrigere Preise angegeben und dann vor Ort höhere Preise verlangt, mal wurden die gefahrenen Kilometer nicht exakt angegeben und auch zur Zahl der Vorbesitzer gab es zum Teil falsche Informationen. "Im Verkaufsgespräch hat es häufig daran gehapert, dass die Verkäufer selbst nicht ausreichend über das Fahrzeug informiert waren", so Sauter. Ein Viertel der Verkäufer sei nicht bereit gewesen, festgestellte Mängel kostenlos reparieren zu lassen.

Meist wird bei Vorschäden gemogelt

Weitere Minuspunkte handelten sich die getesteten Händler durch falsche Angaben auf den Preisschildern ein, weil Fahrzeugunterlagen nicht einsehbar waren oder weil die Verkäufer Vorschäden verschwiegen oder bagatellisierten. Außerdem waren einige Fahrzeuge nicht fahrbereit oder hatten teilweise erhebliche technische Mängel.

spi

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