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BERLIN: Politische Prozesse simulieren

Weltkonferenz gegen den internationalen Terrorismus

Weltkonferenz gegen den Internationalen Terrorismus

An der Freien Universität Berlin findet alljährlich das »UN-Planspiel« statt, bei dem Studenten politische Prozesse simulieren. Seit 1993 veranstaltet die FU dieses Planspiel, um den Studierenden die Komplexität von Weltpolitik näher zu bringen.

Aufgrund der momentanen weltpolitischen Situation, fand am 2. und 3. November 2001 die »Weltkonferenz gegen den Internationalen Terrorismus« statt. Nach einer Einführung in die Arbeit und Organisationsstruktur der Vereinten Nationen und der offiziellen Eröffnung versammelten sich die Teilnehmer, um sich der Weltpolitik zu nähern.

26 Studierende verschiedener Fachrichtungen und 19 junge Diplomaten hatten sich beworben und in den vergangenen Wochen detailliert vorbereitet. Jeder vertrat ein Land - von Ägypten bis zum Vereinigten Königreich waren 43 Staaten dabei. Die Jung-Diplomaten, die an einem Fortbildungslehrgang des Auswärtigen Amtes teilnehmen, vertraten ihr Heimatland.

Einleitend mussten die Teilnehmer über die Tagesordnung abstimmen. Diese sah die Diskussion der Maßnahmen, Ursachen und der Definition von Terrorismus vor. Nach einer längeren Diskussion wurde der Antrag des »deutschen Vertreters« angenommen: Zuerst solle über die Definition, dann über Maßnahmen und zuletzt über die potentiellen Ursachen beraten werden.

Hierbei wurde allen Beteiligten klar, wie zermürbend langsam selbst so ein Abstimmungsprozess sein kann. Der studentische Vertreter des Irak beispielsweise unterbrach mehrmals und hielt durch seine ständigen Bitten, die Konferenz für informelle Verhandlungen auszusetzen, auf.

Funktionsweisen multinationaler Diplomatie kennen lernen

Bei den Eröffnungsreden wurde deutlich, dass sich die Studenten auch gründlich über länderübergreifende Aspekte informiert hatten. Durch die zahlenmäßige Begrenzung der Eröffnungsstatements waren die einzelnen »Staaten« gezwungen, Kooperationen mit anderen Staaten einzugehen, sollten ihre Standpunkte nicht völlig untergehen.

Und dann flog den Zuschauern ein Gewirr von Artikeln und Resolutionen um die Ohren, derer sich die vorbereiteten Redner mit Leichtigkeit bedienten. Studenten und angehende Diplomaten näherten sich nicht nur der Weltpolitik, sondern auch dem diplomatischen Dschungel. Gerade dies ist Ziel dieser Veranstaltungen: das Kennen lernen von »Funktionsweisen multinationaler Diplomatie«. Die internationale Zusammensetzung der Teilnehmer aus 20 verschiedenen Nationen bot eine gute Grundlage.

Ferry Bühring, Jurastudent der FU Berlin und im 5. Semester, war zum zweiten Mal bei einem dieser Planspiele dabei - er war der eloquent patriotische Vertreter der USA. So viel Spaß es ihm machte, für einen Tag in die Rolle der USA zu schlüpfen, so distanzierte er sich doch mit seiner privaten Meinung. Ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibe bei den Militäraktionen in Afghanistan sei fraglich, vor allem im Hinblick auf den Einsatz von Streubomben. Doch am Samstag war er Sprachrohr der USA.

Bei dem Rollenspiel ging es vor allem darum, Studierenden zu zeigen, wie wichtig es ist, sich mit den politischen Rollen anderer Staaten zu beschäftigen und deren Argumentationsweisen zu erkennen. Internationale Bündnisse formeller und informeller Art galt es nachzuformen. Für viele der teilnehmenden Studenten war dies eine erste Erfahrung im Hinblick auf ein mögliches Berufsziel in der internationalen Politik. Einige Teilnehmer können sich schon vorstellen später im Auswärtigen Dienst oder bei internationalen Organisationen zu arbeiten.

Vorerst blieb die Konferenz jedoch Simulation, wenn sie auch der Realität vorgegriffen hat. Eine internationale Konferenz zum Thema Terrorismus hat es nämlich noch nicht gegeben. (kl)

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