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Psychologie Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten und des Selbstwerts: Diese Beziehungsprobleme sprechen für das Imposter-Syndrom

Ein Pärchen auf dem Sofa. Frau seiht besorgt zu nachdenklichem Mann herüber.
Menschen mit dem sogenannten Hochstapler-Syndrom denken, sie seien weniger wert und würden von Nahestehenden entlarvt werden
© dragana991 / Getty Images
Menschen mit dem Imposter-Syndrom unterschätzen die eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und ihren Selbstwert. Das kann sich enorm auf Beziehungen auswirken.

Dieser Text erschien zuerst an dieser Stelle bei brigitte.de.

Das Imposter- oder auch Hochstapler-Syndrom ist eine mögliche Folge eines gestörten Selbstwerts und einiger anderer Persönlichkeitsmerkmale wie einem Hang zum Perfektionismus, ausgeprägtem Leistungsdenken und ähnlichem. Es äußert sich darin, dass die Betroffenen das Gefühl haben, von anderen Menschen überschätzt zu werden und Lob oder Erfolge gar nicht zu verdienen. Sie fühlen sich wie "Hochstapler" (engl. Imposter) und leben mit der ständigen Angst, "aufzufliegen".

Im Job zeigen Menschen mit dem Hochstapler-Syndrom typischerweise ein zum Teil ungesund hohes Engagement. Meist sind sie sehr fleißig und erbringen überdurchschnittlich gute Leistungen. In privaten Beziehungen, z. B. Freundschaften oder Partnerschaften, macht sich das Imposter-Phänomen in der Regel ebenfalls bemerkbar – und kann unter anderem zu folgenden Problemen und Konflikten führen. 

Wer diese Beziehungsprobleme kennt, hat vielleicht das Imposter-Syndrom

1. Das Gefühl, den:die andere:n nicht zu verdienen

Menschen mit dem Imposter-Syndrom sehen andere Personen typischerweise in einem deutlich positiveren Licht als sich selbst. Während sie bei anderen leicht über Fehler und Schwächen hinwegsehen können, fallen ihnen an sich selbst überwiegend negative Eigenschaften auf. So entsteht in ihnen der Eindruck, dass ihre Freund:innen oder Partner:innen viel wertvollere Menschen sind als sie selbst – die sie eigentlich gar nicht verdienen.

2. Angst, verlassen zu werden, wenn etwas "falsch" gemacht wird

Menschen mit dem Imposter-Syndrom können sich nur schwer vorstellen, dass sie jemand um ihretwillen liebt, und zwar genau so, wie sie sind. Sie glauben, dass sie sich eine Freundschaft oder Partnerschaft erarbeiten bzw. verdienen müssen, indem sie möglichst alles richtig und perfekt machen.

3. Mehr Bestätigung

"Ich liebe dich", "ich bin gerne mit dir zusammen", "unsere Freundschaft bedeutet mir alles" – Menschen mit Imposter-Syndrom würden so etwas am liebsten ständig von ihren Liebsten hören. Ihre Selbstzweifel sind häufig so stark, dass es ihnen nicht genügt, wenn jemand Zeit mit ihnen verbringt oder mit ihnen zusammen ist, um sie davon zu überzeugen, dass diese Person das gerne tut bzw. ist.

Bekommen sie keine ausdrückliche Bestätigung von ihren Freund:innen oder ihrem:r Partner:in, fürchten sie sofort, die Beziehung könnte gefährdet sein, weil der andere Part nun festgestellt hat, dass sie nicht gut genug sind. 

4. Nehmen und Geben

Wer das Hochstapler-Syndrom hat, ist typischerweise blind für das, was er oder sie leistet und gibt – aber keineswegs für das, was er:sie bekommt. In einer Beziehung nehmen Betroffene sehr genau wahr, was andere für sie tun, blenden dabei aber völlig aus, was sie für andere tun, bzw. spielen es runter und werten es ab. Dadurch haben sie beständig das Gefühl, ihren Lieben etwas schuldig zu sein und sich revanchieren zu müssen, auch wenn sich die Beziehung eigentlich in einem Gleichgewicht befindet.

5. Das Gefühl, eine Rolle spielen zu müssen, um gemocht zu werden

Menschen mit dem Hochstapler-Syndrom glauben nicht, dass sie liebenswert und wertvoll sind, ohne dafür etwas zu tun. Sie sehen ihren Wert und ihre Besonderheit nicht in ihrer Identität, ihrer Einzigartigkeit oder ihrer Emotionalität, sondern meinen, sich Liebe und Respekt durch bestimmte Leistungen und Performance verdienen zu müssen. Auch in engen Beziehungen neigen sie daher oft dazu, eine Rolle zu spielen, in der sie versuchen, es anderen stets recht zu machen und die Person zu sein, von der sie glauben, die anderen würden sie sich wünschen.

Wer das Imposter-Syndrom hat, denkt, er:sie würde abgelehnt und verlassen, wenn ihr:sein wahres Ich durchblitzt. Weil dann alle erkannten, was sie selbst über sich zu wissen meinen: Dass sie weder wertvoll noch liebenswert wären. Doch natürlich ist das ein gewaltiger Irrtum.

Folgen für Betroffene

All diese Punkte machen es Menschen mit einem stark ausgeprägten Imposter-Syndrom schwer, enge Beziehungen zu führen und sich darin wohl zu fühlen. Viele isolieren sich aus diesem Grund und vereinsamen. Das wiederum wirkt sich negativ auf ihr ohnehin schon angeknackstes Selbstwertgefühl aus.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist meist der beste Weg, sich professionelle Hilfe zu suchen, um die Ursachen der übermäßigen Selbstzweifel zu ergründen und zu lernen, den eigenen Wert anzunehmen.

Quelle: Psychologytoday.com

sus

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