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Buch "Lust auf fikken?" Ladenhüter sucht Traumfrau


Wie ernüchternd eine Singlebörse sein kann, entlarvt Amaryllis26. Sie schlüpft in zwölf Rollen und protokolliert die gängigsten Fehler der Männer. Doch es gibt auch hoffnungsvolle Kandidaten.
Von Susanne Baller

Wer erst einmal Schule, Ausbildung oder Studium hinter sich gebracht hat, kann sich glücklich schätzen, wenn er/sie bis dahin den Partner fürs Leben gefunden hat. Denn steckt man erstmal im Berufsleben, nimmt die Zahl der Menschen, die man kennenlernt, rapide ab. Kein Wunder also, dass Online-Partnerbörsen boomen. Aber was ist da eigentlich los?, hat sich Amaryllis26 gefragt. Unter diesem Pseudonym hat sie in dem Buch "Lust auf fikken?" zusammengetragen, was sie bei diversen deutschen Singlebörsen erlebt hat. "Amaryllis26 arbeitet an einer deutschen Hochschule und hat die Liebe ihres Lebens im Internet gefunden. In eben dieser Datinghölle, in der man so ausführlich darüber lästern kann, wie dämlich sich die anderen anstellen. Dann dachte sie sich: Ist das nicht ein Thema für ein Buch?", schreibt die Autorin über ihre echte Identität und ihre Inspirationsquelle.

Amaryllis26 ist nur eins von zwölf Profilen, unter denen sich die Autorin auf die Suche nach einem Mann gemacht hat. Sie ist dabei konsequent vorgegangen, hat Namen, biografische Daten und die dazugehörigen Fotos aufeinander abgestimmt. Genau das nicht zu tun, kritisiert sie - unter vielen anderen Punkten - an den Profilen der Männer. Denn die geben sich Namen wie bin_kein_horst, stellen schrecklich unvorteilhafte Selfies online und investieren keinen Funken Fantasie in ihre Profiltexte. Im Gegenteil: Sie äußern sich wortkarg oder mit schon tausendmal verbrannten Phrasen, obwohl manche von ihnen durchaus die Absicht haben, ihre Traumfrau zu finden.

Mit großem Humor und sehr kritischen Worten knöpft sich die Autorin die Profile sowie die wenig einfallsreichen, manchmal sogar im Copy-&-Paste-Verfahren verwendeten Anmachsprüche der Männer vor. Wie wichtig bereits die Wahl des Namens ist, erklärt sie so: "Es gibt eine Grundregel in Flirtportalen: Ihr Männer schreibt uns Frauen an. Und wir klicken uns dann abends durch die Zuschriften. Bei einem attraktiven Profil kommen locker 30 am Tag zusammen. Wir klicken nicht das Profil an, wir betrachten erst mal nur die Zuschrift: Name, Foto, Anschreiben. Der Name ist also extrem wichtig. Mit dem könnt ihr Punkte sammeln. Glauben fleischmuetze, borstilein, Speckbulette und bierbauchwilli ernsthaft, mit diesen Namen in die Pole-Position zu kommen?"

Alles echt

Der besondere Charme des Buches zeigt sich darin, dass die Autorin ausschließlich authentisches Material verwendet: "Ich übertreibe nicht, ich denke mir nichts aus. Die Realität schlägt jede Fantasie", erklärt sie. Und die Online-Singlebörsen-Wirklichkeit ist unglaublich ernüchternd. Wie sich bereits im Buchtitel offenbart, sind Rechtschreibschwächen und Flüchtigkeitsfehler keine Seltenheit. Hinzu kommen von hilflosem Gestammel bis hin zu unverblümten Sexanfragen noch verbale Entgleisungen. Die Lektüre wirkt so abschreckend, dass sich weibliche Leser im Anschluss wohl überlegen werden, ob sie jemals eine Partnerbörse ausprobieren. Falls ja, fasst die Autorin ihre positivsten Erfahrungen in einem Ratschlag zusammen: "Stilisiert euch nicht zu Barbies hoch, bleibt einfach authentisch!"

Männern sei dieses Buch schon deswegen ausdrücklich empfohlen, weil sie sich einiges abgucken können. Zum Beispiel, dass sie sich vor dem Anmelden bei einem Singleportal darüber klar werden sollten, was sie dort wollen. Wenn sie die große Liebe suchen, ist die Investition von ein paar Euro für ein hübsches Foto zum Beispiel eine sinnvolle Anlage.

Das Buch ist ab dem 1. September 2014 im Handel.

Was die Autorin bei ihrer Recherche überrascht, begeistert und auch schwer irritiert hat, erzählt sie im Video - für das sie noch einmal in ein paar Rollen schlüpft.


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