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Frauenbild im Kölner "Tatort": Deine Klischees haben sooo einen Bart, WDR!

So konsequent hat selten ein "Tatort" all seine Frauenfiguren vernichtet: Hysterisch, überdreht, dumm, naiv. Fällt Ihnen noch etwas ein, wie Frauen so sind? Es wird Zeit für mehr weibliche Regisseure!

Ein Kommentar von Susanne Baller

War das ein Einstand in die "Tatort"-Saison für die Kölner, was hast du dir dabei nur gedacht, WDR? Du hast einen "Tatort"-Neuling mit dem Drehbuch beauftragt, Maxim Leo, Journalist der "Berliner Zeitung", die die Folge "Wahre Liebe" natürlich super fand. Auch wenn er als Autor mit dem Europäischen Buchpreis für seine ostdeutsche Familienbiografie "Haltet euer Herz bereit" ausgezeichnet worden ist, bei diesem Drehbuch muss irgendwas mit ihm durchgegangen sein: das Frauenbild gleicht einer Kampfansage. Leider hat auch Regisseur André Erkau nichts getan, um das zu korrigieren.

Die Gabi

Die Herren der Mordkommission, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), bekommen mal wieder eine neue Assistentin: Gabi (Kathi Angerer). Weil sie nur für diesen einen Fall bleiben wird, kriegt sie gar nicht erst einen Nachnamen. Dass die Interimsbesetzung eine Fehlbesetzung ist, offenbart sich gleich: Sie sitzt an Freddys Schreibtisch, als er zur Arbeit kommt, verschüttet als Erstes ihren Kaffee über seinen Platz, weil sie so aufgeregt ist, und reicht ihm anschließend die koffeingetränkte Hand zur Begrüßung. Slapstick à la 60er Jahre. Zudem muss Tollpatsch Gabi auch ein unerträglich devotes Wesen zur Schau stellen und mit dieser Stimme nerven.

Dass Gabi besser schießen kann als Ballauf und bessere Ermittlungsideen hat als beide Kommissare zusammen, wirkt lächerlich, so wie ihre Rolle inszeniert ist. Das gehört in die Kategorie vorhersehbar und spricht deshalb nicht für sie. Als sie gegen Ende des Falles verschwindet, sie hat alleine ermittelt und blöderweise das Wort "Hundestaffel" fallen lassen, der kleine Tollpatsch, interessiert es ihre beiden Chefs einfach nicht. Ist ja nur die Gabi, der wird schon nichts passieren.

Die wiederum fleht mit schriller Stimme ihren Entführer, den "Zauberer", an, er möge sie nicht dehydrieren lassen. Klar, sowas wirkt bei brutalen Menschen immer. Wie naiv soll sie denn noch sein?

Die Partnerbörsen-Opfer

Den Gipfel der Plattitüden erklimmen die drei Damen, die auf den Charme des "Zauberers" Fechner hereingefallen sind: Um die 50, zu dick, zu dünn oder zu durchgeknallt ("Kann ich jetzt bitte ein Glas Prosecco bekommen?" - beim Verhör, hahaha), so sehen die Frauen aus, die bei Partnerbörsen auf die Suche nach Mr. Right gehen - und abgezockt werden. Wie sie aufs Revier marschieren, jede auf ihre Art verzweifelt, leichtgläubig und dämlich, solche Trullas müssen ja auf einen Schwindler hereinfallen. Obwohl Fechner ihre Konten leergeräumt hat, verlieren sie kein böses Wort über ihn. Ob er sie wirklich hypnotisiert hat?? Nein, die sind wirklich so blöd, die stereotypen Elsen. Genauso antiquiert, wie früher die Omas, die dem Staubsaugervertreter auf den Leim gegangen sind.

Die "Liebespäpstin"

Die nächste Klischeefrau ist die Chefin des Onlinedatingportals Lovecast, ein eiskalter Fisch natürlich. Natascha Klein hat die Basis ihres Erfolgs, den Algorithmus, von einem männlichen Kollegen gestohlen. Frauen können ja bekanntlich kein Mathe. Sie hat ihren Ehemann per Algorithmus gefunden, sich dann aber, frustriert nach Kinderlosigkeit und ausbleibendem Sex, von der Vernunftehe abgewendet und stattdessen den dichtenden Hausmeister ihrer eigenen Firma begehrt. "Sie wirkte glücklich", sinniert ihr Mann, der sie mit dem, der ihn gehörnt hat, nackt am See sah. (Puh ... nackt am See! Und: gefühlt zehnmal "gehörnt".) Ein Fünfzigerjahretraum.

Zu allem Überfluss erwischt die frauentypische Gehirnleere auch noch die Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler), in diesem Fall müssen eben alle Frauen doof sein. Seit geraumer Zeit führt Lydia eine Beziehung mit Max Ballauf, doch gerade hat das Paar eine Krise. Trotz ihrer Ausbildung ist die Psychologin in "Wahre Liebe" nicht in der Lage, mit Max ein Gespräch über ihr Verhältnis zu führen. Stattdessen giggelt sie mit Gabi vor dem Onlineportal und amüsiert sich über ihre eigenen schmachtigen Formulierungen. Doch dann fällt ihr die Lösung zur Rettung ihrer Beziehungkrise ein: Sie verabredet sich mit ihrem Freund zum Essen! Liebe geht doch durch den Magen.

Laut dem aktuellen "Spiegel" haben sich 170 deutsche Regisseurinnen zu Pro Quote Regie zusammengeschlossen und fordern eine Quote bei der Vergabe von Regieaufträgen und Fördermitteln, da derzeit in 85 Prozent der Kino- und Fernsehfilme "eine männliche Sicht auf die Welt inszeniert" werde. So wie in Köln.

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