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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Ich bin 51, meine Ehe ist gescheitert und die Kinder haben ein eigenes Leben"

Jutta hatte einen Ehemann, drei Kinder - ein fast sorgenfreies Leben. Doch dann ging sie fremd, die Ehe zerbrach. Die Kinder gehen inzwischen eigene Wege. Und Jutta fragt sich: Was habe ich nur mit meinem Leben gemacht?

Einsam mit 51

Einsam mit 51 - wie kann man sein Leben neu beginnen?

Hallo Frau Peirano,

mein Leben geht seit Jahren ständig bergab. Ich habe mit 30 geheiratet, dann Schlag auf Schlag drei gekriegt. Der älteste ist schon aus dem Haus, die zweite macht gerade Abi und will dann nach Südamerika, der Kleine wird nächstes Jahr ausziehen. Mein Mann war, wie man so sagt, ein guter: nett, hilfsbereit, super erfolgreich im Beruf, gut zu den Kindern, keine Leichen im Keller. Aber er war viel weg und im Bett war es sehr eintönig.

Als Hausfrau und Mutter fiel mir oft die Decke auf den Kopf, und ich habe mich, wie es so ist, nach anderen Männern umgeschaut. Ich hatte dann ein Jahr lang eine Affäre mit Klaus, konnte mich aber nicht entscheiden. Mein Mann fand es dann heraus und trennte sich Knall auf Fall. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und zog dann mit Klaus zusammen. Die Beziehung hielt nicht, was sie versprochen hatte. Die Kinder mochten ihn nicht und er wollte eigentlich nur mich und nicht drei Kinder. Er redete wenig und verstand oft nicht, was ich sagte. Auch klammerte er sehr und ließ mir kaum Freiraum.

Wir blieben trotzdem 8 Jahre zusammen, hatten mehrere Anläufe zu Trennungen. Das Geld wurde knapp, weil ich nur 5 Jahre Ehegattenunterhalt kriegte. Ich fing wieder an zu arbeiten, das war oft stressig. Mein Ex-Mann fand drei Jahre nach der Trennung seine Traumfrau und heiratete wieder. Das ist auch schon wieder Jahre her. Ich sehe ihn jetzt und frage mich, warum ich mich jemals von ihm getrennt habe. Er ist ein sehr liebevoller Vater mit den Kindern und seine neue Frau trägt er auf Händen. Ich könnte mich in den Hintern beißen, dass sie das jetzt hat.
Und ich habe nichts.
Nach der Trennung habe ich noch zwei kürzere Geschichten mit Männern gehabt, aber es passte überhaupt nicht. Ich glaube mittlerweile, dass die guten alle vergeben sind.
Dann fingen bei mir die gesundheitlichen Probleme an. Ich habe ständig Druck im Magen, starke Schulterverspannungen und Migräne. Die Kinder werfen mir vor, dass ich ständig gereizt bin und herumschreie. Sie verbringen jetzt so viel Zeit wie möglich mit ihrem Vater. Und ich stehe jetzt da, bin 51 und frage mich, was ich aus meinem Leben gemacht habe. Ich wollte immer eine glückliche Familie und eine Partnerschaft. Jetzt bin ich alleine, die Kinder wenden sich von mir ab und gehen bald aus dem Haus, ins Ausland und studieren garantiert nicht in unserer Kleinstadt.
Ich weiß nicht, was ich machen soll.
Viele Grüße, Jutta B.

Liebe Jutta B.,

Ihre Geschichte hört sich so an, als wenn Sie bisher das Glück im Außen gesucht haben. Sie wollten einen guten Partner, Kinder, ein sorgloses und materiell sicheres Leben. Als sich das Leben als Hausfrau und als eintönig und (auch sexuell) frustrierend erwies, haben Sie Ihr Glück an anderer Stelle gesucht und sich einen Liebhaber gesucht. Als die Beziehung mit ihm nicht so erfüllend wurde wie erhofft, haben sie sich nach anderen Männern umgeschaut.


Meine Frage an Sie ist: Wie sehr haben Sie neben dieser äußerlichen Suche auch nach innen geschaut? Kennen Sie Ihre wirklichen Bedürfnisse gut und hören Sie eine innere Stimme, die Ihre Gefühle sortiert und Ihnen einen guten Rat gibt, wohin der Weg als nächstes geht? Ich habe den Eindruck gewonnen, dass diese Stimme in Ihnen bisher nicht richtig ausgebildet wurde und dass Sie deshalb auch Gefühle innerer Leere und Orientierungslosigkeit verspüren. Die Stimme der inneren Mutter hört man nicht so laut wie Stimmen von anderen Menschen, aber dennoch dirigiert sie das Geschehen.
In psychologischer Sprache kann man sagen, dass es in Ihnen keine gute innere Mutterfigur gibt, die sich um Sie kümmert. Im optimalen Fall hat ein erwachsener Mensch eine gute innere Mutter in sich ausgebildet, die

- sich um eine gute, alltägliche Versorgung kümmert. Sie kocht gesundes und leckeres Essen, räumt die Wohnung auf und macht die Betten, sorgt für ausreichend Schlaf und Bewegung, die Spaß macht.

-Sie kümmert sich um seelische Bedürfnisse. Wenn man Probleme hat, traurig, enttäuscht oder wütend ist, fragt sie nach, hört zu und hilft einem, eine Lösung zu finden.
-Sie motiviert, lobt und spornt einen an -Gleichzeitig kann sie auch energisch werden, wenn man etwas Gefährliches oder Schädliches tut. Wenn man z.B. betrunken Auto fahren will, sollte sich die innere Mutter laut melden und einen davon abhalten -Sie schaut sich die Partnersuche genau an und hilft dabei, einen liebevollen, interessanten Partner zu finden. Auch in der Beziehung hilft sie in kritischen Situationen mit positiven Sätzen, die einen weiterbringen. Das gleiche gilt auch für den Beruf sowie Freundschaften.
- die innere Mutter kennt die Herzensangelegenheiten oder hilft einem, die Dinge herauszufinden, die einem wichtig sind. Sie ermöglicht es einem, Geld für Reitstunden beiseite zu legen oder einen zum Tanzen zu motivieren. Und sie kümmert sich um die täglichen Bedürfnisse. Sie ist diejenige, die für eine Pause sorgt, in der man sich hinlegen darf. Sie streicht Aufgaben von der täglichen Liste, weil man die nur mit Stress und Zeitdruck schafft. Und sie rät einem, eine bestimmte Freundin anzurufen, wenn man Kummer hat.

Ich kann mir bei Ihnen gut vorstellen, dass Sie diese Aufstellung lesen und feststellen, dass Sie sich bisher von Ihrer guten inneren Mutter sehr alleine gelassen gefühlt haben. Und man fühlt sich auch alleine gelassen, wenn die gute innere Mutter ihren Job nicht macht. Dann kommt man mit Problemen nach Hause und muss sich einfach ablenken, weil man alleine keine Lösung findet. Oder es melden sich andere innere Stimmen wie z.B. eine strenge, abwertende innere Mutter, die einem noch um die Ohren haut: "Kein Wunder, dass du keinen Mann findest, so schwierig wie du bist."

Ich würde Ihnen raten, sich die Zeit zu nehmen, eine gute innere Mutter auszubilden. Ein guter Einstieg ist das Buch "Das Kind in die muss Heimat finden" von Stefanie Stahl. Insbesondere das Arbeitsbuch ist zu empfehlen, da es sehr praktisch ist. Außerdem würde ich Ihnen zu einer guten Psychotherapie raten, bei einer Therapeutin, die Ihnen sympathisch ist und der Sie vertrauen. Eine Therapie wird Ihnen schon wegen Ihrer psychosomatischen Beschwerden von der Krankenkasse bezahlt.
Sie haben jetzt, wo die Kinder aus dem Haus gehen, die Möglichkeit, sich um sich selbst zu kümmern und zu lernen, fürsorglich und liebevoll mit sich umzugehen. Dadurch wird automatisch der Kontakt zu Ihren Kindern, zu Freunden und zu potenziellen Partnern positiver.
Und haben Sie Geduld, es dauert ungefähr zwei Jahre, bis man eine gute innere Mutter ausgebildet hat. Am Anfang haben die meisten Menschen Zweifel an der Methode und Schwierigkeiten, Zugang zu dieser "Instanz" zu finden. Wenn Sie beharrlich üben, wird es Ihnen bald leichter fallen.

Herzliche Grüße und alles Gute für Sie, Julia Peirano

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