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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Meine Mutter war immer sehr kalt - suche ich mir deshalb stets die falschen Männer?

Die Beziehung zur Mutter prägt einen Menschen - besonders, wenn sie falsch läuft. Kati leidet immer noch unter ihrer unterkühlten Mutter. Verliebt sie sich deshalb ständig in Männer, die ihr nicht gut tun?

Eine Frau und ihre Mutter stehen am Strand

Das Verhalten der Mutter prägt später auch die eigenen Beziehungen (Smybolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

Ich (39) gerate immer an die falschen Männer. Einer war früher mal drogensüchtig, dann zwar clean, aber er hat mich ausgenutzt und war unzuverlässig. Ein anderer wollte immer, dass es nur nach ihm ging, und wenn ich auch mal etwas wollte, gab es endlose Diskussionen. Und im Bett war er überhaupt nicht einfühlsam. Mein Ex-Mann hat mich alles allein machen lassen und mich betrogen.

Es haben sich auch andere Männer für mich interessiert. Liebevolle, sympathische, die ihr Leben im Griff hatten. Aber ich konnte nie wirkliche Gefühle für sie entwickeln.

Ich bin mittlerweile darauf gekommen, dass mein Problem mit Männern mit meiner Mutter zusammenhängt. Meine Mutter ist eine sehr schwierige und launische Person. Ich habe schon früh gelernt, ihre Wutausbrüche zu erahnen und dann ganz lieb zu sein, damit sie nicht ausflippt.

Sie hat mich nicht geschlagen, aber sie konnte beleidigt sein und ist dann tagelang in ihrem Zimmer verschwunden, hat geweint und wenn ich mich entschuldigen wollte, hat sie sich weggedreht.

Wir haben allein gewohnt (ich bin aus einer Affäre entstanden) und ich konnte mir dann alleine essen machen und in die Schule gehen. Ich glaube, ich war da erst sieben. Das zog sich so durch meine Geschichte.

Ich war in der Schule sehr gut, aber meine Mutter hat meine Erfolge immer mit anderen verglichen. Auf einem Vorlesewettbewerb sagte sie: Ich war ja ganz begeistert von Maria, die hat so ausdrucksvoll gelesen. Sie hielt mir meine Cousine vor, die sich ja so lieb um ihre Mutter kümmert. Dabei habe ich für meine Mutter extrem viel gemacht. Ich habe ihre Sorgen angehört (sie hatte immer welche), habe für uns gekocht, viel im Haushalt mitgeholfen und ihr zum Geburtstag und zu Weihnachten monatelang vorher sehr viele Sachen gebastelt oder gestrickt. Aber es hat nie gereicht.

Wenn sie schlecht gelaunt oder manchmal auch betrunken war, hat sie mir vorgeworfen, was sie alles für mich macht und dass ich undankbar und egoistisch bin. Ich wusste nie, warum. Bis heute weiß ich nicht, was ich falsch gemacht habe.

Sie hat mich oft im Stich gelassen. Wenn ich Liebeskummer oder Streit mit einer Freundin hatte, sagte sie: "Naja, du wirst ja auch etwas dazu beigetragen haben. Du bist ja nicht einfach."

Wenn ich zu viel für die Schule oder später für die Universität gemacht habe, hat sie mich weiter angetrieben. Ich sagte, ich bin überlastet und brauche Ferien, da kam sie an und sagte, dass ich sie dann ja zum Arzt und zum Einkaufen fahren könnte, wenn ich frei hätte und nichts mache.

Ich habe immer gemerkt, dass meine Mutter anders ist als andere Mütter. Kälter, weniger liebevoll. Sie konnte die Kritik immer unterschwellig verpacken: "Deine Haare sehen jetzt viel besser aus, nicht mehr dieser biedere Schnitt, den du immer hattest". Wenn ich sie um Hilfe gebeten habe oder mit ihr mal über meine Probleme sprechen wollte, sagte sie: "Mir geht es so schlecht, ich kann das nicht."

Sie hat mich in den schlimmsten Situationen meines Lebens einfach hängen lassen: Als ich eine Fehlgeburt hatte, brachte sie mit großer Geste Blumen ins Krankenhaus, erzählte dann nur von sich und ihren Problemen. Später, wenn ich wieder mal ihren Erwartungen nicht genügt habe, warf sie mir dann vor, dass sie alles für mich tut und mich ja nach meiner Fehlgeburt so getröstet hat.

Ich habe es satt mit ihr. Immer mal wieder distanziere ich mich von ihr und wir haben dann 1-2 Jahre weniger Kontakt. Dann geht es mir viel besser. Und irgendwann kommt sie wieder an und ist ganz lieb zu mir, wir können vertraut über unsere Vergangenheit reden, sie kocht mein Lieblingsessen, und dann lasse ich mich einwickeln. Gerade wenn es mit den Männern nicht so läuft (wie eigentlich immer), nähere ich mich dann wieder meiner Mutter an. Und dann geht das alte Spiel wieder los.

Es zermürbt mich so schrecklich. Und ich habe große Angst, nie einen guten Mann zu finden, weil ich so verbogen bin.

Was raten Sie mir?

Kati T.


Liebe Kati T.,

Das ist eine schreckliche Geschichte, die Sie mir von sich und Ihrer Mutter erzählen! Es hört sich so an, als wenn Sie gelernt haben, dass Sie nie gut genug sind, egal, was Sie machen.

Sie haben sich anscheinend sehr um Ihre Mutter bemüht, aber sie hat das nicht wahrgenommen, sondern Sie durch eine verzerrte Brille gesehen.

Kinder brauchen viel Liebe und Anerkennung, um zu selbstbewussten Menschen heranzuwachsen. Eltern sollten nicht objektiv sein wie eine Jury bei einem Wettbewerb. Es ist nicht ihre Aufgabe, zu sagen, wer am besten vorgelesen oder Klavier gespielt hat. Ihre Aufgabe ist es, ihr eigenes Kind zu unterstützen und zu fördern, es nach einer Leistung begeistert anzuschauen und zu sagen: "Toll hast du das gemacht! Ich bin stolz auf dich!" Und wenn die Leistung nicht ganz so toll war, könnten sie das Kind trösten oder mit ihm klären, in welchen Bereichen es wirklich etwas leisten möchten (vielleicht nicht in Mathe, aber in Kunst).

Und wenn das Kind etwas verbessern könnte, wäre es wichtig, eine klare Spiegelung zu geben und genau zu benennen, was sie erwarten. Zum Beispiel: Es ist schade, dass du wenig für die Schule tust. Ich möchte, dass du dich jeden Tag eine Stunde an deine Hausaufgaben setzt.

Ihre Mutter hat Sie als kleines, formbares Kind mit ihren eigenen Erwartungen und mit ihrer Kritik komplett verwirrt. Sie haben für kleine Kinder viel zu viel Verantwortung übernommen, doch ihre Mutter hat ihnen gespiegelt, dass es nicht reicht und dass sie egoistisch sind. Damit hat sie den Grundstein dafür gelegt, dass Sie sich auch später als Erwachsene von Ihren Partnern haben ausnutzen lassen. Doch wie sollten Sie das richtige Maß kennen? Vor allem, da Ihre Mutter anscheinend die einzige Bezugsperson war.

Ihre Mutter war anscheinend nie zufrieden mit Ihnen, und sie hat Sie in Rollen gebracht, die für Kinder nicht gesund sind: Die Trösterin, die Haushälterin, den Partnerersatz. Wenn es Ihnen schlecht ging, war Ihre Mutter nicht auf Ihrer Seite und hat Sie gestärkt und gestützt. Selbstwertgefühl entsteht, wenn man Schwierigkeiten hat und Eltern sagen: "Es ist nicht ok, wie dein Lehrer dich behandelt. Da wehren wir uns." Oder: "Ich finde, du hast einen Freund verdient, der dir hilft und für dich da ist."

Aber Ihre Mutter hat Ihnen beigebracht, dass die Schuld immer bei Ihnen liegt, egal was schief läuft. Und sie hat Ihnen nicht erklärt, woran Ihre vermeintlichen Fehler nun liegen. Sie waren "schwierig, undankbar und egoistisch". Mit so einem Urteil kann man sich ja nur noch mehr anpassen und noch mehr für andere tun.

Es wäre aber wichtig gewesen, dass Ihre Mutter Sie korrekt spiegelt und Ihnen sagt, was genau egoistisch war und wie sie es verbessern können. Und Ihnen auch sagt, was Sie alles gut gemacht haben.

Es ist immer schwierig, aus der Entfernung eine Verdachtsdiagnose auszusprechen, aber ich sage Ihnen trotzdem, was ich vermute. Es klingt so, als wenn Ihre Mutter entweder starke narzisstische Züge hat oder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Für Töchter, deren Mütter eine Narzisstin ist, ist es unglaublich wichtig, das zu wissen. Deshalb äußere ich auch diese Verdachtsdiagnose.

Meine Empfehlung an Sie wäre, sich in aller Ruhe und mit Unterstützung einer Psychotherapeutin (ausgebildet in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie) daran zu machen, das Krankheitsbild Narzissmus zu verstehen und sich ein Urteil darüber zu bilden, ob Ihre Mutter davon betroffen ist.

Einen hervorragenden Einstieg bietet das Buch: "Werde ich jemals gut genug sein? Heilung für Töchter narzisstischer Mütter" von Karyl McBride. Karyl McBride ist Psychotherapeutin und hat selbst unter einer narzisstischen Mutter gelitten. Sie nennt genau die verschiedenen Erscheinungsformen narzisstischer Mütter und die Kriterien, an denen man Narzissmus festmacht.

Starke Kritik an den Töchtern, das Gefühl fehlender Wärme und Liebe, mangelnde Unterstützung in emotionalen Bereichen, Verdrehen der Wahrheit, sich niemals entschuldigen und ein starkes Kreisen um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse sind die Kernmerkmale.

Wenn Sie zusammen mit Ihrer Therapeutin feststellen, dass Ihre Mutter wirklich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, beschreibt Karyl McBride auch den Heilungsprozess in ihrem Buch. Zuerst kommen in der Regel starke Trauer über die Leiden in der Kindheit und Wut auf die Mutter hoch.

Ich habe in den Therapien oft erlebt, dass betroffene Töchter sich gewünscht haben, dass ihre Mutter ans Ende der Welt zieht oder dass der Teufel sie holt. Es wird viel geweint und gewütet. Dieser Prozess kann Jahre dauern, ist aber unerlässlich für ein stabiles Selbstwertgefühl.

Es werden durch die starken Emotionen Nervenverbindungen gelöst, die falsch verdrahtet waren. Zum Beispiel: "Du bist undankbar". Daraus wird nach der emotionalen und gedanklichen Verarbeitung und der unverzerrten Spiegelung der Therapeutin dann eine gesunde Verdrahtung: "Ich habe viel zu viel für meine Mutter getan. Sie hat mich emotional missbraucht und ich habe alles Recht der Welt, wütend auf sie zu sein."

Es ist ein sehr anstrengender Prozess, aber auch sehr heilsam. Und am Ende dieses Wegs finden Sie eine Form, mit Ihrer Mutter umzugehen. Viele Patientinnen brechen den Kontakt ganz ab, andere haben einen "zivilen" Kontakt mit klar definierten Grenzen (z.B. "Ich nehme keine Kritik von meiner Mutter an").

Aber die Belohnung ist, dass sich parallel zu der Verarbeitung Ihres emotionalen Missbrauchs auch das Bild von Paarbeziehungen wandelt. Wenn Sie klare Grenzen gegenüber Ihrer Mutter ziehen, werden auch die Grenzen gegenüber Partnern klarer. Dann sind Sie in der Lage, sich einen Mann zu suchen, der Sie liebevoll behandelt und Sie respektiert.

Es ist ein langer und anstrengender Weg, aber es ist extrem lohnend und befreiend.

Ich wünsche Ihnen alles Gute dafür!

Herzliche Grüße,

Julia Peirano

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(