VG-Wort Pixel

Singlebörsen Und manchmal ist es wirklich Liebe


Millionen Deutsche setzen auf Partneragenturen im Internet. Ein Report von echten und falschen Kavalieren, miesen Tricks und vom Suchen und Finden der Liebe.
Von Doris Schneyink

So langsam wurde es ihm zu blöd. Immerzu Frauen ansprechen in den Diskotheken zwischen Düsseldorf und Essen. Nicht dass ihm das schwergefallen wäre. Christian Rohwedder, 29, ist kein schüchterner Mann, er sieht ein bisschen aus wie Johnny Cash - dunkle Augen, braune Haartolle, muskulöse Oberarme. Seine Stimme klingt tief und warm. Sein Musikgeschmack reicht von Rammstein bis zu Karnevalsliedern. Ein Rheinländer eben, entspannt und offen für Neues. Frauen stehen auf Typen wie ihn, "aber die wollten immer nur One-Night-Stands", sagt er, und es klingt aufrichtig enttäuscht. Christian Rohwedder suchte eine Frau fürs Leben. "Ich glaube an die große Liebe", sagt er. Und weil er die weder in den Discos noch in seiner Heimatstadt Xanten am Niederrhein fand, meldete er sich nach drei Single-Jahren bei der Online-Partnerbörse Neu.de an. Sein Pseudonym: roodi _a_269.

Längst gesellschaftsfähig

Lange haftete den digitalen Partnervermittlungen das Stigma an, eine Art Resterampe für Menschen zu sein, die im "echten" Leben keine Chance bekommen. Peinlich, wer das nötig hatte! Offen drüber reden? Auf keinen Fall.

Doch das Image der Online-Kuppelbörsen hat sich radikal geändert. Im Internet nach Mr. oder Mrs. Right zu fahnden ist inzwischen gesellschaftsfähig. Online-Partnerbörsen sind der Heiratsmarkt des 21. Jahrhunderts. Rund sieben Millionen Singles loggen sich Monat für Monat ein; hinzu kommen nach Angaben der Betreiber 3,5 Millionen Männer und Frauen, die ausschließlich erotische Kontakte suchen.

Fünf Agenturen beherrschen den Markt der klassischen Partnervermittlung in Deutschland: Parship, eDarling, Elitepartner, Friendscout24 und Neu.de. Darüber hinaus vermitteln Hunderte Nischenbörsen Kontakte für jede sexuelle Vorliebe und in jedes gesellschaftliche Milieu - Alleinerziehend.de, Bondage.de, Fetisch.de, Flirt.landwirt.com, Russische-Frauen.de, Rubensfan. de und, und, und.

Ein intransparenter Markt

Ob die über 2000 Singlebörsen, die in Deutschland ihre Dienste anbieten, halten, was sie versprechen, ob sie wirklich das Schicksal überlisten und Liebespaare zusammenfügen können, das weiß niemand so genau. Der Markt ist kaum reguliert und intransparent. Und die Branche tut wenig, um das zu ändern.

Das beginnt bei den Mitgliederzahlen. Da wird häufig einfach jeder gezählt, der sich im Lauf der Jahre angemeldet hat. Auf stolze fünf Millionen Mitglieder kommt so der Marktführer Parship. Den Anteil an Karteileichen verrät das Unternehmen nicht. Auch ihren Erfolg misst jede Plattform anders, zum Teil mit absurden Statistiken. "Ca. 7000 Singles verlieben sich hier pro Monat" (Friendscout24), "Alle fünf Minuten lernt sich hier ein neues Paar kennen" (eDarling), "Alle elf Minuten verliebt sich ein Single mit Parship". Wer auf der Suche nach der großen Liebe ist, möchte solchen Zahlen nur zu gern glauben. Er ist im höchsten Maße verführbar, und das nutzt die Branche aus.

Provision auch für Verbraucherportale

Sogar vermeintliche Verbraucherportale wie Singleboersenvergleich.de entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als Profiteure dieser Industrie. Sie veröffentlichen zwar Tests, sind jedoch finanziell abhängig von den Websites. Für jeden Kunden, der sich etwa von Singleboersenvergleich zu einer Börse klickt und dort zahlendes Mitglied wird, gibt es eine Provision. Wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Thomas Schauf vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BdW) sagt: "In Teilen der Branche herrscht ein bisschen Wildweststimmung." Er schätzt, dass nur rund zwei Dutzend Anbieter wirklich seriös sind. Erst vor zwei Jahren führte der BdW ein Qualitätssiegel ein, den S.P.I.N.-Kodex (Seriöse Partnersuche im Internet), mit dem sich Unternehmen zu einer verbraucherfreundlichen Praxis verpflichten. Dabei sind bislang aber nur drei Singlebörsen- Anbieter: eDarling, Friendscout24 und Neu.de.

Was heißt "seriös"?

Seriöse Partnervermittlung im Internet bedeutet: Die Unternehmen bieten faire Preise. Das Abo-Modell ist transparent. Und hinter den Kontakten verbergen sich echte Männer und Frauen.

So einer wie Mathias Jung. 142,80 Euro kostete das Test-Abo, das der 26-Jährige bei Parship abschloss. Laufzeit: zwölf Monate. Wie alle Singlebörsen lockt auch das Hamburger Unternehmen mit einem simplen Trick: Die Registrierung geht ganz schnell und ist zunächst kostenlos. Doch wer unbegrenzt mailen und flirten möchte, muss zahlen. Für einen Monat, sechs oder zwölf. Schwer, da zu widerstehen. Mathias Jung jedenfalls schmolz sofort dahin, als er sich auf der Parship-Seite umschaute: Die tollen Frauen aus der Werbekampagne. Die Versprechungen. "Neun von zehn Parship-Paaren bleiben zusammen." – "Verlieben ist mehr als Zufall." Schnell hatte er das Abo für ein Jahr gezahlt. Doch nur einen Tag später war der Student aus Rostock schwer enttäuscht. Sein Problem: "Man kann die Fotos der Frauen bei Parship erst sehen, wenn man sie angeschrieben hat und sie das Bild freigibt." So viel Geld - und dann zunächst verschwommene Fotos, das empfand er als Abzocke. "Es wäre gelogen, wenn man sagt, das Äußere zählt nicht." Er nutzte sein Recht auf Widerruf.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Christian Rohwedder doch noch die große Liebe fand.

Unbegrenzter Zugriff für 34,90 Euro

Auch Sabine Wrobel, 32, entschloss sich innerhalb weniger Minuten, Premium-Mitglied bei Neu.de zu werden. "Der Preis war mir in dem Moment, ehrlich gesagt, ziemlich egal", sagt sie. Denn für 34,90 Euro im Monat erhielt sie sofort unbegrenzten Zugriff auf: Männer! Ein königliches Gefühl. "Ich habe bestimmt, nach welchen Kriterien ich einen Partner auswähle." Dunkle Haare, dunkle Augen, humorvoll, sportlich, natürlich sollte er sein.

Manchmal traf sie sich abends mit ihrer besten Freundin. Dann öffneten die beiden jungen Frauen eine Flasche Wein und navigierten durch die Tiefen des Angebots. Ein Traummann war nicht dabei, aber sie hatten ziemlich viel Spaß. Diese Fotos! Männer mit nacktem Oberkörper, Männer vor ihrem Sportwagen, ein Mann in der Badewanne mit viel Schaum im Gesicht. "Das ist, als würdest du in einen Spielautomaten eine Münze einwerfen und irgendwann die Stopptaste drücken", sagt Wrobel. "Es macht süchtig."

Mit einem Mann begann sie eine Affäre, unverbindlich und schön. Und schmeichelhaft fürs Selbstbewusstsein. Mit anderen Männern beendete sie die Kommunikation sofort. Im Schutz der Anonymität überschreiten viele Kunden die Grenze zur sexuellen Belästigung. "Du siehst geil aus, wann treffen wir uns?", schrieb ein Mann. Ein anderer wollte Telefonsex, ein dritter verriet ihr im Chat, dass er auf dichte Intimbehaarung stehe, wie es bei ihr so aussehe, und ein vierter entpuppte sich als Stalker, der sie mit Mails bombardierte. Eine Zumutung, vor der die Anbieter ihre Kunden weder schützen können noch wollen. Sie brauchen täglich Tausende von Anmeldungen, damit etwas abgeht auf der Website. Doch was da abgeht, ist Privatsache der Nutzer.

Der Traummann bleibt ein Traum

Nach sechs Monaten intensiven Flirtens, Chattens, Mailens hatte Sabine Wrobel 209,40 Euro weniger auf dem Konto – und das Gefühl, genug erlebt zu haben. Sie wollte sich abmelden. Dann entdeckte sie roodi_a_269. Dunkle Augen, braune Haare, ein bisschen wie Johnny Cash. Genau ihr Typ. Aber was, wenn auch er so ein Psycho ist? Egal. Ein letztes Mal wollte Sabine Wrobel ihr Schicksal herausfordern. Sie entschied sich für die einfachste Form der Kontaktaufnahme, die Singlebörsen bieten: die "Lächel-Funktion". Würde er antworten?

Den Glauben, hier die große Liebe zu finden, hatte sie zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben. "Man sollte nicht erwarten, seinen Traummann im Internet zu finden, der Erwartungsdruck macht einen unglücklich. Für mich war das eher ein Experiment, in dem ich mich selbst besser kennengelernt habe", sagt sie.

Auch Arne Kahlke, Chef des deutschen Marktführers Parship in Hamburg, versucht, die hohen Erwartungen seiner Kunden zu dämpfen: "Wir helfen Menschen, einander kennenzulernen. Verlieben müssen sie sich schon selbst." Und: "Den Traumpartner gibt es nicht."

Vielleicht klappt es ja beim Nächsten ...

Das klingt bescheiden. Viel bescheidener als die Werbeclaims der Singlebörsen, die das Blaue vom Himmel versprechen: "Ihr Mouseclick zur Liebe." "Neu verlieben für ein ganzes Leben." Wir führen Sie zur Liebe Ihres Lebens." "Anonym und sicher."

Natürlich sind die Millionen Nutzer der Onlinebörsen nicht naiv. Natürlich ahnen die meisten, dass diese Versprechen eine Illusion sind. Das Paradoxe ist: Sie sind bereit, für diese Illusion zu zahlen.

Und die Branche tut alles, um die Illusion aufrechtzuerhalten. Um dieses verführerische Gefühl zu erzeugen: Vielleicht klappt es ja beim nächsten Date, deine Chancen sind grenzenlos. Sie gibt Millionen für Werbekampagnen aus, damit sich massenhaft neue Mitglieder anmelden. Gleichzeitig darf die Suche nach einem Partner trotz des riesigen Angebots nie beliebig erscheinen. Sonst könnte man ja gleich bei Facebook kostenlos selbst suchen.

Deshalb spielen die Matching-Algorithmen in der Vermarktung eine so große Rolle. Die Firmen versuchen, die Liebe zu vermessen und exakt zu berechnen.

Persönlichkeitstests sollen helfen

Bis zu 280 Fragen umfassen die Persönlichkeitstests der Singlebörsen, die jedes neue Mitglied ausfüllt. Sie geben an, wie ehrgeizig sie sind, wie häuslich, wie lebenslustig, wie groß, wie dick, wie viel sie verdienen und so weiter und so weiter. Die Antworten werden von einem Computer ausgewertet, und ein Matching- Algorithmus filtert nach geheim gehaltenen Parametern aus der Masse des Angebots die "passenden" Partner heraus. Konsens in der Branche ist etwa, dass aus einem sehr dominanten Mann und einer ähnlich dominanten Frau vermutlich kein glückliches Paar wird. Entsprechend niedrig sind die Matching-Punkte, die der Algorithmus für beide berechnet. Die Ergebnisse werden den Kunden innerhalb von Minuten zugemailt.

Alexandre Lubot ist Franzose und Chef der größten europäischen Onlinebörse Meetic, zu der auch Neu. de gehört. Hinter Meetic steht das amerikanische Dating-Imperium IAC mit über 43 Millionen Mitgliedern. Der Weltmarktführer aus den USA und sein europäischer Ableger setzen die Trends in der Branche. Lubot sagt: "Nirgendwo ist das Matching so populär wie in Deutschland." Wie man Menschen Dinge verkauft, hat er im Marketing von Procter & Gamble gelernt. Fleckenreiniger. Windeln. Solche Sachen.

Weihnachten will niemand allein sein

Die Zentrale des Unternehmens liegt in Paris, nahe der Opéra. Lubot sitzt in seinem Büro im sechsten Stock, er hat Ringe unter den Augen. Januar. Der anstrengendste Monat in der Branche. "Spätestens am zweiten Weihnachtstag beschließen viele Menschen, dass sie im nächsten Jahr nicht mehr allein feiern wollen", sagt er. Jedes Jahr nach Weihnachten explodiert die Zahl der Registrierungen.

Kein anderes Unternehmen rühmt sich so sehr, die Suche nach dem besten Matching-Algorithmus voranzutreiben wie Meetic.com. In der Eingangshalle messen junge Programmierer in Jeans und T-Shirt an einem Kicker ihre Kräfte, bevor sie an ihre Computer zurückkehren. Dort tüfteln sie an Programmen, die die gigantischen Datenmengen immer raffinierter auswerten. An der ultimativen Liebesformel.

Der Widerspruch zwischen Sagen und Tun

So beobachtet Meetic seit Kurzem sogar das Verhalten der Kunden auf der Plattform. "Man kennt das aus der Psychologie, es gibt einen Widerspruch zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, wie sie sich verhalten", sagt Lubot. Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Eine leidenschaftliche Theatergängerin etwa verweilt verdächtig lange auf dem Profil des Formel-1-Fans, obwohl sie Autorennen verachtet. Ein kleiner Mann findet eine große Frau attraktiv, obwohl sie nicht seinem Ideal entspricht.

Mit je mehr Informationen die Liebesformel gefüttert wird, desto besser ihre Ergebnisse. Behauptet Meetic - denn die Formel ist natürlich geheim. Das klingt nach Liebes-NSA. Und nach einer Marketingstory. Der ganze Wirbel ums Matching, um Algorithmus und psychologische Paarforschung, ist auch ein Trick, um dem Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Sabine Wrobel Christian Rohwedder entdeckte.

Obszöne Antworten

Bei Christian Rohwedder alias roodi_a_269 hatte der Algorithmus jedenfalls einen ziemlichen Unsinn berechnet. Der Computer schlug ihm Frauen vor, die überhaupt nicht zu ihm passten. "Ich verstehe nicht, warum Frauen Fotos mit Pferden hochladen", sagt er. Oder im Bikini. Oder gestylt wie ein Model. So künstlich und ohne jede Ausstrahlung. Mit zwei Frauen traf er sich. Ein Desaster. Die eine beschwerte sich im Restaurant über das Essen. "Wie verrückt ist das denn? Ich fand die so unlocker, wir hatten uns nichts zu sagen."

Das änderte sich erst, als Sabine Wrobel sein Profil aus den Tiefen des Angebotes herausfischte. Sie schickte ihm ein Lächeln. Er antwortete umgehend: "Ich finde dich sympathisch, du hast eine sehr nette Ausstrahlung. Übrigens, ich wohne in Xanten."

Echte Menschen. Echte Gefühle. Das ist es, wonach die Kunden sich sehnen. Doch nirgendwo werden so schnell falsche Erwartungen geweckt wie im Internet, nirgendwo lassen sich Identitäten so einfach fälschen. Die Singlebörsen mit ihren Millionen Nutzern ziehen Hochstapler, Perverse und Kriminelle geradezu magisch an.

Weiß der, wo ich wohne?

"Ich will dich ficken!" Als Ines Woltmann diesen Satz las, war sie geschockt. Der Chat mit dem Mann hatte ganz harmlos angefangen, doch innerhalb von Sekunden war er ins Obszöne gekippt. Nun saß sie zu Hause auf dem Sofa, den Laptop auf dem Schoß, und fühlte sich bedroht. Sie brach die Unterhaltung ab, überlegte fieberhaft: Weiß der, wo ich wohne? Was habe ich erzählt?

Heute ist sie sich sicher, dass sein Profil gefälscht war. Auf dem Foto sah der Mann aus wie ein Model, viel zu perfekt, um echt zu sein. "Ich dachte: Du Schaf, fällst mit 46 Jahren noch auf ein Fake herein." Inzwischen kann sie darüber lachen. Und gelernt hat sie auch: "Ich war viel zu schnell bereit, meinen echten Namen und meine Handynummer herauszugeben." (Oben erzählt sie ihre Geschichte im Video.)

Die Liebespolizei

Marc Christian ist so etwas wie der oberste Liebespolizist bei Friendscout24. Er leitet die Abteilung "Fraud Prevention", Betrugsvorbeugung. Was Ines Woltmann passiert ist, kennt er gut. "Wir reden von Fixierung", sagt er. Frauen, aber auch Männer, übersähen Warnsignale, weil sie so gespannt seien auf das nächste Kompliment oder überwältigt von den vermeintlichen Gemeinsamkeiten mit dem Flirtpartner. Manchmal endet ein solcher Mailverkehr auch mit Betrug.

Rund 30 Mitarbeiter machen bei Friendscout24 nichts anderes, als gefälschte Profile mit einer "Türstehersoftware" herauszufiltern. Etwa zehn Prozent der Anmeldungen sind verdächtig und fliegen raus", sagt Christian. Das wären allein bei Friendscout24 rund tausend am Tag.

Die Firmen wissen, wie gefährlich das für sie ist. Dennoch gelingt es sogenannten 'Romance Scammern', also Liebesbetrügern, immer wieder, sich auf den Plattformen zu registrieren. Mithilfe spezieller Programme drücken sie massenhaft gefälschte Profile in die Onlinebörsen und bauen Kontakt zu ihren Opfern auf – immer mit dem Ziel, ihnen Geld abzuknöpfen.

Fake-ID: vollbusige Russin

Gegenüber Frauen treten die vermeintlichen Flirtpartner gern als amerikanische Geschäftsleute oder US-Militärs auf. "In der ersten Phase loten sie aus, welche Schicksalsschläge jemand erlebt hat und wie einsam er sich fühlt", erzählt Christian. Dann würden sie "brachial romantisch". In der dritten Phase geschieht angeblich etwas Tragisches, und der Geschäftsmann oder General a. D. braucht Geld. Die Überweisung sollte am besten durch Western Union erfolgen.

Auch Männer werden so ausgenommen: Das weibliche Pendant zum US-Geschäftsmann ist die vollbusige Russin, 21, die gern ihren deutschen Flirtpartner, um die 60, heiraten würde. Doch sie braucht 5000 Euro unter anderem für das Flugticket. Am besten per Western Union. "Anders als Kreditkartenoder Paypal-Zahlungen lassen sich solche Überweisungen nicht rückgängig machen", sagt Christian. Etwa zehn Millionen Euro, so schätzt die Branche, überweisen deutsche Singles im Jahr an Romance Scammer.

Missbrauch mit den virtuellen Partnern treiben aber auch manche Singlebörsen selbst: Die Leipziger Unister Holding (Partnersuche.de) etwa fälschte Mitgliederprofile, um ihren Nutzern Flirtchancen vorzutäuschen. In einer Mail an seine Mitarbeiter verlangte der Unister- Geschäftsführer ganz offen "Fake-Aktivitäten wie Anklopfer und Kontaktanfragen". Das Landgericht Berlin untersagte Ende 2011 diese Praxis. Doch nur selten landen solche offenkundigen Fälschungen vor Gericht. "Hundertprozentige Sicherheit können wir nicht gewährleisten", sagt Christian. "Wir rüsten ständig auf, setzen aber auch auf die Aufklärung der Nutzer." Und die lassen sich weder durch Betrüger noch durch Enttäuschungen davon abhalten, an die große Liebe zu glauben.

Und dann doch

Mathias Jung, der Student aus Rostock, fand die Frau seines Lebens nicht im Internet, sondern auf einer "Schaumparty". Frieda ist fünf Jahre jünger als er und vier Zentimeter größer. Der Matching-Algorithmus hätte die beiden niemals zueinander geführt.

Ines Woltmann hat sich trotz der Geschichte mit dem Fake online verliebt. In Jochen. Er ist auf das gleiche Gymnasium in Frankfurt gegangen wie sie, trainierte im gleichen Sportverein. Nur begegnet waren sich die beiden nie. Seit einem Jahr sind sie ein Paar.

Und Sabine Wrobel und Christian Rohwedder? Aus ihrem Lächeln wurde ein Chat, dann ein Treffen, es war die große Liebe. Vorletzten Sommer zog sie zu ihm nach Xanten an den Niederrhein. Und feiert dort inzwischen sogar Karneval.

Im neuen stern lernen Sie Deutschlands begehrteste Singles kennen!


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker