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Weiqing: Der Schlussmacher – oder: Wie ein Chinese Affären beendet

In China betrügt jeder fünfte Ehemann seine Frau, die Scheidungsrate ist immens hoch. Aus dieser Tatsache hat Shu Xin ein blühendes Geschäft gemacht: Mithilfe seiner Agentinnen bringt er die Gespielinnen dazu, freiwillig aufzugeben.

Shu Xin

Shu Xin, Gründer des Unternehmens Weiqing, mit seinen Angestellten im Büro in Shanghai. Seine Nachricht an betrogene Ehefrauen lautet: "Werdet nicht wütend, sonder kriegt eure Gegenspielerinnen dazu, freiwillig aufzugeben."

Wenn Shu Xin und seine Damen alles richtig machen, beenden sie Affären. Der 49-Jährige Chinese hat aus der Tatsache, dass in seinem Land die Ehemänner so untreu sind, ein blühendes Geschäft gemacht. Mit mehr als 50 Niederlassungen seiner Agentur Weiqing geht er nun an die Börse: Shu Xin rettet Beziehungen. Seine Kundinnen sind betrogene Ehefrauen. Und denen ist ihr Bund fürs Leben durchschnittlich 8000 Euro wert, um die Kurtisane ihres Gatten aus dem Feld zu räumen. Das kann sich natürlich nicht jede Frau leisten, es sind in erster Linie die Gemahlinnen vermögender Männer, die sich an ihn wenden. Frau Wang war ihre Ehe sogar mehr als 50.000 Euro wert.

Shu Xin und seine Angestellten gehen bei ihrer Mission selbstverständlich gewaltfrei vor. Sie arbeiten mit anderen Tricks: Psychologisches Feingefühl und ausgebuffte Rhetorik sind ihre Waffen. "Mein Ziel ist es, Scheidungen zu verhindern", sagt Shu Xin, "wir retten jedes Jahr ungefähr 5000 Paare." Dazu hat Shu rund 300 Agentinnen im Einsatz, studierte Psychologinnen, Soziologinnen und Juristinnen, die vor ihrem ersten Job eine dreijährige Zusatzausbildung erhalten. 

Sie geben sich als Nachbarinnen, Putzfrauen oder Babysitterinnen aus

Sind die Geliebten erst identifiziert, kann die Arbeit losgehen. Die Frauen begeben sich in das nahe Umfeld der Frauen und erschleichen sich deren Freundschaft. Sie schlüpfen dafür in die unterschiedlichsten Rollen und treten als Nachbarin oder gar Angestellte an – von der Putzfrau bis zur Babysitterin. Peu á peu erschleichen sie sich das Vertrauen der Gegenspielerin ihrer Auftraggeberin und infiltrieren ihnen ihre Mission: Lass ihn gehen.

Ming Li zum Beispiel arbeitet seit dreieinhalb Jahren für Weiqing. "Ich bin meistens älter als die Geliebten, deshalb hören sie auf mich", sagt die 47-Jährige. "Ob im Park, im Supermarkt oder bei der Arbeit – wir finden immer einen Weg, in Kontakt mit der Geliebten zu kommen", sagt sie. "Einmal habe ich mich sogar als Hellseherin ausgegeben, dieser Fall war am schnellsten erledigt."

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Die Konkurrenz hat es auch nicht leicht

Frauen, die sich mit verheirateten Männern einlassen, werden in China verachtet. Außereheliche Kinder sind heute noch ein No-go. Deshalb zahlen ihnen die Männer bereitwillig eine Art Schmerzensgeld, indem sie ihnen Luxuswohnungen mieten, teure Autos oder andere Annehmlichkeiten finanzieren. 

Bei Frau Wang hat es zwei Monate gedauert, bis die Konkubine ihres Mannes aufgegeben hat. Zum gezahlten Preis sagt sie: "Ich bin zufrieden, das war mir die Sache wert." Denn eine Scheidung kam für sie nicht infrage, die Angst vor dem sozialen Abstieg war zu groß. Das trifft nicht auf alle betrogenen Frauen zu: Die Scheidungsrate hat in China in den vergangenen zehn Jahren um fast 70 Prozent zugenommen. Inzwischen ist sie mit 2,8 Scheidungen auf 1000 Einwohner höher als in Europa, dort sind es zwei pro 1000.

Shu Xin arbeitet mit Garantie: "Wenn wir versagen, zahlen wir alles zurück", versichert er. Und selbst um die Geliebten wird sich gekümmert, damit sie nicht ohne Halt als Opfer einer Täuschung zurückbleiben. "Manchmal helfe ich ihnen sogar, einen neuen Freund zu finden. Das ist meine Art, sie glücklich zu machen", sagt die Geliebtenjägerin Ming.


bal mit AFP
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