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DSGVO: Kita nimmt Datenschutz besonders ernst - Eltern sind irritiert

Eine Kita in der Nähe von Neuss ist über das Ziel hinausgeschossen: Um die Vorgaben aus der DSGVO zu erfüllen, ließ die Leitung die Fotos der Kinder in Erinnerungsmappen schwärzen. Für manche Eltern ist das zu viel der Vorsicht.

Kinder schmökern mit ihrer Kita-Erzieherin in einem Bilderbuch

Kinder schmökern mit ihrer Kita-Erzieherin in einem Bilderbuch. Solche Fotos dürfen mit Einverständnis der Eltern in ein Album wandern

DPA

Hinter der DSGVO verbirgt sich nicht nur ein Wortungetüm, sondern auch große Verunsicherung. Seit Ende April ist die Datenschutzgrundverordnung nun in Kraft und trübt die ansonsten glänzenden Geschäftszahlen der großen Tech-Konzerne. Facebook und Google verdienen im Quartal Milliarden damit, Daten ihrer Mitglieder und Nutzer an die Werbe-Industrie weiter zu verkaufen. Die DSGVO fordert aber dafür die explizite Zustimmung der Nutzer ein – ansonsten können Strafen in Millionenhöhe drohen.

Zuletzt musste Facebook gar rückläufige Mitgliederzahlen in Europa hinnehmen und stürzte bei der Gunst der Börsianer ab. Innerhalb eines Tages vernichtete der Konzern über 100 Milliarden US-Dollar. Doch die Konzernjuristen haben ihr Unternehmen gut abgesichert. Es geht aber auch eine Nummer kleiner.

Eltern geht diese Form des Datenschutzes zu weit

Die DSGVO hat eine Kita-Leitung am Niederrhein so verunsichert, dass diese sich zu einem drastischen Schritt entschloss. Sie wollte an die Knirpse als Erinnerung Fotomappen austeilen und zugleich die Datenschutzgrundverordnung erfüllen. Das Ergebnis: Im Fotoalbum war nur jenes Kind zu erkennen, das auch die jeweilige Mappe überreicht bekam. Die Gesichter der anderen waren geschwärzt, wie die "Neuß-Grevenbroicher Zeitung" (NGZ) berichtete. 

Die Eltern sind über das Gebaren der Kita alles andere als erfreut. "Das hat leider Null Erinnerungswert", bedauert eine Mutter gegenüber der Lokalzeitung. Gerade die Fotos, auf denen die Kinder mit anderen Kindern spielen, seien doch dazu da, sich an die Freunde aus der Kindheit zu erinnern, beschwert sie sich. Andere Eltern sehen das genauso.

Der Pfarrer zeigt Verständnis

Die Klagen haben mittlerweile auch die Kita-Leitung und den zuständigen Pfarrer erreicht. "Es ist sehr schade, dass das zu Unruhe geführt hat", erklärte Pfarrer Stelten gegenüber der "NGZ". Er verwies auf die Datenschutzgrundverordnung, wegen der die Pfarrei den "sichereren Weg“ gewählt habe, um Klagen vorzubeugen. Er räumte allerdings ein, dass das Fotoalbum nicht als Erinnerung tauge.

Warum die Kita-Leitung nicht die Eltern direkt schriftlich um Erlaubnis fragte, die Gesichter ihrer Kinder zeigen zu dürfen, bleibt unklar. Laut DSGVO wäre dieses Vorgehen legitim.

Kita-Schriftzug
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