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Einzelhandel: Lebensmittel werden billiger

Die Zeit der ständigen Preiserhöhungen für Lebensmittel ist vorerst vorbei. Die größten deutschen Discounter haben im Gleichschritt die Preise für die meisten Dinge des täglichen Bedarfs gesenkt. Der Einzelhandel will verhindern, dass die Kunden in eine "Schreckstarre" verfallen.

Nach dem Höhenflug in den vergangenen Monaten kommen die Lebensmittelpreise in Deutschland ins Rutschen. Praktisch im Gleichschritt senkten am Montag Deutschlands größte Discounter die Preise für zahlreiche Produkte vom Apfelsaft bis zum Kaffee, von der Butter bis zum Zucker.

Im Einzelfall erreichten die Preisabschläge bis zu 35 Prozent. Auch Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka kündigte Preissenkungen noch in dieser Woche an. Günter Becker, Geschäftsführer der zum Rewe-Konzern gehörenden Discounterkette Penny erläutert: "Wir wollen damit ein Zeichen setzen. Unsere Kunden sollen wissen, dass wir jeden Einkaufsvorteil sofort an sie weitergeben." Es handele sich nicht um Aktionspreise, sondern um dauerhafte Preissenkungen, ergänzten Aldi und Lidl in Mitteilungen.

Handelsketten blockieren Preissteigerungen

Die Zeit der dramatischen Preiserhöhungen im Lebensmittelhandel scheint damit erst einmal vorbei. Im Frühjahr und Sommer hatten Preissteigerungsraten von acht Prozent und mehr bei Nahrungsmitteln die Inflation in Deutschland mit in die Höhe getrieben. Doch mit der Finanzkrise, dem Einbruch der Mineralölpreise und der Verbilligung vieler anderer Rohstoffe scheint nun auch der Preis-Rally bei Lebensmitteln die Puste auszugehen. Zwar hatten in den vergangenen Monaten noch zahlreiche Markenartikelhersteller und auch der Verband Deutscher Großbäckereien weitere Preiserhöhungen angekündigt. Doch scheint der Zeitpunkt dafür erst einmal verpasst.

Tatsächlich wehren sich Deutschlands große Handelsketten nach Informationen des Fachblattes "Lebensmittel Zeitung" in den derzeit laufenden Jahresgesprächen mit Händen und Füßen gegen Forderungen der Hersteller nach mehr Geld - und verlangen im Gegenteil in vielen Fällen sogar eine Senkung der Einkaufspreise.

"Nichts, was die Vebraucher schrecken müsste"

Die Handelsketten verweisen dabei nicht nur auf die sinkenden Rohstoffpreise, sondern auch auf die angesichts der drohenden Rezession schwierige Marktsituation. "Die Verbraucher sind verunsichert. Wenn wir jetzt mit massiven Preiserhöhungen kommen, droht eine Schreckstarre bei den Konsumenten", heißt es bei einem der großen deutschen Lebensmittelhändler.

Noch spürt der "normale" Handel nach Angaben des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels - im Gegensatz etwa zur Autoindustrie - keine Kaufzurückhaltung. Und dabei soll es nach dem Willen der Branche möglichst lange bleiben. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr ist deshalb überzeugt: "Von der Preisfront sind keine weiteren Irritationen zu erwarten. Nichts, was die Verbraucher erschrecken könnte."

AP / AP

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