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Gammelfleisch: Fleisch-Skandal wird zur Schlammschlacht

Bayerische Behörden sollen schon seit Monaten über das jetzt entdeckte Gammelfleisch Bescheid wissen. Die Bundesregierung wirft Bayern zudem Schlampigkeit vor.

Im Fleischskandal geraten die staatlichen Behörden in Bayern unter immer größeren Druck: Sie sind bereits seit Monaten über einen Gammelfleischfund aus einer Lieferung des Münchner Großhändlers informiert, der in der vergangenen Woche aufgeflogen war. Wie der Ordnungschef der Stadt Mannheim, Klaus Eberle, der Nachrichtenagentur AP berichtete, entdeckten Lebensmittelkontrolleure seiner Behörde bei einer Routinekontrolle bei einem Mannheimer Zwischenhändler bereits am 2. Dezember vergangenen Jahres Fleisch mit manipulierten Etiketten. Noch am selben Tag sei per Fax die Stadt München informiert worden.

Eine auf Verdacht hin veranlasste Analyse habe Ende Januar ergeben, dass es sich bei der Münchner Lieferung um klassisches Gammelfleisch gehandelt habe, "das für den menschlichen Verzehr absolut inakzeptabel war", betonte Eberle. "Am 6. Februar haben wir das Ergebnis unserer Untersuchungen dem staatlichen Veterinäramt der Regierung von Oberbayern mitgeteilt", fügte der Behördenchef hinzu. "Dann wussten die auch, dass es Gammelfleisch war und dass da möglicherweise eine Straftat dahinter steckt", sagte Eberle. "Was in Bayern mit unseren Mitteilungen gemacht wurde, ist nicht in unserer Zuständigkeit", fügte er hinzu. "Wir haben stets so schnell wie möglich reagiert und alle nötigen Stellen eingeschaltet", betonte der Ordnungschef. "Bei uns funktionierte die Lebensmittelüberwachung."

Behörden wollen Fall nachgehen

Die Mannheimer Behörden hätten damals jedoch nicht beurteilen können, ob das Fleisch bei dem Mannheimer Betrieb, dem Transport oder bereits bei dem Lieferanten vergammelt sei. Allerdings seien die Etiketten des Lieferanten verdächtig gewesen. Eine Sprecherin des bayerischen Umweltministeriums erklärte auf AP-Anfrage, dass ihr Haus damals nicht von der Regierung von Oberbayern oder der Stadt München informiert worden sei. Die Regierung von Oberbayern sah sich zunächst zu keiner Stellungnahme in der Lage: "Wir müssen dem Fall erst einmal nachgehen", sagte eine Sprecherin.

Auch Bayerns Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) gerät immer stärker unter Beschuss. Das Bundesverbraucherministerium warf Schnappaufs Haus vor, Informationen über Gammelfleischfunde erst mit mehreren Tagen Verspätung geliefert zu haben. Schnappaufs Ministerium wies das zurück. Bayerns Behörden hätten vielmehr in Tag- und Nachtarbeit sehr schnell aus unzähligen Aktenordnern mit nur handschriftlichen Aufzeichnungen die erforderlichen Kundenlisten der beiden Fleischhändler erstellt, betonte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn in München. Er reagierte damit auf Äußerungen von Staatssekretär Gert Lindemann im Bundesverbraucherministerium. Lindemann hatte erklärt, dass Bayern das Ministerium in Berlin erst nach mehreren Tagen über die neuen Gammelfleisch-Skandale informiert habe.

Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) stellte sich hinter Schnappauf: Die Frage nach einem Rücktritt stelle sich nicht, sagte Stoiber nach der Kabinettssitzung in München. "Es gibt überhaupt keinen Grund, an der Kompetenz und Zuverlässigkeit von Werner Schnappauf zu zweifeln", sagte Stoiber. Er rief Schnappauf und Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) auf, ihren parteiinternen Streit beizulegen. "Ein solcher Disput führt nicht entscheidend weiter."

Heftiger Streit um Kontrollen

Ein heftiger Streit ist um die Lebensmittelkontrollen in Deutschland entbrannt. Horst Seehofer will gegen den Widerstand der Länder eine größere Mitsprache des Bundes durchsetzen. SPD-Chef Kurt Beck wies den Vorstoß Seehofers zurück. Auch die Agrarexperten der Unions-Landtagsfraktionen lehnten Seehofers Pläne ab. Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen an diesem Donnerstag in Berlin zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Der Gammelfleisch-Skandal in Niederbayern wurde, wie erst jetzt bekannt wurde, durch den Zufallsfund eines Pilzsammlers aufgedeckt. Der Schwammerlsucher habe am 26. August an einem Waldweg einen Aktenkoffer mit belastenden Unterlagen gefunden und der Polizei übergeben, sagte Obermeier.

DPA/AP / AP / DPA

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