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Gaspreise: Kalter Wind aus Moskau

Droht den deutschen Haushalten eine drastische Gaspreiserhöhung mitten im Winter? Der russische Gasversorger Gasprom will seine Preise um 15 Prozent anheben. Im Gespräch mit stern.de zweifelt ein Energieexperte jedoch an einem Gasschock für die Kunden.

Der russische Gasproduzent Gazprom will seine Exportpreise für Europa im kommenden Jahr um etwa 15 Prozent erhöhen. Das sehe das konzerninterne Budget für 2007 vor, bestätigten Gazprom- Kreise in Moskau einen Bericht der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Der Preis für europäische Versorger solle demnach von derzeit etwa 250 Dollar (190 Euro) je 1000 Kubikmeter Gas auf 293 Dollar ansteigen.

Heino Elfert vom Hamburger Energie Informationsdienst glaubt jedoch nicht an einen teuren Winter für die deutschen Haushalte. "Ich kann mir nicht vorstellen, das Gasprom diese Erhöhung wirklich macht. Denn die Preise der deutschen Energieversorger sind an den Ölpreis gebunden. Dieser fällt und deshalb haben einige deutsche Unternehmen schon eine Preisermäßigung für nächstes Jahr angekündigt", sagte der Energieexperte zu stern.de. Deutschland bezieht ein Drittel seines Gases aus Russland. Die Exportpreise von Gasprom sind an die Entwicklung der Ölpreise gekoppelt und werden mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Monaten angepasst.

Offiziell teilte Gasprom mit, man könne keine internen Zahlen vor der Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch kommentieren. Es war zunächst unklar, in wie weit die angestrebte Anhebung in die mit Gasprom vereinbarten langfristigen Lieferverträge mit europäischen Abnehmern passen würde. Russische Experten zeigten sich von den Gaspreiserhöhungen vor dem Hintergrund der Prognosen für den Ölpreis überrascht. Die Pläne machten einen "aggressiven" Eindruck, urteilte die Investmentbank Deutsche UFG in Moskau.

Energieversorger sind überrascht

Auch der deutsche Energieversorger RWE Energy wurde von der Ankündigung aus Moskau überrascht. "Wir haben davon erst aus den Agenturen erfahren", sagt Firmensprecher Wofgang Schley zu stern.de. Die Informationen aus Russland wolle man nicht kommentieren. Doch Schley verspricht: "Unsere regionalen Gasversorger werde die Nettopreise zum 1. Januar 2007 stabil halten und nur die Mehrwertsteuererhöhung an den Endkunden weitergehen." Was jedoch die Entwicklung der Gaspreise im Laufe des nächsten Jahres angehe, "da kann man nur in die Glaskugel schauen". ´

Ähnlich äußert sich Deutschlands größter Energieversorger Eon-Ruhrgas. "Uns ist von dieser Gasprom-Planung nichts bekannt", sagte eine Unternehmenssprecherin zu stern.de. "Wir haben mit Gasprom langfristige Gasbezugsverträge, in denen der Preis an Wettbewerbsenergien gebunden ist. Damit folgen auch die Importpreise für russisches Gas der Ölpreisentwicklung." Es bleibe deshalb bei der kürzlich angekündigten Preissenkung zum 1. Januar 2007.

Trotz dieser Beteuerungen: Die Erdgaspreise in Deutschland steigen zu Beginn der Heizperiode um bis zu 30 Prozent im Jahresvergleich. Das ist das Ergebnis des aktuellen Gaspreisvergleichs des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA). Wie der VEA mitteilte, betragen die Preissteigerungen im Durchschnitt mehr als 20 Prozent. Die Gaspreise lägen auf einem Rekordniveau.

Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt. Beim Gaspreis für private Haushalte entfallen 74 Prozent auf Produktion, Speicherung und Transport. Die restlichen 26 Prozent machen nach Branchenangaben Steuern und Abgaben aus.

Malte Arnsperger mit dpa

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