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Gesellschaft: Immer mehr Franzosen neigen zur "Wohnsitz-Bigamie"

Die Franzosen, bereits "Weltmeister" in der Zahl der Zweitresidenzen pro Einwohner, suchen ihr Glück nun immer mehr in einem Doppel-Wohnsitz.

Jean-Yves hat sein kleines Bauernhaus in der Normandie liebevoll restauriert und verbringt dort nicht nur ab und zu ein Wochenende. Wann immer er kann und sein Terminkalender es ihm erlaubt, kehrt der 42 Jahre alte Werbefachmann der lärmenden Hauptstadt den Rücken und fährt in seine Residenz aufs Land. Wenn auch allzeit über das Handy erreichbar, lässt der "Wohnsitz-Bigamist" doch Beruf und Akten soweit möglich in seinem Appartement an der Seine zurück.

Trend zum Doppel-Wohnistz

Jean-Yves liegt voll im Trend. Die Franzosen, bereits "Weltmeister" in der Zahl der Zweitresidenzen pro Einwohner, suchen ihr Glück nun immer mehr in einem Doppel-Wohnsitz. Es geht nicht mehr nur um jene Millionen, die an manchen Wochenenden und in einem Teil ihrer Ferien wie die Lemminge etwa in die Provence, an die Atlantikküste im Südwesten, in die Bretagne oder das Zentralmassiv drängen. Was bisher Zweitwohnsitz war, das ist für viele schon zur Hauptbleibe geworden.

Wohnsitz-Bigamie als Fluchtpunkt

Flexible Arbeitszeiten, 35-Stunden-Woche, beste Verkehrsanschlüsse und die modernen Kommunikationstechnologien haben es möglich gemacht. So spricht der Soziologe und Anthropologe Jean-Didier Urbain bereits von Doppel-Residenz. Er erfand diesen Begriff "Wohnsitz-Bigamie" und sieht darin eine Abkehr von Politik und Gesellschaft: "Das Land wird zum Fluchtort. Es ist der neue Traum der Franzosen, ein postmodernes Glück hinter einem Wandschirm grüner Natur", erläutert der Autor von mehreren Werken zu diesem Trend. Und die Immobilienhändler hinken mit ihren Angeboten mehr und mehr der Nachfrage hinterher - durchkämmen doch auch zahlungskräftige Ausländer das Land und suchen "ihr Haus".

Landschaft wird zubetoniert

Weil die Franzosen immer länger in ihrer Zweit-Residenz leben, hält die Sozialwissenschaftlerin Françoise Dubost ("Das andere Haus. Die Zweitresidenz als Refugium der Generationen") die Bezeichnung "Wechsel-Wohnsitz" für besser. Wobei es sich nur die steigende Zahl der Rentner erlauben kann, "im Sommer sechs Monate auf dem Land und im Winter ein halbes Jahr in der Stadt zu verbringen". Für viele, die es jetzt aufs Land zieht, gibt es auch kein heimeliges Steinhaus oder den alten Bauernhof zum Umbauen mehr. Oft ist das Objekt der Begierde schlichtweg unerschwinglich. Also wird die - wenn auch weitläufige - Landschaft seit Jahren immer mehr mit Neubauten geradezu zubetoniert.

Zweitresidenz in der Großstadt

"Vor allem manche Renter merken aber mittlerweile, dass sie auf dem Land doch vor Langeweile sterben. Sie behalten also eine Bleibe in Paris", erklärt die Sozialwissenschaftlerin. Somit gibt es auch in der Hauptstadt inzwischen eine erhebliche Zahl von "Zweitresidenzen".

Wirtschaftsflaute hat Trend nicht abgewürgt

Wer muss oder will, der arbeitet an beiden Wohnsitzen, kehrt allerdings immer auch für längere Zeit in seine quirlige Stadt mit ihren gesellschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten zurück. Und die Wirtschaftsflaute hat den Trend zur Überraschung der Analysten und Immobilienhändler keineswegs abgewürgt. Von der Börsenentwicklung enttäuscht, stürzen sich etliche jetzt auf den Immobilienmarkt. Drei Millionen Zweitresidenzen gibt es bereits. Für das Haus zahlt der "Bigamist" heutzutage im Schnitt gut 125.000 Euro.

Hanns-Jochen Kaffsack / DPA
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