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Getreidepreis: Teure Pasta

Schlechte Ernten, hoher Verbrauch und der Trend zu Biosprit treiben den Getreidepreis hoch. Warum wir künftig mehr für Nudeln und Brot bezahlen müssen.

Die Nachricht klingt bedrohlich, fast wie eine Botschaft aus längst vergangenen Zeiten: "Das Getreide wird knapp!"

Es geht um das elementarste Grundnahrungsmittel, das wir kennen: Mehl, Brot, Müsli, Nudeln, ja sogar Bier, all das wird aus Getreide hergestellt. Und Knappheit klingt nach steigenden Preisen. Also: Was ist da los?

Tatsache ist, dass sich der Weizenpreis an den Weltbörsen auf einem Zehn-Jahres-Hoch bewegt: Dürren in Australien und Südamerika haben in diesem Jahr für Missernten gesorgt. Es wurde weltweit mehr Getreide verbraucht als nachwachsen konnte. Auch in Deutschland fiel die Getreideernte geringer aus als üblich. Doch das allein heißt nicht viel, denn der Preis für Brot und Brötchen hängt von mehreren Faktoren ab, und Getreide ist längst nicht gleich Getreide.

Am härtesten wird es die Nudelliebhaber treffen: Für die aus Hartweizen hergestellten Teigwaren muss der Kunde künftig wohl tatsächlich deutlich tiefer in die Tasche greifen. Geringe Ernten und verkleinerte Anbauflächen der Hauptlieferanten Italien, Kanada und USA sorgen dafür, dass die Preise für das relativ seltene Getreide (keine zehn Prozent der Weizenanbaufläche weltweit) dieses Jahr um 30 Prozent in die Höhe geschnellt sind. Gleichzeitig macht Hartweizen rund 60 Prozent an den Kosten der Nudelproduktion aus. Deutsche Konsumenten, die im Schnitt pro Jahr sieben Kilo Nudeln verdrücken - am liebsten die klassischen Spaghetti -, müssen künftig mit bis zu 20 Prozent höheren Preisen rechnen.

Bei Brot, Brötchen und all den süßen Backwaren, die in Bäckereien so verführerisch duften, ist die Sache komplizierter: Der Verband Deutscher Mühlen spricht von bis zu 60 Prozent höheren Preisen für Brotgetreide. "Spekulationen an der Börse haben den Preis in die Höhe getrieben", sagt deren Hauptgeschäftsführer Manfred Weizbauer. Schuld seien aber auch die schlechte Ernte und Landwirte, die angeblich die Körner horten, um die Preise weiter zu treiben. So hätten sich viele Müller teuer auf dem überregionalen Markt eindecken müssen. Diese Argumentation kann man beim Bauernverband nicht nachvollziehen. Zumal die Ernte hierzulande mit 43 Millionen Tonnen dieses Jahr nur fünf Prozent unter Durchschnitt ausgefallen sei, heißt es.

Auf den Brötchenpreis im Laden wirkt sich der Getreidepreis aber ohnehin kaum aus: Mehl hat an den Gesamtkosten der Bäcker nur einen Anteil von fünf Prozent. Wesentlich teurer ist etwa der Obstbelag für Kuchen und Torten. "Trotzdem muss der Kunde sich auf steigende Preise einstellen", sagt Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks - die allerdings nur moderat klettern werden. Der Grund dafür sei nicht beim teureren Mehl, sondern bei den gestiegenen Personal- und Energiekosten zu suchen: Um die Backöfen anzuheizen, müssen die Bäcker heute fast 50 Prozent mehr für Strom und Gas ausgeben als noch vor zwei Jahren. Die Getreideknappheit auf dem Weltmarkt spielt für die Brötchenpreise also keine Rolle. Und Versorgungsengpässe sind in näherer Zukunft nicht zu befürchten.

Die Zeiten relativ günstiger Backwaren könnten dennoch bald vorbei sein - darüber sind sich alle Beteiligten einig. Der Grund: die steigende Nachfrage nach dem Benzinersatz Bioethanol (Alkohol), der meist aus Raps und Rüben, oft aber auch aus Getreide produziert wird. Für deutsche Bauern ist das ein zunehmend lukratives Geschäft. Die Anbauflächen dafür haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Zwar wurden dieses Jahr auf gerade mal 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Energiepflanzen angebaut, doch ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Künftige Preiserhöhungen könnten bald durchaus damit begründet werden, Biosprit verteuere die Brötchen.

Elke Schulze / print

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