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hamburg: Sitzfleisch gesucht!

Der Alltag an der Uni Hamburg geht weiter: Die Schweizer Austauschstudentin Seraina Sattler trainiert das lange Stillsitzen.

Der Alltag an der Uni Hamburg geht weiter: Die Schweizer Austauschstudentin Seraina Sattler trainiert das lange Stillsitzen.

Seit 73 Minuten sitze ich auf diesem verdammten Holz-Klappstuhl und seit exakt acht Minuten zweifle ich daran, dass ich die restlichen 25 noch aushalten werde. Ich rutsche zuerst nach links, dann nach rechts und anschließend nochmal nach links. Ich versuche es mit Pozusammenkneifen, das soll ganz gut sein für die Muskulatur. Füße kreisen, Beine strecken. Ich massiere meine Oberschenkel. Die Arme möchte ich auch gerne strecken, aber das geht nicht. Dann würde der Professor denken, ich wolle etwas sagen, und so ist es ja nicht. Im Gegenteil, ich weiß gar nicht mehr, wovon er spricht. Andere schlafen, ich zapple. Meine Konzentration ist auf dem Nullpunkt angelangt. Nicht nur meine Muskulatur leidet. Am schlimmsten steht es um meine Blase. Die 0, 5 Liter Wasser, die ich vor der Vorlesung getrunken habe, haben meinen Körper mit Flüssigkeit versorgt. Der Rest sucht seinen Weg nach draußen und ich muss dafür sorgen, dass er ihn nicht findet.

»Immer schön viel trinken«, hat der Arzt geraten. Und: »Nach jeder Stunde sitzen zehn Minuten aufstehen«. Dass ich nicht lache! An der Uni Hamburg müssen solche Verordnungen schlicht und einfach ignoriert werden. Naja, war ja auch ein Schweizer Arzt. Und im Land der Eidgenossen gibt es nach 45 Minuten Vorlesung immer 15 Minuten Pause. Um die Muskulatur auszuschütteln, den Kopf durchzulüften und die Toilette aufzusuchen. Und vielleicht, um ein paar Worte mit den Kommilitonen zu wechseln. Ist schließlich auch eine soziale Angelegenheit, das Studieren.

Jaja, zu Hause ist alles besser. Sollen die Hamburger Studenten doch sitzen bleiben auf ihren Hämorrhoiden! (sat)

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