HOME

Hartz IV - Das Tagebuch: Ich gönne mir eine Gurke

Wie lebt man als Hartz IV-Empfänger? Wie kommt man mit 345 Euro im Monat aus? Torsten Misler macht vier Wochen lang den Selbstversuch. RTL dokumentiert seinen Alltag, für stern.de führt er regelmäßig Tagebuch.

Am Morgen komme ich in Berlin an - der Stadtteil Marzahn-Hellersdorf wird für den nächsten Monat mein zu Hause sein. Hier will ich versuchen, mit 345 Euro zu leben. Doch das ist nur ein Teil des Projektes. Natürlich will ich auch mit den Menschen in Kontakt kommen, für die Hartz IV Alltag ist.

Zum Beispiel Familie Cerny, meine Nachbarn: Seit Jahren leben Mutter Silvia, die Töchter Debbie und Miriam sowie Sohn Isaak von Arbeitslosengeld II. Überall und an allem muss die Familie sparen. Aber die Cernys wollen mich bei meinem Projekt unterstützen, mir von ihrem Alltag erzählen und zeigen, wo ich sparen kann.

Zurück in meiner Wohnung: Bad, Küche, Wohnraum - 33 Quadratmeter, auf denen ich die nächsten 30 Tage leben will. 345 Euro werden mir dafür zur Verfügung stehen. Ein knappes Budget - vor allem, wenn man allein die Fixkosten bedenkt.

Allein die haben jetzt schon 92,98 Euro verschlungen. Zum Leben bleiben mir also 252,02 Cent - pro Tag 8,40 Euro. Sparen heißt wohl die Devise. Und das schon morgen, denn dann will ich zum ersten Mal Einkaufen gehen.

Mein erster Morgen im neuen Leben

Mein erster Morgen im neuen Leben: Eigentlich würde ich gern frühstücken. Doch daraus wird nix, denn mein Kühlschrank ist gähnend leer. Ich muss Einkaufen und Silvia Cerny, meine Nachbarin, die von Hartz IV lebt, will mir dabei helfen.

Gemeinsam vergleichen wir zunächst die Preise, wälzen Prospekte und schreiben den Einkaufszettel. Mit der Straßenbahn fahren wir anschließend in den Supermarkt. Höchstens 35 Euro will ich für die Lebensmittel ausgeben.

Silvias erster Tipp heißt: Im Regal ganz unten gibts die günstigsten Produkte. Ich greife unter anderem zu Fertiggerichten für 85 Cent, gönne mir eine Gurke für 49 Cent und packe auch Nudeln für 45 Cent in den Korb. Wichtig auch: auf Sonderangebote achten! Bei denen ist Markenware meist deutlich reduziert. Am Ende bleibe ich mit 32,45 Euro sogar unter meinem selbstgesetzten Limit und deshalb lade ich mich gleich selbst ein: auf einen kleinen Kaffee um die Ecke für einen Euro.

Ausgaben, Tag 1
Strom15 Euro
Telefon25 Euro
Bahn-Monatskarte33,50 Euro
Haftpflicht-Versicherung6 Euro
Kabelfernsehen13,48
Lebensmittel7,35 Euro
Ausgaben, Tag 2
Brötchen:0,46 Euro
Lebensmittel:32,45 Euro
Kaffee:1 Euro
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity