Hartz IV 100.000 Mieter müssen umziehen

Gut drei Prozent der rund drei Millionen Betroffenen leben nach Einschätzung des Mieterbundes in unzulässig teuren Wohnungen. Der Druck umzuziehen dürfte besonders in Gebieten mit großem Wohnungsangebot steigen.

Rund 100 000 Mieter müssen sich nach Berechnungen des Mieterbundes wegen der Arbeitsmarktreform Hartz IV auf einen Umzug gefasst machen. "Es widerspricht dem Zweck des Gesetzes, wenn Politiker jetzt sagen, jeder kann in seiner eigenen Wohnung bleiben", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Franz-Georg Rips. Ziel von Hartz IV sei es, die Kosten für die Versorgung von Langzeitarbeitslosen zu drücken. Gut drei Prozent der rund drei Millionen Betroffenen leben nach Einschätzung der Organisation in unzulässig teuren Wohnungen. In Gera tagen an diesem Samstag Experten des Mieterbundes.

Mieter bei Wohnungsnot relativ sicher

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte wiederholt Befürchtungen als unbegründet zurückgewiesen, wonach viele Langzeitarbeitslose wegen der Arbeitsmarktreform Hartz IV aus ihren Wohnungen ausziehen müssten. In Gegenden mit einem großen Wohnungsangebot wie in Ostdeutschland werden die Kommunen nach Rips Einschätzung größeren Druck auf die Langzeitarbeitslosen ausüben als in Städten mit Wohnungsnot.

Bislang gibt es nach Angaben des Mieterbunds noch keine verlässlichen Angaben darüber, was künftig als "angemessene Wohnung" für Langzeitarbeitslose gilt. Die Kommunen könnten hierüber allein entscheiden, bisher habe sich noch keine verbindlich geäußert. "Bei der Größe werden sie sich wohl an den Werten für Sozialhilfeempfänger orientieren", sagte Rips. "Bei der Miete können die Betroffenen wohl wohnen bleiben, wenn sie pro Quadratmeter nicht mehr bezahlen als den Mittelwert in einer Stadt."

Der Mieterbund rät Langzeitarbeitslosen, sich ausführlich beraten zu lassen. Der Gesetzgeber habe für die Überprüfung der Wohnverhältnisse eine Frist von bis zu sechs Monaten vorgesehen. (dpa)

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