HOME

Höhere Mehrwertsteuer: Jetzt kaufen oder warten?

Drei Prozentpunkte Mehrwertsteuer-Erhöhung sind kein Pappenstiel. Lohnt es sich also, vor dem 1. Januar 2007 kräftig zu investieren? Der stern gibt in seiner neuen Ausgabe Tipps für Verbraucher.

Wovor haben die Deutschen am meisten Angst? Krieg, Krankheit oder Kriminalität? Alles falsch. Arbeitslosigkeit oder realitätsferne Politiker? Auch daneben. Nach einer Studie der "R+V"-Versicherung graust es den Deutschen am meisten davor, dass die Preise steigen. Und die Politik gibt dieser Sorge Recht: Am 1. Januar 2007 wird die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte steigen. Es ist die größte Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik, sie wird 20 Milliarden Euro in die Kassen der Finanzministers spülen.

Ist es deswegen ratsam, in den kommenden zwei Monaten soviel wie möglich zu kaufen, um nicht 2007 zu den erhöhten Preisen investieren zu müssen? Bei einigen Gütern und Dienstleistungen stellt sich die Frage nicht, denn sie sind nur mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent belastet, der auch 2007 unverändert bleiben wird. Der ermäßigte Satz gilt zum Beispiel für Lebensmittel (außer Getränke), Leitungswasser, Bücher, Zeitungen, Blumen, Tierfutter und den öffentlichen Nahverkehr. Preiserhöhungen für diese Produkte können zumindest nicht mit der höheren Mehrwertsteuer begründet werden. Briefmarken, Arzthonorare und die GEZ-Gebühren sind sogar ganz von der Mehrwertsteuer befreit.

Versprechen nicht immer aufrichtig

Alles andere wird teurer - oder ist es schon längst geworden. Viele Firmen und Händler haben die Preise schon im Laufe des Jahres erhöht. Die Marketingexperten der Firma Simon, Kucher & Partner haben dazu geraten, dafür den Sommer zu nutzen: "Im WM-Fieber wird das untergehen." Preisberater Ekkehard Stadie zum stern: "Das ist geschicktes unternehmerisches Handeln". Besonders auffällig sind die Preissprünge bei Drogerieartikeln und Spielzeug. Ein Paradebeispiel ist der Steiff-Teddy: Bereits im Juli stieg der Preis von 109 auf 119 Euro. Pieter Coelewij von "Steiff" sagte dem stern: "Unsere Großkunden haben die Erhöhung schon im Juli gefordert, weil sie nicht alle Preise zum 1.1. 2007 erhöhen wollen."

Deshalb sind die von Händlern und Firmen geäußerten Versprechungen, sie würden trotz der Mehrwertsteuer-Erhöhung die Preise einfrieren, nicht immer aufrichtig. Der Discounter Aldi-Nord hat nach Informationen des Branchendienstes Preiszeiger dieses Jahr schon 42 Produkte verteuert: Für den Müllbeutel Folia sind seit März 18,2 Prozent mehr fällig, der Cognac "Grand Rayon" kostet seit Juli 7,5 Prozent mehr. Andere Händler machen überhaupt gar keinen Hehl daraus, dass sie die die höhere Mehrwertsteuer vorwegnehmen.

Rabattschlacht bei Autos

Richtig ins Geld gehen wird die Mehrwertsteuer-Erhöhung bei größeren Anschaffungen wie Möbeln, Auto oder auch Waschmaschinen. Da sich die Auto-Händler derzeit eine Rabattschlacht ohnegleichen liefern, sollten Verbraucher, die einen Kauf erwägen, tatsächlich jetzt schon zuschlagen. Die Preise für Unterhaltungselektronik und Computer hingegen werden wohl auch im kommenden Jahr fallen.

Die meisten Verbraucher haben registriert, dass sie jetzt schon zur Kasse gebeten werden. Bei einer stern-Umfrage sagten 24 Prozent der Befragten, sie hätten schon bei vielen Produkten Preiserhöhungen bemerkt. 35 Prozent haben dies bei einigen Produkten beobachtet. 12 Prozent stellten dies nur bei wenigen Produkten fest. Nur 26 Prozent haben bisher noch bei keinem Produkt Preissteigerungen entdeckt. Mit "weiß nicht" antworteten 3 Prozent.

lk
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity