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Hohe Spritpreise: Komm, lass' uns Bus fahren

Die hohen Spritpreise dürften zu einer Renaissance der öffentlichen Verkehrsmittel führen: Mehr und mehr fahren mit Bus und Bahn statt Auto. Zwar ist noch kein Boom nachweisbar, aber in den Großstädten sind die "Öffis" schon voller. Doch auch die Kosten der Verkehrsbetriebe steigen.

Die Preise an den Tankstellen in Deutschland steigen und steigen. Dass Berufspendler und Reisende massenhaft auf Züge und Busse umsteigen, lässt sich bis jetzt zwar nicht nachweisen. Doch langfristig geht der Trend zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zumindest in den Großstädten sind die Bahnen und Busse voller. In den ersten vier Monaten des Jahres fuhren zwar keinesfalls mehr Fahrgäste in Bussen und Bahnen. Es waren sogar 2,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings dürften die Streiks der Lokführer im März viele Berufspendler von der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel abgeschreckt haben.

Mehr Fahrgäste in der Bahn

Die Deutsche Bahn gibt an, sie habe seit Jahresbeginn 20 Millionen Fahrgäste hinzugewonnen. Dies sei auch auf die hohen Spritpreise zurückzuführen, sagt ein Sprecher. An den Tankstellen wird denn auch immer weniger gezapft. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands 21,3 Millionen Tonnen Benzin abgesetzt, 2004 waren es noch 25,0 Millionen Tonnen gewesen. Rechnet man Diesel ein, ging der Absatz an Kraftstoffen von 54,0 Millionen Tonnen auf 50,4 Millionen Tonnen pro Jahr zurück.

Der Verband der Mineralölwirtschaft sieht nicht nur sparsamere Motoren als Grund für den Absatzrückgang bei Kraftstoffen. Die Autofahrer überlegten sich bei steigenden Spritpreisen schon, ob sie auf Bus oder Bahn ausweichen könnten. In der Tat benutzten in den vergangenen Jahren immer mehr Fahrgäste öffentliche Verkehrsmittel, auch wenn es übertrieben wäre, von einem Boom zu sprechen. Die Anzahl stieg im Liniennahverkehr und -fernverkehr 2005 um 1,1 Prozent, 2006 um 1,8 Prozent und 2007 um 0,3 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr.

Vollere Busse in den Großstädten

Mögen viele auf dem Land auf das Auto angewiesen sein, haben die dichteren öffentlichen Verkehrsnetze in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München seit Jahren Zulauf. Die Münchner Verkehrsgesellschaft verzeichnet seit drei Jahren mehr Fahrgäste. "Dieser Trend hielt auch in den ersten Monaten dieses Jahres an. Wir gehen davon aus, dass er sich weiter verstärkt, wenn die Benzinpreise auf Rekordniveau bleiben", berichtet Sprecher Christian Miehling. Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe glauben, dass die Spritkosten ihnen mehr Fahrgäste bringen. Die Tendenz sei jedenfalls seit Jahren steigend, sagt Sprecher Jürgen Herrmann.

Der Hamburger Verkehrsverbund stellt einen überdurchschnittlichen Zuwachs im Berufsverkehr fest. "Busse und Bahnen sind merklich voller", sagt Sprecherin Gisela Becker. Der Verbund habe schon reagiert und setze beispielsweise größere Busse ein. "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das Angebot erweitern, damit uns der Erfolg nicht einholt", ergänzt die Sprecherin.

Kosten der Verkehrsbetriebe steigen

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) spüren ebenfalls seit Jahren Rückenwind. Sprecher Klaus Wazlak verweist aber auch auf einen anderen Trend. Die Zahl der Fahrradfahrer in Berlin sei nachweisbar gestiegen. Die Radfahrer umgehen auch gleich das Problem, dass die Energiekosten der Verkehrsbetriebe auch steigen. Erhöhe sich der Dieselpreis um einen Cent, kletterten die Kosten der BVG um 500.000 Euro im Jahr, rechnet Wazlak vor. Auch in Bus und Bahn ist den steigenden Preisen also nicht ganz zu entkommen.

Samuel Heller/AP / AP
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