Internet-Pirsch Die Jäger des besten Preises


Verbraucher im Schnäppchenfieber machen Profi-Suchmaschinen Konkurrenz. Auf neuen Internetseiten erstellen sie Ranglisten der billigsten Anbieter - und dafür gibt es sogar Geld.
Von Dirk Liedtke

Wer er gibt schon gerne zu, dass er süchtig ist? Bei Katrin Fuhrmeister ist das anders: "Ich bin Internet-Junkie durch und durch", sagt die dreifache Mutter und Hausfrau aus Pirna. Fast jeden Tag um sieben Uhr fährt sie den Rechner hoch. Dann sind die Kinder aus dem Haus, und die ehemalige Sekretärin zieht los. Immer mit dem gleichen Ziel: Sie geht im Internet auf die Pirsch nach günstigen Preisen. Bis zu 15 Stunden lang sitzt die Sächsin mit Block und Taschenrechner am PC und klickt sich von einem Onlineshop zum anderen. Die niedrigsten Preise, die sie findet, trägt sie dann auf der Seite "Dealjaeger" ein. Und damit verdient sie sogar Geld: Ihre "Sucht" ist in Wahrheit eine Art digitaler Heimarbeit. Denn jeder Eintrag bringt ein paar Cent.

Bei Preisen für einen Computer vergleicht sie schon mal zwölf verschiedene Shops, die meist auch noch unterschiedliche Versandkosten berechnen. Aber der Aufwand lohnt sich: "Ich war ganz schön verblüfft, als ich für einen Notebook-PC einen Preisunterschied von 1.000 Euro entdeckte." Geld gibt es bei "Dealjaeger" vor allem, wenn Katrin Fuhrmeister das Angebot für ein bereits eingetragenes Produkt unterbietet, einem anderen Nutzer also "einen Deal abjagt". Auch für neu eingetragene Produkte oder die Korrektur zwischenzeitlich vom Händler geänderter Preise schreiben die Website-Betreiber Punkte gut, die sich am Ende in Geld umwandeln lassen. In sechs Wochen hat Fuhrmeister die unglaubliche Zahl von fast 5000 Artikeln auf die Preisplattform gebracht - und durch diese Fleißarbeit im vergangenen Monat rund 200 Euro verdient. "Das reicht für einen netten Familienausflug", sagt sie. Mit dem Wissen und der Arbeit der Nutzer Webseiten füllen - das ist eines der Grundprinzipien des "Web 2.0" genannten Mitmachinternets, in dem sich derzeit immer mehr Firmen tummeln. Zwar gibt es schon seit Jahren Preisvergleichswebseiten, auf denen aber ist der als Erstes genannte Händler für eine Digitalkamera oder ein Handy nicht automatisch der günstigste.

Die Weisheit der Massen

Die Hamburger Jungunternehmer hinter "Dealjaeger" vertrauen dagegen getreu dem Glaubenssatz von der "Weisheit der Massen" auf die Preissuche von sparsamen Kunden. Sie behaupten, bei einer Stichprobe in einem Drittel aller Fälle klassische Preisvergleicher wie "Idealo" oder "Guenstiger" unterboten zu haben. Diese Modellrechnung ist wegen sich ständig ändernder Preise allerdings nur schwer zu überprüfen. Die überwiegende Mehrheit der "Dealjaeger"- Besucher will jedoch bei der Jagd ach Preisen gar nicht mitmachen, sondern einfach Schnäppchen abstauben: Gerade mal ein halbes Prozent der 200.000 monatlichen Besucher der Seite meldet sich an und trägt günstige Preise ein, rechnet Firmengründer Sven Schmidt vor. Die Jäger müssen sich dann auch noch die monatliche Ausschüttung von 1.500 Euro teilen. Das ist eine verschwindend kleine Zahl, verglichen mit rund 22 Millionen Internetnutzern, die in Deutschland online Preise vergleichen, wie die Marktforscher von Enigma GfK herausgefunden haben. Die Zahl der privaten Preisvergleicher könnte aber deutlich steigen.

Auch das erfolgreiche Konsumentenportal "Preisvergleich. de" lässt seine Nutzer bereits testweise nach Preisen suchen. Zum Weihnachtsgeschäft können die dann zu allen Produkten Preise eintragen. Bezahlt werden sie dafür allerdings nicht. Ratsam ist der Vergleich zwischen privat ermittelten Schnäppchen und Profi-Vergleichern auf jeden Fall. Objektiv sind Letztere wohl nicht immer: "Oft werden bekannte Shops unter die vermeintlich günstigsten Preistreffer gemischt, weil viele Verbraucher lieber bei bekannten Firmen bestellen - auch, wenn es etwas teurer ist", behauptet Sven Schmidt. Zudem zahle der Händler meist eine Provision an die Suchmaschine, wenn die ihm einen Kunden vermittelt. Deren Höhe könne Einfluss auf die Rangfolge in der Schnäppchenliste haben. Dank Internet lassen sich aber beide Methoden der Schnäppchenjagd vereinen: Auf „Dealjagd“ (dealjagd.de), einer weiteren Webseite des Hamburger Unternehmens, stehen die von Katrin Fuhrmeister und anderen Schnäppchenjägern aufgespürten Spartipps gleich neben den Resultaten klassischer Preissuchmaschinen.

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