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Bericht "Bildung in Deutschland 2014": Bildungsniveau steigt, doch viele bleiben auf der Strecke

Positiver Trend an Schulen, Hochschulen und in der Berufsausbildung: Das Bildungsniveau steigt. Doch Jugendliche aus einem sozial schwachen Umfeld haben weiter das Nachsehen.

2013 begannen fast doppelt so viele Menschen ein Studium wie noch im Jahr 2000

2013 begannen fast doppelt so viele Menschen ein Studium wie noch im Jahr 2000

Der Trend in Deutschland geht zu mehr Bildung, aber Migranten und sozial Schwache profitieren kaum davon. In ihrem in Berlin vorgestellten Bericht "Bildung in Deutschland 2014" zogen renommierte Wissenschaftler ein gemischtes Fazit der Entwickung der vergangenen Jahre: Die Untersuchung zeige ein "Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand", resümierte Marcus Hasselhorn vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

Der vom Bundesforschungsministerium und der Kultusministerkonferenz (KMK) geförderte Bericht wird seit 2006 im Zweijahres-Rhythmus unter Federführung des DIPF veröffentlicht. Er benennt auf Grundlage von Statistiken wie dem Mikrozensus und Forschungsdaten Fortschritte und Probleme in allen Bildungsetappen von der Kita bis zu Beruf und Hochschule.

Insgesamt zogen die Autoren ein gemischtes Fazit: Zwar lasse sich "ein Trend zu mehr Bildung" wahrnehmen, sagte Hasselhorn. Zum Beispiel würden Unter-Dreijährige häufiger in Kindertagesstätten betreut. Die Zahl der Abiturienten sei zuletzt auf 57 Prozent gestiegen. Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen seien aber "Teil dieser Dynamik", so wachse nach wie vor jedes dritte Kind in einem erwerbslosen, armutsgefährdeten oder bildungsfernen Elternhaus auf.

Weiter Vorbehalte gegen ausländische Bewerber

Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben es immer noch deutlich schwerer. Unter den 30- bis 35-Jährigen haben demnach Migranten fünf Mal so häufig keinen allgemeinbildenden und drei Mal so häufig keinen beruflichen Bildungsabschluss wie gleichaltrige Deutsche. Während bei Deutschen die Zahl derjenigen ohne Berufsabschluss konstant bei etwa zehn Prozent lag, betrug der Anteil bei Migranten um 35 Prozent. Besonders schwer haben es auch in dieser jungen Altersgruppe türkischstämmige Frauen, von diesen haben knapp 60 Prozent keinen Berufsabschluss.

Als Ursachen für die Benachteiligung von Migranten vermuten die Forscher auch kulturelle Gründe, etwa wenn eine Ausbildung für Frauen nicht für nötig befunden wird. Außerdem hätten viele Unternehmen nach wie vor Vorbehalte gegen ausländische Bewerber.

Die Bildungskarriere wird nach Ansicht der Forscher in einem frühen Stadium entschieden, weswegen sie vor allem bei frühkindlicher Bildung Handlungsbedarf sehen. Es gehe dabei auch um die Frage, "wie kann altersgemäße Bildung aussehen, um soziale Disparitäten möglichst früh auszugleichen", sagte Hasselhorn.

"Einerseits Ermutigung, andererseits auch Auftrag"

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) räumte ein, dass es weiterer Anstrengungen bedürfe, Leistungsschwächere und Menschen mit Migrationshintergrund besser zu fördern. Sie hob zugleich hervor, dass der Bildungsstand der Bevölkerung insgesamt gestiegen sei, insofern sei der Bericht "einerseits Ermutigung, andererseits auch Auftrag". "Es gibt keinen Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen", sagte KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne).

Skeptisch beurteilten die Forscher auch den Rückgang bei der Zahl der Ausbildungsplätze, die in diesem Jahr erstmals unter die der Studienanfänger fiel. Im Jahr 2013 nahmen mehr als 500.000 junge Menschen ein Studium auf, fast doppelt so viele wie 2000.

Für den Rückgang im dualen Ausbildungssystem machten die Autoren auch die Unternehmen verantwortlich: 2013 fehlten dem Bericht zufolge etwa 50.000 Lehrstellen. Es erscheine angesichts der Debatte über den Fachkräftemangel schwer verständlich, dass das Ausbildungsstellenangebot gegenüber den beiden Vorjahren deutlich zurückgegangen sei.

awö/AFP / AFP

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