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Was mich bewegt Abi für alle?


stern-Autor Andreas Hoidn-Borchers wünscht sich, kein Kind müsste die Schule ohne Abschluss verlassen. Aber noch viel schöner fände er, alle könnten dann auch lesen und schreiben.

Gerade habe ich eine Statistik gelesen, wo der Führerschein am billigsten zu haben ist: in Berlin. Kostet im Schnitt 600 Euro weniger als in Bayern. Das überrascht mich nicht wirklich. So fahren sie hier auch. Ich habe einen Verdacht, warum das so ist: Vermutlich lassen sie einfach keinen durch die Fahrprüfung fallen. Zumindest läge das in der irren Logik, mit der sie in unserer Hauptstadt Schulpolitik machen. Motto: Hier wirst du geholfen. Jemand erfüllt die Anforderungen nicht? Keine Sorge, senken wir sie halt.

Damit künftig alle den Real- oder Hauptschulabschluss kriegen (ja, das heißt heute anders, ich weiß), hat Klaus Wowereits Senat die Ansprüche weit heruntergeschraubt. Eine Sechs? Kein Problem; Nachprüfungen sind erlaubt. Scheitern impossible. Um bis zum Abitur weitermachen zu dürfen, genügt ein Schnitt jenseits der Drei.

Dabei ist das Berliner Niveau ohnehin erbärmlich. Eine Bekannte, Lehrerin, erzählt, dass an ihrem Gymnasium Kinder bis zum Abi durchgeschleppt werden, die keinen fehlerfreien Satz schreiben können. Wem, bitte, ist damit geholfen?

Ja, ich wünsche mir auch, kein Kind müsste die Schule ohne Abschluss verlassen. Noch viel schöner wäre, alle könnten dann auch rechnen, lesen und schreiben, und das nicht nur virtuell. Das erreicht man nur mit mehr Lehrern und kleineren Klassen. Mit Discount-Zeugnissen schafft man keine Chancen, man vernichtet sie. Wenn das Schule macht, wähl ich aus Verzweiflung irgendwann doch noch FDP.

Die Kolumne "Was mich bewegt" ...

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