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Hilfe für Hebammen: Wen Neugeborene zuerst sehen sollten

Im Sommer 2015 endet die Gruppenhaftpflichtversicherung für freie Hebammen. Wenn sich keine Lösung findet, droht dem Berufsstand das Aus. Ein Fotograf will mit der Aktion "Das erste Gesicht" helfen.

Von Susanne Baller

Die derzeitige Situation muss sich für Hebammen anfühlen, wie ein Geschäft, das abgewickelt werden soll: Die Gruppenhaftpflichtversicherung, über die sich alle freien und zum Teil auch festangestellte Hebammen beim Berufsverband versichern, endet am 30. Juni 2015. Und eine Lösung aus der Politik ist derzeit nicht in Sicht, obwohl Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zeitnah Hilfe versprochen hat.

Um den Hebammen zu helfen, ihnen ein Gesicht zu geben, arbeitet ein Lüneburger Hochzeitsfotograf an einem aufwendigen Rettungsprojekt. Björn Schönfeld reist durch Deutschland und fotografiert die betroffenen Frauen. Er startete Mitte Dezember 2013 über seine Facebook-Seite "Das erste Gesicht" einen Aufruf an Hebammen, bei dem Projekt mitzuwirken - und hat inzwischen knapp 13.000 Fans.

Die Aktion kostet Schönfeld viel Zeit. "Ich komme seit zwei Monaten zu fast nichts anderem mehr", erzählt der Lüneburger. "Als Nächstes folgt eine riesige Plakataktion." In acht Großstädten, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, München, Köln, Düsseldorf und Frankfurt sollen Anfang Mai Plakate mit den Bildern der Hebammen für zehn Tage kleben. Auch wenn 860 Plakatwände á neun Quadratmeter durch einen Sponsor mietfrei zur Verfügung stehen, muss Schönfeld noch das Geld für den Druck auftreiben.

"Rund 30.000 Euro fallen für den Druck an, einen Großteil werden wir wohl durch Sponsoren finanzieren können, aber noch ist nicht alles zusammen", erzählt der Fotograf. Zehn Tage können die Plakate hängen.

Unterstützung für die Hebammen fordert auch eine Petition, die beim Deutschen Bundestag eingereicht wird, sobald genug Menschen unterzeichnet haben, Stand 28. März: 45.000 Unterschriften. Dort heißt es: "1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 Euro inklusive Geburtshilfe versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2370 Euro) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben der Schwangerenvorsorge und der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anboten auf 23 Prozent. [...] Zum 01.07.2015 wird es überhaupt nicht mehr möglich sein, sich als freischaffende Hebamme zu versichern, nachdem sich eine der Versicherungen ganz aus dem Konsortium der Hebammenversicherung zurückzieht. Dies kommt einem Berufsverbot gleich, da Hebammen laut ihrer Berufsordnung verpflichtet sind, sich ausreichend zu versichern. Das Problem betrifft freiberufliche und angestellte Hebammen. Auch angestellte Hebammen müssen aus ihrem Gehalt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen, weil Klinikträger zu niedrige Deckungssummen versichern."

Bereits seit 2010 existiert die Initiative Hebammen für Deutschland, die sich für den Erhalt individueller Geburtshilfe einsetzt. Gegründet wurde der Verein, weil den freiberuflichen Hebammen die steigenden Haftpflichtversicherungen zusetzten.

Wer die Plakataktion von Björn Schönfeld unterstützen möchte, findet die Bankverbindung auf seiner Website "Das erste Gesicht".

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