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15-Jähriger zum Saisonbeginn: So ist mein Leben als Leistungssportler

Während meine Freunde auf Partys gehen oder sich zum Chillen treffen, fahre ich gerade zu einem Auswärtsspiel. Der Sport spielt eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Leider muss ich dadurch auf einiges verzichten.

Von Arne Torikka

Jugendliches Basketballteam auf der Bank

Ein Basketballteam besteht meistens aus zwölf Leuten, fünf spielen auf dem Feld

Endlich Wochenende. Endlich ausschlafen. Endlich Pause. – Nicht für mich. Selbst am Wochenende haben Leistungssportler volles Programm. Auch mit 15 schon. Samstags und sonntags ein Spiel. Manchmal lange Auswärtsfahrten bis nach Berlin oder sogar München. Dazu noch drei Klassenarbeiten in der nächsten Woche plus Training. Natürlich will man sich auch noch mit seinen Freunden treffen. Habe ich dazu überhaupt noch Zeit?

Wie schafft man das alles?

Ganz einfach: Organisieren und strukturieren. Zu allererst gilt: Schule geht vor, aber sie darf keine Ausrede sein. Eigentlich kann man alles so organisieren, dass kein Training ausfällt, sagt mein Trainer immer. Aber wenn man wirklich Probleme hat, dann lässt man mal ein Training ausfallen und paukt stattdessen. Dann sollte man allerdings wirklich lernen und sich nicht mit Freunden treffen oder an der Playstation daddeln. Aber eigentlich sagt man nie ein Training ab wegen Schule. Lernen kann man auch in der Bahn. Man kommt sich zwar immer komisch vor, wenn man die ganzen Mappen und Bücher rauskramt, aber es muss ja sein. Fährt man eine Stunde zum Training, lernt man eben eine Stunde.

Typischer Tagesablauf

“Leistungssportler sind Frühaufsteher“, behauptet mein Coach immer. Ich aber nicht … Klar, unter der Woche muss man früh aufstehen, weil die Schule um 8 Uhr beginnt. Also um 7 Uhr aus dem Bett und schulbereit machen. Jeden Morgen stelle ich mir die Frage, welche Krankheit meine Mutter am glaubwürdigsten finden würde, sodass ich nicht zur Schule muss. Aber nach der Morgendusche ist dieser Gedanke verflogen. Dann ab in die Schule. Man spart häufig Zeit, die fürs Lernen draufgehen würde, indem man im Unterricht zuhört und wenigstens ein bisschen mitmacht. Um 15.30 Uhr ist dann Schulschluss. Ab nach Hause radeln und schnell noch eine Kleinigkeit essen. Oft gehe ich noch für eine halbe Stunde an die Konsole. Mehr Zeit habe ich nicht, da ich eine Stunde zum Training fahre. Meistens bin ich erst um 21.30 Uhr wieder zu Hause. Dann gibt es Abendbrot. Die Schultasche und der Trainingsrucksack müssen für den nächsten Tag auch noch gepackt werden. Denn dann fängt der ganze Spaß wieder von vorne an.

Wochenende?

Wie schon erwähnt: Leistungssportler sind leider Frühaufsteher. Auch und vor allem am Wochenende. Wenn man in Oldenburg um 11 Uhr ein Spiel hat, muss man eben um 6 aufstehen – an einem Sonntag. Meistens kann man dann aber auf der Fahrt schlafen und frühstücken. Während die Freunde am Tag davor um 22 Uhr auf eine Party gehen, geht man selber schlafen. Das sind Momente, die schmerzhaft sind und in denen man so stark sein muss, solche Partys abzusagen. Erst recht, wenn man dann am Montag zu hören bekommt, was man alles verpasst habe. Das klingt vielleicht sehr anstrengend und schwierig, aber man gewöhnt sich daran. Spätestens nach dem dritten Wochenende.

Eltern, Stress und Druck

Das ganze kann nicht funktionieren, wenn man nicht die volle Unterstützung und Einsatzbereitschaft der Eltern hat. Wenn man mal Tiefpunkte hat, schlechte Laune oder einem alles zu viel wird, dann haben Mama und Papa meist Verständnis dafür und versuchen, bestmöglich zu helfen und zu unterstützen. Auch bei Auswärtsfahrten melden sich einige Eltern als Fahrer, bereiten Essen vor oder fahren mit, zur Unterstützung. Einem selbst fällt das kaum auf, da man eher mit sich beschäftigt ist und versucht, sich bestmöglich auf den Wettkampf vorzubereiten. Selbst in Stresssituationen, die man als Leistungssportler häufig hat, können einen Eltern immer mit ihrer Lebenserfahrung unterstützen. Wenn man mal einen Tag Pause oder einen Tag Schlaf braucht, dann zeigen (meine) Eltern auch hierbei Verständnis und melden mich in der Schule krank. Der Druck jedoch ist konstant und sehr nervig. Eine gewisse Art von Druck ist immer gut, aber nicht so viel, dass man verkrampft. Als Leistungssportler hat man den Druck vor jedem Spiel. Wenn 400 Leute zugucken und dein Team mit Trommeln anfeuern, will man nicht unbedingt entscheidende Fehler machen. Meistens ist es aber so, dass die Anspannung bei Spielbeginn wieder verschwindet. 

Warum macht man das alles?

Weil es Spaß bringt. Jetzt nicht das Aufstehen um 6 Uhr, aber mit seinen Freunden Siege zu erringen, Witze und Späße zu machen, seinen  Lieblingssport zu betreiben. Bis jetzt klang alles so negativ, aber wenn man die Möglichkeit hat, sich mit anderen Mannschaften zu messen, gegen andere Jugendliche in seinem Alter, die dasselbe jeden Tag machen, zu spielen, will man sie auch nutzen. Man sammelt auch sehr viele Erfahrungen, die im späteren Leben nützlich sein können. Würde es mir keinen Spaß mehr machen, dann würde ich das alles nicht mehr machen. Bei aller Ernsthaftigkeit sollte man den Spaß nie aus den Augen verlieren. 

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