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Parental Coach: Neuer Job – Eltern-Trainer sollen helfen, Kinder vom Bildschirm loszueisen

Gerade wohlhabende Eltern fürchten, dass ihre Kinder zu viel Zeit im Netz verbringen. Spezielle Eltern-Trainer verbessern nun die erzieherischen Fähigkeiten der Eltern und sollen dafür sorgen, dass der Kampf um die Bildschirmzeit nicht die Familie spaltet.

Wenn das Leben auf den Bildschirm schrumpft, beunruhigt das die meisten Eltern.

Wenn das Leben auf den Bildschirm schrumpft, beunruhigt das die meisten Eltern.

Getty Images

Wie gehe ich mit meinen Kindern um? Wer unsicher ist in dieser Frage, für den gibt es jetzt Hilfe. Aus den USA kommt ein neuer Beruf nach Europa, der Elterntrainer. Kindermädchen und selbst Supernannys gibt es schon, der Unterschied zum Parental Trainer ist ganz einfach: Hier werden allein die elterlichen Fähigkeiten der Erwachsenen verbessert.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Erziehung bleibt weiter in der Hand der Eltern und wird nicht an Experten delegiert – so tritt auch keine weitere Person zwischen die Beziehung von Kind und Eltern. In New York sind Elterntrainer ein Trend. Sie kosten zwischen ab etwa 100 und 250 Dollar die Stunde und werden meist in Blöcken zu 12 Stunden gebucht. Ihre Hilfe nehmen auch Eltern mit kleineren Problemen an. Die Schwelle, Hilfen in Erziehungsfragen von Schulen und anderen sozialen Einrichtungen anzunehmen ist hoch. Für kleinere Problem sind sie nicht das Richtige. Wichtig auch: Psychotherapeuten dürfen in den USA keine konkrete Lebenshilfe geben.

"New Yorker Eltern sind es gewohnt, alles in ihrem Leben zu kontrollieren und wollen alle Antworten auf ihre Probleme haben", sagte Eltern-Coach Meosha Y. Williams zum britischen "Telegraph". "Sie konsultieren uns, nachdem sie das Ende ihrer Möglichkeiten erreicht haben. Wenn es keine Kommunikation mit Kindern mehr gibt oder Kämpfe wegen der Bildschirm-Aktivitäten in der Familie ausbrechen."

Hauptproblem Smartphone-Sucht

Die Hauptprobleme in Bezug auf die Kinder seien, das Selbstwertgefühl von Kindern zu verbessern und die Zeit, die sie mit Smartphone und PC verbringen, zu limitieren. Technologiesucht gäbe es heute in allen sozialen Gruppen, so Williams. Gerade bei wohlhabenden Eltern ist die Angst davor groß. Die meisten Eltern denken, dass die Essenszeit aber auch ein guter Teil der Freizeit nicht mit Youtube und Instagram verbracht werden sollte. In Anlehnung an die Jungfräulichkeitsversprechen der 1990er Jahre gibt es in den USA inzwischen sogar feierliche "No Phone"-Gelöbnisse. Ziel ist es hier, bis zur fünften oder achten Klasse ohne Smartphone auszukommen.

Gloria DeGaetano setzt auf ein alternatives Erziehungskonzept und nicht auf die Kraft eines feierlichen Versprechens. Sie hat das Parent Coaching Institute gegründet, ein Netzwerk von 500 Trainern und mit einem eigenen Trainingsprogramm. Screen-Sucht ist bei Weitem das wichtigste Thema, von dem Eltern hoffen, dass eine Beratung es heilen kann. Die Rezepte von DeGaetano sind oft einfach, aber die Eltern kommen selbst nicht darauf. "Bewegung", sagte DeGaetano zur "New York Times". "Gibt es genug Möglichkeit zum Laufen, damit Kinder ihre Autonomie erkennen können? Gibt es ein Klettergerüst oder ein Springseil?"

Wie abhängig sind die Eltern vom Smartphone?

Cara Pollard, ebenfalls Elterncoach, bemerkte, dass die meisten Eltern heute überhaupt keine Vorstellung davon haben, wie man einen Tag ohne Bildschirmzeit verbringen könnte, obwohl sie selbst noch ohne Smartphone groß geworden sind. Sie schickt die Eltern zunächst auf eine Zeitreise in deren eigene Kindheit, damit sie sich erinnern, womit sie als Kind die Tage verbracht haben.

In Bezug auf die Eltern stehen die Trainer vor dem Problem, dass beide Eltern nicht an einem Strang ziehen, sondern dass offene oder verborgene Konflikte über den Erziehungsstil bestehen. "Ein Coach kann einem Paar helfen, herauszufinden, worin sie zusammen stark sind, wo ihre persönlichen Stärken und gemeinsamen Interessen liegen. Wir bringen diese Gemeinsamkeiten zum Vorschein, um sie dann in eine Erziehungsstrategie umzusetzen.

Da die Trainer nur mit den Eltern arbeiten, setzten ihre Lösungen auch bei ihnen an. Beschweren sich Eltern über die Bildschirmzeit ihrer Kinder, müssen sie damit rechnen, dass zunächst ihre eigenen Handy-Gewohnheiten auf den Prüfstand kommen.

Quelle: Gloria DeGaetano – Parenting wellThe TelegraphThe New York Times


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