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Ostereier suchen: Wenn du der Osterhase bist, klingelt dein Wecker morgens um vier

Wochenlang steigern Deko- und Schokoladenauswahl in den Läden die Vorfreude auf Ostern – bei kleinen Kindern ganz besonders. Die Aufregung führt dazu, dass der Osterhase am Ostersonntag früh aufstehen muss. Bei uns war's um vier.

Ein Junge in Winterkleidung hält ein Osterei

Kaum wird es hell, muss die Ostereier-Suche losgehen. Die Spannung ist einfach zu groß. (Symbolbild mit erstaunlicher Ähnlichkeit)

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Früher bin ich mit meinem Sohn zu Ostern immer zu meiner Mutter gefahren – aus vielen Gründen. Der Hauptgrund war natürlich, dass Ostern mindestens so sehr ein Familienfest ist wie Weihnachten und man es deshalb mit möglichst allen Familienmitgliedern feiern möchte. Ein weiterer Grund war, dass meine Mutter damals noch einen großen Garten hatte, der zwei Dinge ermöglichte, die in einer Stadtwohnung schwierig sind: Osterfeuer und Ostereisuche.

Ich habe mich also Gründonnerstag oder Karfreitag, je nach Urlaubslage im Büro, mit meinem Sohn von aus auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen gemacht. Während im Haus meiner Mutter schon auf jeder Fensterbank Hasen, Eier und Hühner bereitstanden und gefühlt in jedem Zimmer Osterglocken und Tulpen auf dem Tisch standen, konnten wir im Garten noch mit Hand anlegen. Für die Äste, die aufs Osterfeuer kamen, brauchte man manchmal vier Arme.

Osterfeuer und wenig Schlaf

Karsamstag zwischen sieben und halb acht ging es dann meistens los. Manni, unser Nachbar, war meistens der Feuerchef. Und losgehen durfte es erst, wenn es kurz vor der Dämmerung war. "Sonst braucht man ja kein Feuer", erklärte der Chef alljährlich. Da man (nicht nur) im Westfälischen auch einem kleinen Umtrunk nicht abgeneigt ist, standen ein paar Kisten Bier bereit, wenn die anderen Nachbarn kamen. Kalt genug, um sie ohne Kühlschrank auf die perfekte Temperatur zu bringen, war es zuverlässig jedes Jahr.

Während wir "Alten" also ums Feuer standen und je nach Wind der Glut immer mal einen Schritt nach rechts oder links auswichen, rannte mein Sohn aufgeregt drumherum und warf vorsichtig einen Zweig nach dem anderen hinein. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Näherte sich der brennende angesammelte Baum- und Strauchbeschnitt und somit das Feuer langsam dem Ende, waren locker drei bis vier Stunden vergangen. Vor Mitternacht gingen wir also nie ins Haus, geschweige denn ins Bett.

Morgens um fünf ist die Welt nicht in Ordnung

Im ersten Osterjahr, an dem mein Sohn alt genug war, das Tamtam halbwegs zu begreifen, ich schätze, da war er vier, lernte ich eine wichtige Lektion: Es reicht nicht, gemütlich aufzustehen, wenn langsam der Kaffeeduft in die Schlafzimmer zieht, um dann ganz entspannt im Garten ein paar Eier, Hasen und ein Dessenk zu verstecken. Punkt fünf Uhr morgens stand mein Sohn vor meinem Bett und sagte, er müsse jetzt runter. Der sei dagewesen. Er sei ganz sicher.

Nur ein großmütterliches Ablenkungsmanöver ("Komm, wir gucken uns erst noch mal Omas schöne Hasen an!") verschaffte mir ein paar Minuten, um unter Blumen und hinter Sträuchern zu verstecken, was ich heimlich aus Hamburg mitgebracht hatte. Im folgenden Jahr war ich schlauer.

Ein Jahr später und schon eine schaurige Tradition

Was ich im Jahr darauf bereits mit einem Bierchen in der Hand am Osterfeuer befürchtete, stellte sich als korrekte Prognose heraus. Ich hatte einen mitgenommen und ihn nachts beim Zubettgehen auf vier Uhr gestellt. Erbarmungslos weckte er mich dementsprechend und ich schlich in Bademantel und Hausschuhen hinunter in den Garten. Das war ein Fehler: Der Rasen war klatschnass, die Luft eiskalt. Ich hatte unterschätzt, was Tau und Finsternis anrichten. (In späteren Jahren hat es durchaus auch mal geschneit.)

Ein Osterkörbchen im Schnee

Der Osterhase muss bei jedem Wetter raus

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Es half nichts, ich musste meinen Osterkram verstecken, unsicher, ob die Schokolade das heil überstehen würde. Nicht nur wegen der Nässe, wir hatten auch wilde Karnickel, die regelmäßig zu Besuch kamen. Als ich eine Viertelstunde später durchgefroren wieder ins Bett schlich, war ich gespannt, wie es in diesem Jahr laufen würde – und es kam, wie ich vorausgeahnt hatte. Gegen fünf Uhr stand das aufgeregte Kind vor mir und MUSSTE raus. Es half nichts.

Um Eltern von Kleinkindern jede Hoffnung zu nehmen: Diese Tradition hielt sich, solange meine unser Elternhaus bewohnte. Als sie auszog, war mein Sohn zwölf. Und ich nicht undankbar, dass sie sich in Berlin eine Wohnung ohne Garten gesucht hatte.

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