HOME

Allesfresser: Worauf es bei der Ernährung von Hunden ankommt

Gesundheit, Vitalität und ein langes Hundeleben hängen nicht zuletzt von der richtigen Ernährung ab. Was dazu gehört und welche Lebensmittel einen Hund krank machen können, weiß Tierarzt Dr. Volker Wienrich.

Die richtige Ernährung des Hundes

Der Hund sollte kräftige Zähne, gesundes Zahnfleisch und geruchsarmen Atem haben. Ist das nicht der Fall, kann eine falsche Ernährung der Grund sein.

Getty Images

Der Hund ist ein Allesfresser - ähnlich uns Menschen. Diese Eigenschaft hat unser treuer Begleiter von seinen Vorfahren, den Wölfen, geerbt. Die wild lebenden "Selbstversorger" fressen nicht nur das Fleisch erlegter Beutetiere, sondern auch deren Innereien einschließlich des Inhalts von Magen und Darm. Außerdem nehmen sie pflanzliche Nährstoffe wie Wurzeln und Gräser auf. Beim Wolf wie beim Hund gilt daher: 1. Optimale Leistung braucht optimale Ernährung. 2. Gutes Futter bildet die Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ein langes Leben. 3. Falsche Ernährung kann den Hund krank machen.

Ernährung: Wie viel braucht mein Hund?

Wichtig für einen Hund ist die ausreichende Versorgung mit Energie in allen Lebensphasen. Diese richtet sich nach seiner Lebenssituation. Ist der Hund sportlich, aktiv, wird er im Freien oder in der Wohnung gehalten? Fragen, die jeder Halter vorher beantworten sollte. Ein aktiver Hund zum Beispiel braucht mehr, ein ruhiger Hund weniger Futter. Als grober Anhalt gilt diese Faustregel: Ein erwachsener Hund ohne besondere Belastungen benötigt täglich pro Kilogramm seiner Körpermasse etwa 57 kcal Futter. Bei kleinen Hunderassen liegen die Werte etwas höher. Welpen brauchen rund 100 bis 170 kcal, Zuchthündinnen in der zweiten Hälfte der Säugeleistung sogar 100 bis 300 kcal. Ein älterer Hund braucht oft weniger, ein sehr alter Hund dann wieder etwas mehr Energie im Futter.

Sehen Sie hier: Die besten 13 Hundefutter im Vergleich

Was muss im Futter drin sein?

Beim Fertigfutter ist die richtige Berechnung für die Ernährung des eigenen Hundes relativ einfach: Man richtet sich nach den Angaben der Hersteller und rechnet mit etwa zehn Prozent weniger Futter als angegeben. Bei selbst hergestellten Rationen ist eine sorgfältige Berechnung aller Nährstoffe mit Hilfe von Tabellen in entsprechenden Büchern der einzige Weg. Und vergessen Sie nicht die Leckereien, die Ihr Hund zwischendurch bekommt. Auch in Hundekeksen stecken Kalorien!

Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Spurenelemente sind die Hauptnährstoffe, die in gutem Hundefutter enthalten sein sollten. Sie liefern Energie, die Ihr Hund für die Erhaltung aller lebensnotwendigen Funktionen braucht.

Eiweiße

Eiweiß hat den Zweck, Körpergewebe aufzubauen und zu stärken. Die in Eiweiß enthaltenen Aminosäuren sind für den Hund lebensnotwendig. Von ihnen gibt es 25. Davon sind 12 für den Hund essentiell, das heißt, er kann sie nicht selbst aufbauen. Fleisch ist eine besonders hochwertige Eiweißquelle. Ihr Proteingehalt beträgt mindestens 18 Prozent in der Frisch- und etwa die Hälfte davon in der Trockensubstanz. Auch Fisch ist eine gute Alternative für den Hund. Zudem hat das Futter aus dem Meer einen hohen Anteil an Vitamin D und ungesättigten Fettsäuren, die allerdings nur in frischem Fisch vorhanden sind. Bei Fischmehl wurden Vitamin D und Öle entzogen.

Fette

Fette bestehen aus Glyzerin und Fettsäuren und liefern lebensnotwendige Säuren, Vitamine (A, D, K und E) und geben dem Hund Energie. Die Linolsäure ist für den Hund wesentlich. Besondere Bedeutung kommt einigen ungesättigten Fettsäuren zu, da sie Einfluss auf Entzündungsreaktionen bzw. die Immunabwehr haben. Ein Hund benötigt pflanzliche sowie tierische Fette, beide sollten über die Ernährung zugeführt werden. Achtung: Der Fettanteil im Futter muss jedoch deutlich hinter dem anderer Energieträger wie Protein oder Kohlenhydrate stehen. Andernfalls führt es beim Hund zu Übergewicht.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate stammen vor allem aus Pflanzen und sind aus Zuckermolekülen aufgebaut. Sie werden zur Energiegewinnung und beim Zellaufbau benötigt und regeln die Darmmotorik. Damit sind sie zwar ein nützlicher, aber nicht unbedingt lebensnotwendiger Bestandteil der hündischen Ernährung. Hauptlieferant für Kohlenhydrate sind Getreide und Kartoffeln. Domestizierten Hunden werden oft auch Backwaren serviert. Da der Hund nicht viele Kohlenhydrate braucht, jedes handelsübliche Trockenfutter aber mindestens eine Kohlenhydrat-Quelle enthält, hat eine Unterversorgung hier eher Seltenheitswert.

Beachten Sie: Gerste, Dinkel, Roggen, Hirse, Hafer kann der Hund nicht selbst aufschlüsseln, deswegen sollten diese Getreidesorten über Nacht eingeweicht und am nächsten Tag kurz aufgekocht werden. Am besten verträgt der Hund geschrotetes Getreide in Flockenform wie Haferflocken oder Hirseflocken. Getreide im Hundefutter sollte immer vollwertig sein, nicht geschält.

Vitamine und Spurenelemente

Vitamine und Spurenelemente können vom Hund nicht selbst gebildet werden und sind ebenfalls lebensnotwendig. Dabei reicht es nicht aus, von jedem dieser Nährstoffe jeweils nur ein errechnetes Minimum an den Hund zu verfüttern. Denn: Zwischen den aufgenommenen Nährstoffen gibt es zahlreiche Wechselbeziehungen. Oft kann ein zu wenig verabreichter Nährstoff dazu führen, dass auch andere Nährstoffe nicht ausreichend vom Körper genutzt werden können. Umgekehrt kann es zu schweren gesundheitlichen Schäden beim Hund führen, wenn bestimmte Nährstoffe in zu großer Menge gefüttert werden. Und schließlich gehören bei vielen Krankheiten spezielle Ernährungsprogramme (Diät) zur Therapie. Aus diesen Zusammenhängen geht hervor, dass eine einseitige Fleischernährung für den Hund nicht ausreichend, sondern sogar gesundheitsschädlich ist.

Trockenfutter oder aus der Dose?

Ob aus Unsicherheit, Zeitmangel oder Bequemlichkeit - wenn Hund Hunger hat, greifen rund 84 Prozent aller Hundebesitzer ins Fertigfutterregal, so eine Studie der Unternehmensberatung BBE. Außerdem fallen bei Single- und Kleinhaushalten oftmals weniger Essensreste ab, die in der Vergangenheit für den Hund gedacht waren, da heute in Haushalten seltener selbst gekocht wird. Kein Grund zur Sorge: In Trocken- und so genanntem Nassfutter sind alle notwendigen Nährstoffe für die Ernährung des Hundes enthalten. Typisches Nassfutter enthält etwa 80 Prozent Wasser, Trockenfutter unter 10 Prozent. Das bedeutet aber, dass mit einer scheinbar kleinen Menge Trockenfutter schnell zu viel gefüttert werden kann! Da Trockenfutter infolge des niedrigen Wassergehalts fünffach höher konzentriert ist, erhält der Hund nämlich viel schneller zu hohe Mengen an Nährstoffen und vor allem Energie. Eine Gefahr bei Feuchtfutter ist der möglicherweise hohe Eiweißgehalt. Achten Sie darauf!

Übrigens: In Fertigfuttermitteln sind Vitamine in sehr hohen Mengen enthalten. Ob enthaltene Vitamine natürlich oder künstlich synthetisiert sind, können Sie aus der Deklaration ersehen: Werden sie unter "Zusammensetzung" aufgelistet, wurden sie künstlich zugefügt, natürlich enthaltene Vitamine findet man nur in der Analyse.

Gut ist besser als gut gemeint

Bei der Fütterung "vom Tisch" besteht die Gefahr einer nicht ausgewogenen Ernährung, sofern sie nicht durch Mineralfutter ergänzt wird. Bei Gabe von Fertigfutter sollten Sie Ihrem Hund auf keinen Fall zusätzliche Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium oder Chlorid geben. Besonders gefährlich für den Hund ist ein Überangebot an Kalzium während des Wachstums. Kalzium ist vor allem in Milch und Milchprodukten zu finden, aber auch in Knochen und Eierschalen. Bei hohem Fleischanteil in einer selbst gekochten Ration entsteht dagegen ein Überangebot von Phosphor. Hier muss sorgfältig berechnet werden, welche Zusätze für die Ernährung Ihres Hundes richtig sind. Anteile an Phosphor sind in Milchprodukten zu finden, auch in Fleisch, Fisch und Getreide.

Viel Trinken ist für Hunde wichtig

Wasserentzug ist im Gegensatz zum Nahrungsentzug auch beim Hund innerhalb weniger Tage tödlich. Die täglich erforderliche Trinkmenge unterscheidet sich dabei deutlich bei der Fütterung von Nass- bzw. Trockenfutter. Liegt bei einer Gabe von Nassfutter (aus der Dose oder der eigenen Küche) die tägliche Wasserration etwa bei 5 bis 10 ml pro Kilogramm Körpermasse, sollten Sie bei einer Fütterung mit Trockenfutter darauf achten, dass deutlich mehr (40-50 ml) getrunken wird.

Die richtige Ration finden

Ein richtig ernährter Hund wirkt vital, er hat ein glattes, glänzendes Fell, normalen Kot- und Urinabsatz. Der Hund sollte kräftige Zähne, gesundes Zahnfleisch und geruchsarmen Atem haben. Die Augen müssen klar und glänzend sein, die Nase sauber, glatt und feucht. Auch die Vitalität des Hundes gibt Auskunft über die Qualität und Ausgewogenheit seiner Ernährung.

Über- oder Untergewicht kann man durch Abtasten beurteilen. Sind die Rippen leicht zu ertasten, ohne dass sie unter der Haut sichtbar sind, so dürfte das Normalgewicht erreicht sein. Zur Kontrolle von Abweichungen nach unten (kommt eher selten vor) oder nach oben (häufiger bekannt) ist regelmäßiges Wiegen wichtig. Als Vergleich sind so genannte Standardgewichte der Rassen wenig geeignet. Man vergleicht besser mit einem normalgewichtigen, gleich großen und ähnlich gebauten Hund. Noch besser ist es, wenn das ursprüngliche Normalgewicht aus der Vergangenheit bekannt ist.

Wie viele Mahlzeiten am Tag sind sinnvoll?

Ein Hund sollte ein- bis zweimal täglich gefüttert werden und danach eine Ruhephase von mehreren Stunden haben. Für die unterschiedlichen Altersgruppen und Leistungen werden außerdem verschiedene Mengen an Energie und Nährstoffen gebraucht. Ähnlich verhält es sich mit den Eiweißwerten und weiteren Inhaltsstoffen.

Was, wenn der Hund zu viel oder zu wenig frisst?

Dem "ewigen Bettler" am Tisch sollte man besser nicht nachgeben! Es ist ein gewaltiger Irrtum zu glauben, dass ein Hund bettelt, weil ihn der Hunger quält. Dies hat genetisch bedingte Ursachen: Der Leitwolf im Rudel bekommt die Beute. Er gibt den anderen Wölfen davon ab und zeichnet sich auf diese Weise aus. Genau das will der bettelnde Hund. Und da selten ein Rudel vorhanden ist, frisst er eben selbst alles auf.

Ernster wird die Sache, wenn der eigene Hund nicht fressen will. Oft steckt eine Krankheit dahinter, und eine gründliche tierärztliche Untersuchung ist nötig. Wird dabei nichts gefunden und der Hund mäkelt weiter vor seinem Napf herum, kann man als Hundehalter überlegen, den Geschmack des Futters zu verändern. Manche Hunde lieben Honig, andere angewärmtes, unter das Futter gerührtes Schmalz. Lachsöl und Lebertran sind ebenfalls beliebte Geschmacksverstärker, wenn der Hund sein Futter verweigert, etwa nach Trauer. Wenn auch gezieltes Aushungern über Tage nicht hilft, greift als Rettung Leberwurst. Etwas davon einfach unters Futter mischen.

Was bewirkt gutes Futter beim Hund?

Eine optimale Ernährung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen, damit ein Hund lange lebt und dabei gesund bleibt. Dagegen werden sehr viele Krankheiten durch schlechte Ernährung beeinflusst, wie zum Beispiel Übergewicht, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Skelett- und Gelenkerkrankungen, Nierenerkrankungen und sogar Krebs. Dabei kommt es nicht auf die einmalige Verfütterung von viel gepriesenen "Wundersubstanzen", sondern auf die regelmäßige optimale Ernährung des Hundes an.

Jede Störung in der Ernährung kann zum Krankheitsauslöser werden. Am Beispiel der Krankheit Krebs, bei der im Hundekörper ständig entartete Zellen gebildet werden, braucht der Körper die entsprechenden Substanzen aus der Nahrung, damit sein Immunsystem diese Zellen vernichten kann. Achten Sie auf gutes Futter im Napf, und "verwöhnen" Sie Ihren Hund besser nicht mit Schokolade oder häufigen Happen vom Tisch. Widmen Sie sich ihm lieber auf gesunde Art: Gehen Sie mit ihm spazieren oder Ball spielen. Das schafft Nähe, tut Ihrer Gesundheit gut und der Ihres Hundes sowieso.

Hundehotel "Dog Parker": Hundebox: Eine Innovation verändert die New Yorker Gassi-Szene

Wissenscommunity