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Lehrstellen: Ausbildungsplatzlücke: DGB sieht schwarz

Trotz sinkender Bewerberzahl sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund bei den Ausbildungsplätzen schwarz. Die "Ausbildungsplatzlücke" werde immer größer, der Anteil der Bewerber, die eine Lehrstelle erhalten, sei inzwischen unter 50 Prozent gefallen.

Trotz sinkender Bewerberzahl sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bei den Ausbildungsplätzen schwarz. Die "Ausbildungsplatzlücke" werde immer größer, der Anteil der Bewerber, die eine Lehrstelle erhalten, sei inzwischen unter 50 Prozent gefallen, beklagte DGB-Bundesvorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock am Dienstag in Berlin. Sie rief die Arbeitgeber in einem neuen Bündnis für Arbeit zu deutlich größeren Anstrengungen auf, andernfalls müsse eine Ausbildungsplatzabgabe her. "Wer die Umlagefinanzierung nicht will, muss ausbilden."

Die Wirtschaft sträubt sich vehement gegen eine solche Umlage. Die Gewerkschaften bestehen aber darauf, diese in die geplante Neuauflage des Arbeits-Bündnisses einzubringen, um eine Sanktion für den Fall in der Hand zu haben, dass die Arbeitgeber das Angebot an Ausbildungsplätzen nicht erhöhen. "Wir wollen es den Arbeitgebern nicht so leicht machen, sich ihrer Aufgabe zu entziehen", sagte Sehrbrock. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich bislang sehr zurückhaltend zu der Gewerkschaftsforderung geäußert.

Nach DGB-Zählung gab es zuletzt wieder knapp 75.000 fehlende Lehrstellen. Damit wurde nach Sehrbrocks Darstellung fast wieder der Stand von vor drei Jahren erreicht. Aktuell sei sogar mit einem weiteren "dramatischen Einbruch" zu rechnen. "Wir haben große Sorge, dass sich die Betriebe - auch auf Grund der wirtschaftlichen Situation - weiter zurückhalten."

Sehrbrock verwies darauf, dass bereits im abgelaufenen Vermittlungsjahr die Zahl der Ausbildungsverträge um gut 43.000 oder 7,1 Prozent auf 570.568 gesunken sei. Im November und Dezember sei die Zahl der gemeldeten Stellen im Vorjahresvergleich um 15 und 13,5 Prozent zurückgegangen. Setze sich dieser Trend fort, steuere man "auf eine ganz dramatische Situation" zu. Besonders stark seien die Einbrüche in den Sparten Informationstechnologie, öffentlicher Dienst und im Handwerk.

Gleichzeitig sank aber auch die Zahl der Bewerber, nach Angaben von Sehrbrock innerhalb von zwei Jahren um rund sieben Prozent auf 662.890. Dabei erfasst der DGB aber auch jene Jugendlichen, die zwar mangels Ausbildungsplatz in Maßnahmen der Berufsvorbereitung oder in außerbetriebliche Ausbildung gehen, aber weiterhin eine Lehrstelle suchen. Sehrbrock wies die Darstellung der Arbeitgeber zurück, es hätten rund 97 Prozent der Jugendlichen eine Lehrstelle gefunden. Nach DGB-Rechnung sind es nur 48,9 Prozent der Bewerber gewesen.

Im krisengeschüttelten Baugewerbe ging die Zahl der Lehrlinge im vergangenen Jahr deutlich zurück: Im Westen um 13,3 Prozent auf gut 34.000, im Osten um 27,2 Prozent 9.546. Zugleich schrumpfte die Zahl der Ausbildungsbetriebe um zehn und um zwanzig Prozent. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes nannte die Entwicklung «Besorgnis erregend». Es sei zu befürchten, dass es bereits in wenigen Jahren nicht mehr genügend qualifizierte Fachkräfte gebe.

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