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LEIPZIG: Vom Grill zum Haus der Kulturen

Spanier und Lateinamerikaner sollen richtig dazugehören, haben Leipziger Studenten beschlossen

Spanier und Lateinamerikaner sollen richtig dazugehören, haben Leipziger Studenten beschlossen

Eine Horde von Deutschen und Spaniern. Freunde sind sie auch. Was liegt also näher, als flugs einen Verein zu gründen und ihn »Deutsch-Spanische Freundschaft« zu taufen?

Klingt ein bisschen nach Schnaps-Idee, und das ist es fast. Eine Grill-Idee, um genau zu sein. Und um genau zu bleiben waren auch Lateinamerikaner im Mai 2000 auf dem Fockeberg dabei, als zwei Hände voll befreundeter Studenten sich organisierten. So wie Marisa aus Buenos Aires: »Wir haben im Computer nachgeguckt, was eine Satzung ist. Und dann waren wir alle zusammen Vorsitzende.«

Indem wir sagen, wer wir sind, können wir das Befremden mindern

Vor drei Jahren ist sie von Buenos Aires nach Leipzig gekommen: »Wenn man hier etwas mit Kraft macht, schafft man es auch. In Argentinien arbeitet man und bekommt keine Achtung dafür. Vor allem kein Geld.« Marisa studiert Deutsch als Fremdsprache und Hispanistik, darf sich mit 35 Jahren offiziell allerdings nicht mehr »Studentin« nennen. Aber von der Bürokratie lässt sie sich nicht abschrecken.

Spanisch sprechende Studenten gibt es in Leipzig jede Menge. »Sie schotten sich oft ab, sind nicht integriert. Was passiert: Sie vermissen ihr Land«, stellt Marisa fest. »Indem wir sagen, wer wir sind, können wir das Befremden mindern.«

Mix aus spontanen Aktionen und verlässlicher Hilfe

Das Besondere des Vereins: Die Mischung aus spontanen Aktionen und dem Willen, den Leuten hier zu zeigen, wer Spanier, Peruaner, Argentinier sind. Zuerst gab es eine Riesen-Fiesta española mit 700 Leuten, Tapas, Tango und Flamenco. Und für manche war das erst mal alles.

Nicht für Isabel. Sie hat gerade das 2.Staatsexamen in Jura hinter sich, ist halb Spanierin, halb Deutsche. »Ich wollte schon immer was für Spanier und Lateinamerikaner hier machen. Als ich Marisa kennen gelernt habe, wusste ich sofort, mit ihr kann es klappen.«

Der große Traum für die mittlerweile 25 Freunde ist ein eigenes Haus der Kulturen in Leipzig. Ein Ort für Fiesta, zum Sprache lernen, für Filme, Lesungen, Tango und Flamenco. Aber nicht nur: »Das Haus soll auch ein Anlaufpunkt für Leute sein, die zum ersten Mal in Deutschland sind.« Denn bevor getanzt wird brauchen auch Studenten erst mal eine Existenz in Deutschland. »Es geht nicht um einen kaputten Schrank, sondern um Lebensentscheidungen.« Isabel setzt sich als Juristin für Aufenthaltsgenehmigungen und Versicherungen für Lateinamerikaner ein. Auch Übersetzer stellt der Verein zur Verfügung. Damit es niemandem so geht wie Lucy. Die ist studierte Arbeitsrechtlerin und Sozialwissenschaftlerin und hat Dank eines schlechten Übersetzers ein »ohne Ausbildung« in ihren »Deutsche Qualifikationen« stehen.

Ein provisorisches Heim

Noch ist das Haus der Kulturen ein Luftschloss, aber es läuft schon einiges bei den deutsch-spanischen Freunden. Im Haus Steinstraße haben sie ein provisorisches Zuhause gefunden. Da zeigen sie Filme und einmal im Monat soll es das Kontaktcafe geben, um die Sprache zu lernen oder um Kontakte zu knüpfen.

Es gibt mittlerweile spanischsprachigen Schulunterricht und eine spanische Kindergartengruppe in Leipzig. Und ein Highlight noch kurz vor Weihnachten: Die Tango-Nacht mit argentinischen Musikern und der Tango-Geschichte, damit man auch weiß, was da eigentlich getanzt wird.

Marisa ist sich sicher: »Wenn man über Kultur spricht, spricht man über das Leben.« Deshalb freut sie sich, wenn alle fragen »Wann gibt¿s die nächste Fiesta?« (Isabelle Wiedemeier)

Die nächsten deutsch-spanischen Termine:

22.12.2001: 21.00 Uhr im Werk II: Tango-Kultur direkt aus Argentinien: Tango zum Zuhören und Verstehen. Tango live mit Band und Sänger. Tango-Geschichte in einer Lesung mit Thure Adler.

08.02.2002: 20.00 Uhr im Haus Steinstraße: Film-Zyklus: »Abre los ojos« von Alejandro Amenabar.

03.03.2002: 18.00 bis 21.00 Uhr im Café Yellow, Haus Steinstraße: Kontaktcafé.

08.03.2002: 20.00 Uhr im Café Yellow: Vortrag: »Maria Zambrano, spanische Philosophin im Exil« von der Philosophin Dr. Maria Isabel Peña-Aguado.

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