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Mallorca: Mietwagensteuer vorerst vom Tisch

Eine Woche nach ihrer Ankündigung zur Einführung einer Mietwagensteuer für Mallorca-Touristen machen die Verantwortlichen einen Rückzieher. Zu laut war der Aufschrei der Tourismus-Industrie.

Die Regionalregierung der Balearen kündigte am Wochenende in Palma de Mallorca an, die Einziehung der "Autotasa" (Autotaxe) für die spanischen Ferieninseln vorerst zu verschieben. Außerdem erklärte sie sich bereit, die Höhe der geplanten Steuer zu senken. Dabei hatte sich die konservative Balearen-Regierung das Ganze so schön gedacht. Sie wollte Geld in die Kasse bringen, ohne dass die Inselbewohner zahlen mussten. Vom 1. Januar 2006 an sollten Benutzer von Mietwagen auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera eine Abgabe von 4,50 bis 5,00 Euro pro Tag zahlen. "Alle sind zufrieden, denn die Steuer betrifft uns (Mallorquiner) kaum", kommentierte die Zeitung "Ultima Hora". "Sie wird vor allem den Touristen wehtun."

Mietwagensteuer fürs Gesundheitswesen

Die Proteste ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Die Reisebranche sah in der "Autotasa" eine Neuauflage der "Ecotasa" (Ökotaxe), der umstrittenen Touristenabgabe von einem Euro pro Tag, die die Mallorca-Urlauber von Mai 2002 bis Oktober 2003 zahlen mussten. Die Einnahmen aus der Ökosteuer waren immerhin der Umwelt und touristischen Einrichtungen zugute gekommen. Die Mietwagensteuer soll dagegen dazu verwandt werden, einen Teil des Defizits im Gesundheitswesen zu decken. Die Branche fragt sich nun: Was haben die Urlauber mit den Finanzen der Krankenkassen und Hospitäler zu tun?

Mietwagensteuer auf den Balearen - Würden Sie noch ein Auto mieten?

"Die Mietwagensteuer ist ein schlimmerer Schmarrn als die Ökotaxe", wetterte der Präsident des Fremdenverkehrsverbandes, Miquel Vicens. Die Hoteliers befürchten "negative Folgen für den Tourismus", weil die neue Steuer die Mallorca-Ferien verteuern würde. Die spanische Zentralregierung in Madrid bezeichnete die "Autotasa" als verfehlt und diskriminierend.

Einvernehmliche Lösung gesucht

"Wieder einmal wird ein bestimmtes Tourismussegment abgestraft: das der flügge gewordenen Urlauber bzw. der Semiresidenten, die besonders gerne auf das Mietwagenangebot zurückgreifen", beklagte die Wochenzeitung "Mallorca Magazin". "Offenbar hätte man es immer noch am liebsten, wenn Urlauber sich per Bus in ihre Hotels begäben und dann stillhielten." Die Balearen-Regierung, die vor zwei Jahren die Ökotaxe ("Mallorca-Steuer") abgeschafft hatte, reagierte auf die Proteste. Sie will nun mit den betroffenen Wirtschaftsverbänden eine einvernehmliche Lösung finden und erst dann mit Einziehung der Mietwagensteuer beginnen.

Hubert Kahl/DPA / DPA

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