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Mietrecht: Wenn der Vermieter Stress macht

Ständig Ärger, Angriffe, im schlimmsten Fall Prozesse. Mietverhältnisse sind häufig so delikat wie sonst nur Ehen. Der Deutsche Mieterbund hat nun eine Rangliste der häufigsten Probleme in der Beziehung zwischen Mieter und Vermieter veröffentlicht.

Von Sven Rohde

Wenn der Streit mit dem Vermieter ausartet, hilft meist nur noch ein Gang vor Gericht - oder ausziehen

Wenn der Streit mit dem Vermieter ausartet, hilft meist nur noch ein Gang vor Gericht - oder ausziehen

Die Zahl der Betroffenen ist erklecklich. Rund 82 Millionen Menschen leben in Deutschland, davon sind nach Angaben des Deutschen Mieterbundes (DMB) 50 Millionen Mieter, insgesamt gibt es 22 Millionen Mietverhältnisse. Dabei ist das Konfliktpotenzial im oft delikaten Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter so groß wie die Zahl der oft offenen Fragen. Warum soll ich als Mieter Grundsteuer zahlen? Wieso habe ich mit den Kosten für den Fahrstuhl zu tun, wenn ich im Erdgeschoss wohne? Und warum bekomme ich noch Ende 2007 eine Betriebskostennachforderung, obwohl ich schon im Februar 2006 ausgezogen bin?

Mieter in Beratungsnot

Wie groß der Beratungsbedarf ist, belegt die Statistik des Mieterbundes. Allein 6,6 Millionen Mal wurden 2007 Beratungen und Informationen des Verbandes in Anspruch genommen - persönlich, per Telefon, per Email, oder Besuch auf der Internetseite. Der Mieterbund hat vermerkt, um was für Anfragen es jeweils ging - und auf dieser Basis eine Rangliste erstellt.

Spitzenreiter bei den Mieterproblemen sind die Betriebskosten. 37,5 Prozent aller persönlichen Beratungsgespräche drehten sich 2007 um Heiz- und Nebenkosten. Damit ist der Anteil der Beratungen zur so genannten "zweiten Miete" im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent gestiegen. Die explodierenden Energiekosten haben die Aufmerksamkeit der Mieter offenbar deutlich geschärft. "Auch die hohe Fehlerquote bei den Nebenkostenabrechnungen führt zu diesem Beratungsbedarf", sagte DMB-Präsident Franz-Georg Rips. Häufigste Fehler der Vermieter: die Berechnung von Verwaltungs-, Instandhaltungs- und Reparaturkosten. Wobei die Reparaturkosten nicht mit der so genannten Bagatellklausel bei Kleinstreparaturen zu verwechseln sind. Im Klartext: Die Reparatur der Klospülungen darf auf die Mieter umgelegt werden, die Reparatur der Heizung oder der Fassade nicht.

Ein anderes großes Thema bei den 320 Ortsvereinen des Mieterbundes mit ihren drei Millionen Mitgliedern sind Wohnungsmängel wie Schimmel, marode Leitungen oder fehlende Trittschalldämmung. Sie machen 17,5 Prozent aller Beratungen aus. An dritter Stelle: "Allgemeine Vertragsangelegenheiten" mit 11,5 Prozent. Hier geht es um Rechte und Pflichten, die sich aus dem Mietvertrag ergeben: Darf ich ein Haustier halten? Darf ich auf dem Balkon grillen? Darf mein Kinderwagen im Treppenhaus stehen?

Beratungsbedarf bei Wohnungsmängeln

Auffällig auch, dass der Beratungsbedarf in Sachen Kündigungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent gestiegen ist. Das gilt sowohl für Kündigungen der Mieter - jetzt das fünfthäufigste Thema - als auch für Vermieterkündigungen. Deutlich seltener kommt das Thema Mieterhöhungen auf den Tisch. Mit 5,6 Prozent aller Beratungen ist der Anteil um fast ein Fünftel gegenüber 2006 gesunken.

Eine gute Nachricht, findet der Mieterbund: Die wenigsten Fälle landen vor Gericht. "In knapp 97 Prozent aller Fälle wurde im Interesse der Mitglieder des Mietvereins eine außergerichtliche Einigung erreicht", sagt DMB-Präsident Rips und proklamiert seinen Verband selbstbewusst zum "Streitschlichter Nummer 1 in Deutschland."

Die 10 häufigsten Beratungsthemen

PlatzierungVorjahrThema20072006
1.[1]Betriebskosten37,50%34,10%
2.[2]Wohnungsmängel17,50%20,50%
3.[3]Allg. Vertragsangelegenheiten11,50%10,10%
4.[5]Schönheitsreparatur6,20%6,60%
5.[7]Mieterkündigung6,20%4,90%
6.[6]Mietkaution5,90%5,60%
7.[4]Mieterhöhung5,60%6,80%
8.[8]Vermieterkündigung4,10%3,40%
9.[9]Modernisierung2,10%2,3 &
10.[10]Umwandlung / Eigentümerw.1,20%
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