Misshandlung Jugendstrafen für Klassenkameraden


Für die monatelange Misshandlung eines Klassenkameraden hat das Hildesheimer Landgericht heute drei Berufsschüler zu Jugendstrafen zwischen 15 und 18 Monaten verurteilt.

Mit Strafen bis zu anderthalb Jahren Jugendhaft ohne Bewährung hat das Landgericht Hildesheim heute die monatelange Misshandlung eines 17-Jährigen durch seine Berufsschulklasse geahndet. Die 16- bis 18-Jährigen hatten gestanden, den Mitschüler immer wieder, zum Teil mit Eisenstangen, geschlagen, getreten und gedemütigt zu haben. Sie zwangen ihn unter anderem, Zigaretten zu essen und sich mit einem Handfeger die Zähne zu putzen. Sie hatten die Taten fotografiert und mit einer Videokamera gefilmt.

Nach dem vier Tage dauernden Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilten die Richter der Jugendkammer die drei Haupttäter wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu Jugendhaft ohne Bewährung; zwei Angeklagte müssen für 18 Monate und einer für 15 Monate hinter Gitter.

Insgesamt 26 einzelne Straftaten

Zwei Berufsschüler erhielten Jugendstrafen von neun Monaten und einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Sie müssen ebenso wie ein dritter Angeklagter, der ohne Strafmaß schuldig gesprochen wurde, 200 Stunden gemeinnützige Arbeit, einen Erste-Hilfe-Kurs und ein Anti-Gewalt-Training absolvieren. Zwei Jugendliche müssen für zwei Wochen in Dauerarrest und haben ein Wochenendseminar zu besuchen. Einen weiteren Mittäter bestrafte die Jugendkammer mit 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Gegen zwei Angeklagte hatte das Gericht das Verfahren bereits am zweiten Prozesstag eingestellt.

Angeklagt waren wegen insgesamt 26 einzelnen Straftaten alle elf Schüler der Berufsvorbereitungsklasse an der Werner-von-Siemens-Schule in Hildesheim. Wie Gerichtssprecher Jan-Michael Seidel berichtete, waren die Hauptangeklagten bis zu 15 mal dabei, wenn sie den 17-Jährigen schlugen, traten oder auch sexuell demütigten.

Kein fauler Handel

Das Urteil wurde kurz nach der Verkündung rechtskräftig. Die Angeklagten nahmen ihre Strafen an, und auch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel. Die drei Haupttäter blieben in Haft und müssen ihre Strafen voraussichtlich in einer offenen Jugendanstalt in Göttingen absitzen.

Zu Gunsten der Angeklagten habe die Jugendkammer deren Geständnisse und deren persönliche Entschuldigungen bei ihrem ehemaligen Klassenkameraden gewertet, sagte Gerichtssprecher Seidel weiter. Außerdem habe der Vorsitzende Konrad Umbach in der Urteilsbegründung klargestellt, dass es bei den Gesprächen der Prozessbeteiligten über Geständnisse und den möglichen Strafrahmen "nicht um einen faulen Handel" gegangen sei. Man dadurch habe nur schnell ein tragbares Ergebnis "im Sinne der gebotenen erzieherischen Einwirkung auf die Angeklagten" erreicht.

Individuelle Urteile

Auch Oberstaatsanwalt Albrecht Stange betonte, dass es sich um individuelle Urteile handele, die "kein Ausdruck öffentlichen Druckes oder des Medieninteresses" seien. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren bewusst so geführt, "dass alle wissen, dass auch die Justiz ihren Beitrag zur Bekämpfung solcher Gewalt" leiste.

Dem 17-jährigen Opfer tat es nach den Worten seiner Anwältin Gabriele Pochert "sicher gut, dass sich alle bei ihm entschuldigt haben". Es sei über den Abschluss des Verfahrens erleichtert. Ob es noch zu einem Zivilprozess um Schadenersatzforderungen gegen die Täter komme, müsse man sehen.

Oberstaatsanwalt Stange kritisierte, dass bei den Misshandlungen aufgenommene Bilder von Medien veröffentlicht wurden. Das habe das Opfer zusätzlich belastet.


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