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MÜNCHEN: LMU bekommt neue Führung

Drei Kandidaten für das dritte Jahrtausend

Drei Kandidaten für das dritte Jahrtausend

Alles neu macht der Rektor? Im Februar 2002 wählt der erweiterte Senat der LMU einen neuen Rektor. Drei Kandidaten gehen um den Spitzenposten ins Rennen. Acht Jahre lang repräsentierte Professor Andreas Heldrich die LMU. In seiner Amtszeit erreichte er vieles: Die Umstrukturierung der geisteswissenschaftlichen Fakultäten, aber auch die Errichtung des Hightech-Campus Garching gehen auf sein Konto. Dennoch besteht Reformbedarf an der zweitgrößten Uni Deutschlands. Für viele Innovationen fehlt schlicht das Geld oder die Chimäre der Bürokratie erstickt Neuerungen im Keim. Mit ganz unterschiedlichen Konzepten wollen die drei Kandidaten die LMU für das dritte Jahrtausend fit machen.

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Bernd Huber, 41 Jahre alt und schon Professor der Volkswirtschaftslehre will bei der Wirtschaft Unterstützung für die Universität suchen: »Wir müssen die Möglichkeiten des Fundraising und Sponsoring noch weiter ausbauen«, ist er überzeugt. Eine große Aufgabe sieht er auch in der Neubesetzung von Lehrstühlen: »In den nächsten zehn Jahren müssen wir die Hälfte aller Professuren wieder vergeben«, sagt er. Und dafür will sich Huber nicht mit zweitklassigen Bewerbern zufrieden geben, sondern nur Spitzenköpfe nach München holen. »Aber um die wirklich guten Köpfe herrscht ein harter Wettbewerb«, räumt er ein.

Auch für die Studenten könnte sich unter Huber Einiges verändern. Besonders die Erstsemesterbetreuung liegt ihm am Herzen. In den Massenstudiengängen wie Jura läge da einiges im Argen. Zudem sollen interdisziplinäre Studiengänge weiter gefördert werden. Altmodische Fächer aus dem Kanon zu streichen, daran denkt Huber allerdings nicht: »Unser Glück liegt sicher nicht in der Zusammenlegung von Fakultäten.«

Weg mit alten Zöpfen

Für seinen Konkurrenten, den Physikprofessor Axel Schenzle, ist die Verwaltung der LMU dringend reformbedürftig. Einen vierten Prorektor soll es im Leitungsgremium geben. Zudem hat er sich vorgenommen, die Zusammenarbeit zwischen der Hochschulleitung und den Fakultäten zu verbessern. Zu diesem Zweck sollen die Fakultäten dem Gremium Drei- oder Fünfjahresplanungen vorlegen, die dann gemeinsam diskutiert werden. Schenzle setzt sich auch dafür ein, dass alte Zöpfe aus den Lehrplänen der LMU verschwinden. »Wir müssen überholte Lehrinhalte entrümpeln«, meint er. Deshalb möchte er auch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen weiter vorantreiben. Daneben plädiert er für die umfassende Einführung des Credit-Point-Systems - im Ausland schon lange Standard.

Mehr Macht den Prorektoren

Als Dritter im Bunde ist der Philosophieprofessor Wilhelm Vossenkuhl besonders an einschneidenden Neuerungen im Bereich der Verwaltung interessiert. Ein umfassendes »Wahlprogramm« hat er schon vorgestellt. Vossenkuhl möchte die Hochschulleitung in neue Ressorts gliedern. Dadurch werden dem Kanzler Kompetenzen entzogen, die in Zukunft den Prorektoren zufallen würden. Bereits im Vorfeld geriet sein »innovatives« Projekt allerdings stark in die Kritik, so dass Vossenkuhl nicht unbedingt als Favorit der Wahl am 7. Februar 2002 gilt. Diesen Posten nimmt laut Aussage nicht offizieller Quellen der Volkswirtschaftler Bernd Huber ein. Vielleicht liegt dies an seiner relativen Unverbrauchtheit: Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern war er noch nie Prorektor. Vielleicht aber auch an seiner erstaunlichen Leistung, mit 41 Jahren schon Professor und Dekan der volkswirtschaftlichen Fakultät zu sein. Auf jeden Fall hätten die Münchner Studenten mit Huber einen Rektor, der sich für ihre Belange einsetzt, zumal seine Unizeit ja noch gar nicht so lange her ist. (ns)

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