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MÜNCHEN: Warum Kommunikation in München gefährlich ist

Eine Warnung an alle Studienortwechsler

Eine Warnung an alle Studienortwechsler

In Münchner Bussen und U-Bahnen hängt ein meist arg ramponiertes Schild: Es zeigt einen jungen Mann mit einem überdimensionalen Walkman. Ein älterer Herr sitzt neben dem Jugendlichen und fühlt sich ob der Lärmbelästigung aus den Kopfhörern offensichtlich unwohl. Um Missinterpretationen vorzubeugen, ist die Zeichnung mit einem eingängigen Text versehen worden: »Aus dem Walkman tönt es grell, den Nachbarn juckt's im Trommelfell«.

Eindeutiger geht es nicht. Die Realität belehrt jedoch eines Besseren: U-Bahnen, Busse, und Straßenbahnen vibrieren förmlich unter den oft auf Anschlag gedrehten Mini-Stereoanlagen. Häufig sieht man auch Studenten mit diesen Geräten. Einen älteren Herrn, der sich das Trommelfell hält, sieht man jedoch nie.

Abneigung gegen Handys

Neben dem eben genannten Schild hängt gerne auch noch ein Zweites. Es trägt die Aufschrift: »Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen«. Wiederum zeigt die Realität ein anderes Bild: Ab 23.00 Uhr sind die Fahrer der Busse meist von Volltrunkenen in Beschlag genommen. Ganze Lebensgeschichten wechseln den Besitzer. Auch hier scheint die Bereitschaft der Fahrgäste, diesen offensichtlichen Regelbruch zu maßregeln, eher mau.

Doch seit kurzem ist alles anders. Ein drittes Schild gesellte sich zu den zwei Althergebrachten. Dieses Schild ist neu, klein und wirkungsvoll. Es zeigt die rot durchgestrichene Silhouette eines Mobiltelefons. Ja, es herrscht Handy-Verbot in Münchens Öffentlichen. Der Grund: Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) hat in einer Befragung unter den Fahrgästen eine Abneigung gegen Handys ermittelt.

Aus dem Bus geflogen

Studenten, die sich in anderen Universitätsstädten den exzessiven Gebrauch des kleinen elektronischen Helfers angewöhnt haben, bringt das hier in München nun in arge Bedrängnis: Sie werden von Fahrgästen als »ungehobelt« beschimpft und von Busfahrern auf die Strasse gesetzt. Am schlimmsten soll es aber einem Studenten aus Berlin ergangen sein. Sein Handy wurde von einem älteren Herren an einer Bushaltestelle in hohem Bogen aus der offenen Tür geworfen. Der junge Mann sprang hinterher, die Bustür schlug zu und der Bus fuhr an. Nur noch Klatschen drang an das Ohr des verdutzten Berliners.

Ob diese Geschichte wahr ist, ist nicht bekannt. Doch sie passt so gut zu München. Was dem Münchner nicht gefällt, gefällt ihm nicht. Argumente, etwa über Handy-Strahlung, werden gar nicht benötigt. Handys sind blöd und damit Basta! Aber nur für kurze Zeit. Denn: Das Schöne an der bayerischen Landeshauptstadt ist, dass nach spätestens einem Jahr auch der Busfahrer wieder während der Fahrt telefoniert. Da ist die Handy-Silhouette nämlich schon längst verwittert - und wartet auf das nächste Schild. (cw)

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