HOME

MÜNSTER: Praktikumsbericht aus Brüssel

Die europäischste Stadt Europas.

Streit um das neue Gesicht des Leipziger Campus

Münster in den Semesterferien hat Vorteile: Die Mensen sind leer, die Bibliotheken sowie. Wer lernen muss, den lenken keine partyfreudigen Freunde ab.

Münster in den Semesterferien hat aber auch Nachteile: Anrufe egal wo enden immer auf dem Aufnahmeband des Anrufbeantworters. Und in sonst proppevollen Nachtklubs polieren die Barkeeper gelangweilt Gläser.

Deswegen ergießt sich rechtzeitig zum Vorlesungsende ein Strom von Studenten in die Züge und Autos Richtung stadtauswärts. Und die Frage lautet: Heim zu Mama oder in die Ferne? Oder noch besser ein Praktikum?

Ich habe die Ferne und das Praktikum gewählt

Drei Monate in Europas europäischster Stadt. Allzu schwierig ist es auch nicht, in Brüssel einen Praktikumsplatz zu finden: Ist Rom die Stadt der 1.000 Kirchen, so ist Brüssel die Stadt der 1.000 Praktikanten. Die Vertretungen der Bundesländer, die Handelskammern, die Stiftungen, alle haben sie sich ein Plätzchen in Europas Machtzentrale gesucht. Alles kleine Heimatinseln samt deutscher Praktikanten und deutscher Gründlichkeit. Über eine Vertretung der europäischen Kaninchenzüchter würde sich hier niemand wundern. Und das ganze multipliziert mit 15: Auch Franzosen, Italiener, Spanier wollen ihre Interessen bei der EU vertreten sehen.

Die Quote der gemeldeten Ausländer liegt bei 30 Prozent. Die Brüsseler selbst stört es kaum, denn sie sind oft selbst keine Belgier. Doch was heißt hier Belgier. Das Land ist eigentlich gar keines. Sondern teilt sich in zwei Länder auf: Wallonien und Flandern, die nur noch den König und die Fußballmannschaft gemeinsam haben. Und die Vorliebe für Bier, Fritten und Pralinen. Nette Cafés, Kneipen und Pralinengeschäfte gibt?s daher in Brüssel an jeder Ecke.

Ein Praktikantenparadies also, wenn nicht die tägliche Arbeit wäre. Und die recht hohen Preise. Und die vielen Touristen. In Münster bestaunen nur ein paar Holländer ergriffen den Prinzipalmarkt. Auf dem Grand Place in Brüssel klumpt sich die halbe Welt. Und fotografiert sich beim Fotografieren. Man fragt sich, warum? Spannend ist sie ja, die Heimatstadt von Europaparlament und Manneken-Pis. Touristisch wertvoll, da schön, jedoch nicht: Bäume wachsen aus Bauruinen und Hochhäuser verstellen alten Patrizierhäusern die Sicht. Selbst das Wahrzeichen Brüssels, das Atomium, versprüht einen eher morbiden Charme.

Die ganze Stadt sieht aus, als sollte man sie mal kräftig waschen. Obwohl, nass ist es hier oft genug. Es regnet nämlich ständig, weswegen sich Münsteraner auch sehr schnell heimisch fühlen. (tt)

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity