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Online-Feilschen: Per Mausklick zum Wunschpreis

Charmant den Preis herunter drücken, womöglich um mehr Service oder kostenlose Lieferung feilschen? Solange man es nicht zu toll treibt, ist das auch im Internet kein Problem. stern.de gibt Tipps für die Schnäppchen per Mausklick.

Von Svenja Friedrich

Feilschen wie auf einem orientalischen Basar - das liegt nicht jedem. Traditionell scheuen die Deutschen das Preisgeschacher und erwarten stattdessen fair kalkulierte Preise. Doch angesichts des harten Wettbewerbs im Handel sollten sich Verbraucher darauf nicht unbedingt verlassen. So ist es mittlerweile gängige Praxis, Kunden mit günstigen Angeboten in den Laden zu locken. - Ist er einmal drin, kauft er vielleicht auch etwas, das dem Verkäufer eine bessere Gewinnspanne beschert. Nun hat jeder Verkäufer das Recht, seine Waren so teuer wie möglich anzubieten - ob der Käufer dafür sein Geld ausgibt, ist dessen Sache. Denn nach dem Wegfall des Rabattgesetzes im Jahr 2001 ist das Feilschen um einen niedrigeren Preis endlich auch gesetzlich erlaubt. "Aber leider denken nur wenige Verbraucher an diese Möglichkeit", erklärt Georg Tryba, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Anonymität hilft

Doch was kaum ein Käufer weiß: Was bisher im normalen Handel - also von Angesicht zu Angesicht - funktioniert und zaghaft umgesetzt wird, geht auch im Internet. Dort tun sich die meisten Verbraucher auch leichter: "Zwischen Käufer und Verkäufer besteht eine gefühlte Distanz, man bleibt gewissermaßen anonym, wenn man online auftritt", so Thomas Promny, Marketing-Chef beim Shoppingportal Gimahhot. Brutal ausgedrückt: Im Internet kann man nach Rabatten fragen, ohne sich wie ein Trottel zu fühlen.

Allerdings eignet sich nicht jedes Produkt dafür, zum Gegenstand des Feilschens zu werden - auch nicht im Internet: Im richtigen Leben handelt man ja auch nicht an der Supermarktkasse um den Preis für einen Liter Milch oder das Stück Teewurst. Viel mehr Erfolg verspricht es, höherwertige Produkte anzugehen, so Verbraucher-Experte Tryba. Wenn Aufwand und Ergebnis in einem besseren Verhältnis stehen, kann man kann sogar das ein oder andere Schnäppchen abgreifen. "Vor allem Wein, Uhren, Schmuck oder auch Waschmaschinen eignen sich im Internet zum Feilschen", erläutert Promny. Das Produkt sollte aber mindestens 100 Euro kosten.

Einheitliche Rabatte gibt es nicht. "Im Durchschnitt gewähren die Shops etwa zehn Prozent Nachlass, doch auch bis zu 50 Prozent sind möglich - wenn auch selten," erklärt Tryba. "Ein Rabatt kann aber auch eine kostenlose Zusatzleistung, wie etwa die Lieferung oder der Aufbau des Gerätes sein." Allerdings sollte man nicht zu hohe Erwartungen haben, wenn in der Produktgruppe gerade ein Preiskampf tobt. Dies ist beispielsweise bei Elektroartikeln wie Stereoanlagen oder Fernsehern der Fall. "Hier sollte man auf dem Teppich bleiben. Mehr als fünf Prozent Preisnachlass sind da nicht drin, eher sogar weniger", empfiehlt Shopping-Experte Promny.

Chancen einschätzen

Auch Produkte, die mit einer "unverbindlichen Preisempfehlung" versehen sind, dürfen Gegenstand des Feilsch-Versuches sein. Allerdings sollte man sich darauf gefasst machen, dass man beim Online-Shop auf Granit beißt. Manchmal wird den Händlern vom Hersteller ein Mindestpreis vorgegeben. Gerade bei Herstellern von Luxusartikeln wie Uhren und Schmuck sind vorgegebene Mindestpreise keine Seltenheit. Unterschreitet der Shop diese Preisempfehlung, kann er richtig Ärger mit dem Hersteller bekommen.

"Wer mit dem Feilschen im Internet starten will, sollte immer bei kleinen Online-Shops beginnen", so Promny, "denn diese sind eher bereit, Rabatt zu gewähren." Bei großen Online-Shops wie otto.de oder quelle.de hingegen laufen pro Tag hunderte Bestellungen ein. Die Telefone klingeln hier ständig; da geht eine Bitte um Rabatt einfach unter oder wird ohne Umschweife abgelehnt. Generell gilt daher: Emails haben mehr Chancen auf Erfolg. Diese können nämlich zeitversetzt beantwortet werden und bieten dem Verkäufer die Möglichkeit abzuwägen, ob er sich auf das Angebot einlässt.

Wenn man den Verkäufer kontaktiert, sollte man sich so seriös wie möglich präsentieren. Höflichkeit, Grammatik und Sprachstil sind ebenso wichtig wie eine Email-Adresse mit dem eigenen Namen. Immerhin will man als Käufer ernst genommen werden und nicht im PC-Papierkorb landen. Verbraucher-Experte Tryba rät zusätzlich zur Offenheit: "Der Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit 60 Online-Shops hat ergeben, dass sich ein Drittel der Verkäufer auf das Feilschen einlässt, wenn man die Frage offen stellt. Chancen hat der Verbraucher vor allem, wenn er den Rabatt konkret beziffern kann. Damit weiß der Händler, worauf er sich einlässt." Was also immer ratsam ist: Bevor man anfängt zu feilschen, sollte man sich erst über das Produkt - und die marktüblichen Preise informieren.

Tipp 1: Konkreten Rabatt anbieten

Stellen Sie keine allgemeine Frage wie "Geben Sie Rabatt?". Besser ist, dem Händler konkrete Vorstellungen oder sogar die Prozentzahl genau zu beziffern. Bleiben Sie dabei unbedingt realistisch!

Produkte, die bereits einem Preiskampf ausgesetzt sind, erhalten generell weniger Rabatt. Die Gewinnspanne ist für den Händler schon sehr klein. Daher kann der Rabatt auch nur noch minimal ausfallen.

Thomas Promny, Geschäftsführer Marketing beim Shoppingportal Gimahhot, schlägt Ihnen die folgenden Prozentzahlen für einen Preisnachlass vor:

ProdukteRabatt anbieten
Elektro-Artikel5 Prozent
Schmuck10-15 Prozent
Delikatessen und Wein10-20 Prozent
Design-Küchenartikel, Espressomaschinen10-20 Prozent
Uhren

Tipp 2: Saison beachten

Wie im richtigen Handel gibt es auch im Internet eine Saison. Dabei gelten dieselben Regeln. Wer also im Mai eine komplette Skiausrüstung kaufen möchte, hat eine höhere Chance auf Rabatt. Umgekehrt hat eine Rabattanfrage auf eine Skiausrüstung im Winter kaum Aussicht auf Erfolg.

Tipp 3: Sich über das Produkt informieren

Bevor sie die Frage nach einem Rabatt stellen, sollten Sie die Produktdetails genau kennen, Preise und Produktausstattung vergleichen. Nennen Sie in Ihrer Anfrage unbedingt Konkurrenzpreise, wenn diese kleiner sind. Verweisen Sie auf Produkte, die für den Preis mehr Funktionen bieten. Dies sind für den Verkäufer gute Argumente, um über eine Preissenkung nachzudenken!

Tipp 4: Komplimente unterlassen

"Das ist meine Lieblingsshop", "Sie haben eine tolle Auswahl" etc. - Komplimente helfen leider nur selten. Sie bringen nur etwas, wenn der Verkäufer, der die Email liest, so etwas gerne liest. Besser ist es, sachlich zu bleiben und kurz und bündig zu schreiben, was man will.

Tipp 5: Zahlungsweise

Lieber mit Kreditkarte als mit Abbuchung bezahlen. Bei der Kreditkarte ist das Risiko der Rückbuchung für den Verkäufer geringer.

Bieten Sie keine Vorkasse an. Dies ist immer mit dem Risiko für Sie als Käufer verbunden, das Geld letztlich nicht verrechnet zu bekommen oder das Produkt nicht zu erhalten. Falls der Händler aber ihr Vertrauen sicher hat, können Sie es sich überlegen, Vorkasse anzubieten.

Tipp 6: Email schreiben

Schreiben Sie die Email an den Shop immer mit Ihrem richtigen Namen. Und nutzen Sie eine seriös klingende Email-Adresse. Wer beispielsweise mit "sexybunny@gmx.com" schreibt, wird unter Umständen überhaupt nicht ernst genommen und erhält keine Antwort.

Sprachstil und Grammatik müssen beim Schreiben unbedingt beachtet werden. Ein freundlicher Ton, gute Rechtschreibung sowie Anrede und Verabschiedung sind Pflicht.

Wenn Sie die Email verfassen, nennen Sie die genaue Produktbezeichnung und eventuell auch die Produktnummer, die der Händler dem Artikel auf seiner Website gegeben hat. Nennen Sie einen konkreten Rabatt, zum Vergleich geben Sie auch die preise der Konkurrenz an. Sie können auch Fragen, ob der Händler alternativ kostenlose Beigaben (z.B. ein gutes Schloss bei einem hochwertigen Fahrrad) oder Dienstleistungen (z.B. Lieferung, Aufbau oder Anschluss) anbietet. Letztlich wird der Händler aber, wenn er Ihnen keinen Rabatt gewährt, diese alternativen Leistungen selbst offerieren.

Tipp 7: Warten auf Antwort

Auch Online-Händler sind in der Woche besser zu erreichen und antworten schneller. Laut Angaben von Georg Tryba, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, wartet der Kunde im Durchschnitt nur einen Tag auf die Antwort. Bis zu drei Tage sollte man aber einrechnen, bis die Antwort kommt.

Tipp 8: Im Fall der Ablehnung

Falls der Vorschlag eines Preisnachlasses abgelehnt wird, bleiben Sie freundlich und bedanken sich für die Antwort. Es bringt Ihnen nichts, sich über die Ablehnung zu ärgern. Im Gegenteil würde eine erboste Antwort ihre zukünftigen Verhandlungschancen in diesem Shop verringern.

Nochmaliges Nachfragen - beispielsweise nach einer Woche - bringt nichts. Das "Nein" des Händlers ist das letzte Wort. Im Internet kann man schließlich nicht wie auf dem Flohmarkt erwarten, dass der Verkäufer mürbe geworden ist.

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