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SCHULE: Schlechte Noten für deutsche Bildung

Deutschlands Schüler gehören im internationalen Vergleich nicht mal mehr zum Durchschnitt. Im weltweit größten Schulleistungstest »Pisa« rangiert unser Nachwuchs auf Platz 25 im untersten Mittelfeld.

Was ist aus dem einst hochgelobten deutschen Bildungssystem geworden? Die Antwort darauf hat die aktuelle »Pisa«-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegeben: Die Ausbildung an den Schulen unserer Republik ist im internationalen Vergleich inzwischen nicht einmal mehr Mittelmaß.

In dem weltweit größten Schulleistungstest wurden 260.000 Schüler (davon 10.000 aus Deutschland) im Alter von 15 Jahren aus 32 Industriestaaten geprüft. Leistungskategorien waren Lesen, Rechnen und Naturwissenschaft.

Auf dem Niveau von Brasilien

Das Ergebnis des internationalen Vergleichs ist niederschmetternd: Die deutschen Schüler liegen auf Rang 25 im untersten Mittelfeld. Das ergibt eine Niveaustufe, die mit Russland und Brasilien vergleichbar ist.

Die Nase vorn haben wir lediglich im Bereich einer »Zweiklassenbildung«. In keinem anderen Land gibt es so drastische Diskrepanzen zwischen guten und schlechten Schülern. Aber auch die Besten unseres Landes liegen im Vergleich mit ihren internationalen Konkurrenz unter dem Durchschnitt.

Lesen auf unterstem Niveau

22,6 Prozent der deutschen Schüler erreichten in der Lesekompetenz die niedrigste Stufe. Ein alarmierendes Ergebnis, denn gerade diese Fähigkeit gilt als elementare Vorraussetzung, wenn es darum geht, sich in Leben und Beruf zurecht zufinden. Betroffen sind vor allem Jungen aus sozial schwachem Milieu.

Was haben Finnland, Korea, Kanada und Japan, das Deutschland fehlt? In den Ländern, die bei der Studie die vorderen Ränge belegten, gibt es beispielsweise Ganztagsschulen und eine einheitliche Schulform.

Fördern statt auslesen

»Die wichtigste Ressource für internationale Wettbewerbsfähigkeit ist die Bildung«, stellte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handwerkskammertages, Ludwig Georg Braun, treffend fest. In Deutschland muss sich deshalb auf diesem Gebiet etwas tun.

Ansätze gibt es etliche. »Zu viel Stoffdruck, aber zu weinig Denkdruck« bemängelt Ludwig Eckinger, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). »Andere Länder fördern ihre Kinder, wir lesen aus«, fordert die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eva-Maria Stange, eine »Qualitätsoffensive«.

Vergleich der Bundesländer im Sommer

Die einzelnen Bundesländer dürfen sich auf den Sommer des kommenden Jahres freuen oder ihn fürchten. Dann wird eine innerdeutsche Studie mit 50.000 Schülern zeigen, wie ein Bildung-Vergleich auf Länderebene aussieht.

Christian Meyer

Wissenscommunity