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Umstrittenes Verbot: Schulleiter verbietet Kindern, einander zu umarmen

Weil es nicht jeder als angenehm empfinde, umarmt zu werden, hat ein australischer Schulleiter die Geste kurzerhand verboten. Lehrer sollen die Kinder stattdessen künftig animieren, Lob und Zuneigung anders auszudrücken.

Zwei junge Mädchen umarmen sich auf einer Wiese

High-five statt Umarmung: In Geelong sollen Kinder andere Wege finden, ihrem Gegenüber Lob oder Zuneigung auszudrücken

Es klingt absurd, ist aber völlig ernst gemeint: Kindern einer australischen Grundschule ist es ab sofort verboten, Mitschüler oder Lehrer zu umarmen. Die heutige Zeit mache es erforderlich, Kinder zu schützen und sie bereits in jungen Jahren zu lehren, dass man vorsichtig sein müsse. So begründet John Grant, Leiter der St. Patricks Grundschule in Geelong, sein Dekret gegenüber der Zeitung "The Herald Sun".

Einen konkreten Anlass für das Verbot gibt es ihm zufolge nicht. Vielmehr sei es das Ziel, die Schüler zu ermutigen, "den persönlichen Raum des anderen zu respektieren", so Grant, der die Eltern noch per Brief informieren wollte. Es sei nun mal so, dass nicht jeder Umarmungen als angenehm empfinde, führte Grant aus. Stattdessen plädierte der Schulleiter dafür, dem Gegenüber Zuneigung oder Lob beispielsweise per high-five oder andere Formen des Händeschüttelns zu zeigen. Auch verbale Bestätigungen seien eine Option, sagte Grant.

"Ich bin sicher, da gibt es einen Grund"

Ein namentlich nicht genannter Schülervater erzählte der Zeitung, viele Eltern hätten zunächst gelacht, als sie durch ihre Kinder vom Verbot erfahren hätten. Verständnis zeigte er indes nicht. Von ihm selbst durchgeführte psychologische Studien hätten ihn gelehrt, dass Berührungen und Umarmungen basale Bedürfnisse des Menschen seien. Auf den ersten Blick wirke die Maßnahme für ihn daher wie eine Bevormundung, sagte der Vater. Weil die Schule den Kindern bereits vor einigen Jahren aufgrund vermehrter Verletzungen verboten hätte, ein Rad zu schlagen, wollte er nicht glauben, dass das Umarmungsverbot ohne Anlass sei. "Ich bin sicher, da gibt es einen Grund", wird er in dem Bericht zitiert.

Eine Strafe bei Nichtbeachtung müssen die Kinder laut Schulleiter Grant indes nicht fürchten. Die Lehrer seien angehalten, das Verbot sehr sensibel einzuführen und im Falle der Nichtbeachtung die Schüler zu bitten, "den persönlichen Raum des anderen zu respektieren".

mod

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