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Sponsoring für Schulen: "Tue Gutes und rede darüber"

Aufgrund leerer Kassen wird das Sponsoring für Schulen immer wichtiger. Die Lehrerverbände sehen diesen Trend allerdings eher mit Bauchschmerzen.

"Mathe macchiato", "i lern", "Schulen ans Netz" - hinter all diesen Begriffen verbirgt sich ein Trend: Das so genannte Schul-Sponsoring, das wegen leerer öffentlicher Kassen für viele Schulen immer wichtiger wird. Ein Unternehmen unterstützt eine Schule und bekommt im Gegenzug Werbung - so die Kurzformel. Bei der Bevölkerung gehört diese Form der Bildungsarbeit zu den am meisten geschätzten Sponsoring-Bereichen. Kritiker fürchten allerdings um die Unabhängigkeit von Schulen und warnen vor einem Kampf um Sponsorengelder.

"Tue Gutes und rede darüber" - unter diesem Motto haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Kooperationen zwischen Wirtschaft und Schulen etabliert. Die Konzepte sind ganz unterschiedlich: Ein Chemieunternehmen stellt Experimentierkästen zur Verfügung, ein Sportgeschäft liefert Trikots für Schulmannschaften, auf denen dann das Logo der Firma abgedruckt ist, oder ein Musikalienhändler stiftet einen Flügel und bekommt dafür eine Hinweistafel in der Schule. Oder Initiativen wie "Schulen ans Netz", 1996 von Bundesbildungsministerium und Telekom ins Leben gerufen, kümmern sich um die flächendeckende Versorgung der Schulen mit Internetzugängen.

Davon profitieren beide Seiten

Für die Schulen bedeutet Sponsoring, dass sie fehlendes Geld, Sachmittel oder Dienstleistungen zur Verfügung gestellt bekommen. Die Unternehmen bekommen dafür im Gegenzug Werbung in Form des Imagegewinns. Davon profitierten beide Seiten, betont der Schulsponsoringberater von Nordrhein-Westfalen, Helmut Schorlemmer, der auch Schulleiter ist. "Die Unternehmen sind nicht einfach Geldgeber, sondern Partner, die Schule muss sich bewegen und ein gutes Angebot machen." Das wirke sich auf die Qualität des Unterrichts und der Schulentwicklung aus.

Auch Wolfgang Vanscheidt von Fujitsu Siemens sieht in der "Private-Public-Partnership" Profite für alle Seiten. Bildung sei kein Selbstzweck, sondern wichtig für Wirtschaft und Wachstum, argumentiert er. "Unternehmen sind zwangsläufig integrierte Partner einer Volkswirtschaft und profitieren eins zu eins von der Qualität der Absolventen." Aber sie können damit natürlich auch ihre Produkte absetzen, etwa Notebooks, die bei Projekten wie "Notebook-Klassen NRW" der Stiftung "Partner für Schule" oder "1.000 mal 1.000" in Niedersachsen nicht umsonst zur Verfügung gestellt werden - zahlen müssen in der Regel die Eltern.

Werbeeffekt muss hinter pädagogischem Nutzen bleiben

Die Schulgesetze sehen für Sponsoring, das per Vertrag geregelt wird, bestimmte Richtlinien vor: Bei der Entscheidung über eine Zusammenarbeit müssen normalerweise Schulkonferenz und Schulträger eingebunden werden. Außerdem muss sichergestellt sein, "dass der Werbeeffekt deutlich hinter dem pädagogischen Nutzen zurückbleibt". Dass dies tatsächlich so ist, ist allerdings nicht gewährleistet: Unter dem Deckmantel des Sponsorings kann leicht platte Werbung Einzug in die Schulen halten.

"Es ist nicht auszuschließen, dass Schulsponsoring generell zum Einfallstor für Produktwerbung wird", sagt auch Schorlemmer, der Werbung streng von Sponsoring unterscheidet. Die Entstehung von Agenturen, die reine Produktwerbung an Schulen vermitteln, hält auch er für eine gefährliche Entwicklung. "Aber normalerweise trennen die Unternehmen selbst strikt zwischen Sponsoring und Produktwerbung, das ist ja auch ein rechtliches Problem", erklärt er. Wichtig sei daher eine Professionalisierung des Schul-Sponsorings.

Lehrerverbände sehen das Sponsoring mit Bauchschmerzen

Die Lehrerverbände sehen das zunehmende Sponsoring eher mit Bauchschmerzen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Deutsche Lehrerverband (DL) sind sich einig, dass die Finanzierung des Bildungswesens Aufgabe der öffentlichen Hand und nicht der Wirtschaft sein sollte. Es bestehe immer die Gefahr, dass Unternehmen versuchten, Einfluss auf die Inhalte der Schulen zu nehmen. "Außerdem beobachten wir mit wachsender Sorge, dass die Schulen, die sowieso nicht auf der Sonnenseite stehen, weniger Geld abbekommen", sagt Marianne Demmer von der GEW.

Tatsächlich zeigen dem Bildungsforscher Manfred Weiß zufolge Studien, dass westdeutsche Schulen mehr Geld sammeln als ostdeutsche sowie Gymnasien und Gesamtschulen mehr als Real-, Haupt- und Sonderschulen. Dem versuchen Einrichtungen der Kultusminister wie der "Bildungspakt Bayern" entgegenzuwirken: Sie wollen Sponsoring-Gelder einwerben und gerechter verteilen.

Mirjam Mohr, AP

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