HOME

Tabakkonsum: Stopfen statt Stecken

Als die EU den Steuervorteil für Steckzigaretten gestrichen hat, stellte die Tabakindustrie umgehend deren Produktion ein - der Kaufanreiz war weg. Jetzt wurde ein neues Schlupfloch gefunden, um billige Tabakwaren anzubieten.

Nach dem Aus der Steuerbegünstigung für Steckzigaretten Ende März versuchen die Tabakkonzerne ihre drohenden Einnahmeausfälle durch eine Kombination aus Bewährtem und Neuentwicklungen aufzufangen. Sie setzen unter anderem auf die von einigen Rauchern seit langem praktizierte Stopf-Variante. Dabei wird der Tabak mit einer speziellen Maschine in eine leere Papierhülse gedrückt. Der benötigte Feinschnitttabak, der dafür den Firmen zufolge weiterentwickelt wurde, ist im Gegensatz zu den Sticks weiter steuerlich begünstigt.

Sticks-Lager werden geleert

Der Europäische Gerichtshof hatte im vergangenen November entschieden, dass die Steuerbegünstigung auf vorportionierten Feinschnitttabak, so genannte Singles oder Sticks, gegen EU-Recht verstößt. Ende März lief die Vergünstigung nun aus. Davor produzierte Ware darf alelrdings noch vergünstigt verkauft werden.

"Wir gehen davon aus, dass die Sticks in den kommenden Wochen aus den Geschäften verschwinden werden. Was danach kommt, wissen wir nicht genau", sagt Alexander Manderfeld, Sprecher des Verbandes der deutschen Rauchtabakindustrie. Es handele sich dabei gleichwohl um einen nennenswerten Markt: "Es wird sicherlich versucht, die Lücken zu schließen", betont er.

Ein Viertel des Zigaretten-Absatzes

Nach Angaben des Verbandes wurden 2005 etwa 29 Milliarden Sticks verkauft. Das entspricht rund einem Viertel des Zigaretten-Absatzes. Auf 3,7 Milliarden Euro beziffert Manderfeld den Umsatz mit Feinschnitttabak für 2005. Dazu gehören neben den Sticks auch der Tabak zum herkömmlichen Drehen und Stopfen von Zigaretten. Neben der Stopf-Alternative bieten die Hersteller weitere Produkte an, die nicht von der EuGH-Entscheidung betroffen sind. So sind im Handel auch Filter-Zigarillos erhältlich, die nicht mit weißem Zigarettenpapier, sondern mit einem braunen Tabakblatt umwickelt sind. Sie werden nicht wie Zigaretten versteuert.

"Wir haben Antworten auf das Urteil vorbereitet, und die ersten Reaktionen von Konsumenten sind sehr positiv", sagt Sebastian Blohm, Sprecher des Zigarettenherstellers Reemtsma, ein Tochterunternehmen der Imperial Tobacco Group Company. Wie Reemtsma, bieten auch British American Tobacco (BAT) und Philipp Morris spezielle neue Tabak-Produkte für die Stopf-Produktion an.

AP / AP

Wissenscommunity