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TEIL 14: Liebe privilegierte EU-Mitglieder,

»Wie geht es Euch? Mir geht es gut. Das Wetter ist fantastisch«. Ich weiß, es erinnert an eine dieser unsäglichen Urlaubspostkarten aus Spanien, aber jetzt, ganz neu, kann man sie auch aus dem Osten abschicken. Ich glaube, bei Euch im Westen wurden ebenfalls sämtliche Klimarekorde gebrochen, oder?

Selbiges in Prag, mit mehr als 35 Grad. Da greift dann sogar der Tscheche, der ansonsten ein recht - nun, wie soll ich es politisch korrekt schreiben - »unsensibles Näschen« hat - zur Evian-Sprühwasserflasche.

Oder er genießt ein Pivo im Biergarten. Es gibt hier einen sehr tollen auf »Letna«, dort oben liegt einem die Moldau zu Füßen, und in meinem Stadtteil Zizkov. Von dort sieht man auf den spacigen Fernsehturm in Zizkov, eine Art Rakete, an der schwarze Babys hoch krabbeln (installiert vom Aktionskünstler David Cerny).

Am Abend gibt's jetzt hier auch dramatische Sommergewitter. Ich durfte eines unter anderem eingesperrt in dem Supermarkt »Delvita« an der Metrostation »Florenz« (ja, die heißt wirklich so!) verfolgen. Ein Blitz hatte wohl in das Elektrizitätswerk Zizkov eingeschlagen. In meinem Stadtteil ging gar nichts mehr: Die Ampeln fielen aus, die Leute saßen im Dunkeln über ihrem Pivo und die Supermarktkasse streikte. War eine sehr nette Atmosphäre: Kassiererinnen lehnen sich plötzlich gemütlich in ihrem Bürostuhl zurück, fangen im Dunkeln an mit den Kunden zu schnacken... Und dann natürlich ein »ohhhh«, wenn die Neonleuchten mit Flackern wieder zu sich kommen und die Kühltruhe wieder anspringt.

Wenn ich nicht gerade in abgedunkelten Supermärkten warte, versuche ich, meine letzten Tage hier zu organisieren. Es geht nun nämlich alles Schlag auf Schlag: Nächste Woche bin ich noch hier, dann geht es am Samstag nach Lubeljana in Slowenien, die »Schweiz des Balkans«. Die Uni organisiert dort eine »summeruniversity« (für mehr Anglizismen in der deutschen Sprache, yeah!) zum Thema »Brave New Europe«. Es wird wahrscheinlich »das Übliche« geben: schlaue Diskussionen und Vorlesungen zum Thema EU-Erweiterung. Mitte Juli geht es dann zum Arbeiten nach Hamburg.

Ich weiß leider gar nicht, wieweit wir im Tschechisch-Kurs sind, ich gestehe ja auch, dass ich nicht mehr sehr regelmäßig an der »Statni Jazykova Skola« war. Aber Olga, meine Tschechisch-Lehrerin, hat mir trotzdem einen tollen Schrieb in die Hand gedrückt: »Ja, Fräulein Uken hat fünf Monate lang zweimal in der Woche am Sprachkurs teilgenommen.«

Wie wär's heute einmal mit ein paar Präpositionen im Tschechischen?

pod stromem - unter dem Baum

ovoce pro deti - Obst für Kinder

proti vetru - gegen den Wind

na zebriku - auf der Leiter

Welche interessanten grammatischen Formen die Präpositionen nach sich ziehen, das verrät Euch nächstes Mal

Marlies

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