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Umzug: Wenn das Klavier vom Möbelwagen fällt

Vermeidbarer Ärger beim Umzug: Für Schäden kommt in der Regel die Spedition auf, eine zusätzliche Absicherung durch eine Transportversicherung ist dennoch empfehlenswert.

Als die Männer der Umzugsfirma weg waren, schloss sich Silke Amelung für eine halbe Stunde in der Toilette ein - zum Heulen. Ehemann Peter rief inzwischen die Spedition an, um den bis dahin ersichtlichen Schaden zu reklamieren, den der Hausstand beim Transport und der rund sechswöchigen Zwischenlagerung erlitten hatte. Der teure Futon war feucht und verschmutzt, der Teakholztisch hatte ein Bein weniger und eine tiefe Schramme auf der Platte, Kleidung war angeschimmelt und teilweise mit Mäusekot verdreckt, Geschirr zerbrochen.

Haftungsgrenze angeben

"Im Normalfall kommt der Spediteur für Schäden auf, die er verursacht hat", sagt Dierck Hochgesang, Sprecher des Bundesverbandes Möbelspedition (AMÖ) in Hattersheim (Hessen). Nach dem Transporthaftungsrecht zahlt das Umzugsunternehmen bis zu 620 Euro pro Kubikmeter Umzugsgut. "Auf diese Haftungsgrenze muss der Unternehmer den Kunden auch in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen hinweisen."

Wichtig ist es, die Meldefristen für einen Schaden einzuhalten: "Spätestens am Tag nach der Ablieferung müssen sichtbare Schäden dem Spediteur mitgeteilt werden", sagt Hochgesang. Zerbrochenes Geschirr im Karton zum Beispiel gehört dagegen zu den unsichtbaren Schäden. Diese müssen spätestens 14 Tage nach dem Umzug reklamiert werden.

Manchmal hilft nur noch der Anwalt

"Für welche Schäden der Möbelspediteur aufkommt, hängt auch vom Vertrag ab", sagt Stephan Schweda, Pressesprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Werden die Kartons zum Beispiel selbst gepackt, um Kosten zu sparen, kommt der Spediteur für verdeckte Schäden nicht mehr auf. Schließlich könne dann nicht bewiesen werden, ob die Tasse schon vor dem Packen kaputt gewesen ist oder nicht.

Für den Umzug von Silke und Peter Amelung war der Arbeitgeber des Geologen aufgekommen, weil der Wohnungswechsel berufsbedingt war. Der Spediteur habe den Auftrag für den Rundumservice gehabt, so Silke Amelung: Abbauen der Möbel, Einpacken, Transportieren, Lagern, Auspacken und wieder Aufbauen. "Der Spediteur sagt, er hat alles fachgerecht erledigt." Angesichts eines nassen Sofas und gefrorener Weinflaschen fällt es den Amelungs aber schwer, das zu glauben. Weil sich der Spediteur bis zum August, ein halbes Jahr nach dem Horror-Umzug, uneinsichtig zeigte, haben jetzt die Anwälte das Sagen.

Ausschluss: Naturgewalten

"Nur bei unabwendbaren Ereignissen wie einem Unwetter haftet der Spediteur nicht", erklärt AMÖ-Sprecher Hochgesang. Brennt der voll beladene Möbelwagen zum Beispiel bei einem Unfall ab, den der Fahrer des Umzugsunternehmens nicht verursacht hat, und bei dem der Schuldige Fahrerflucht begeht, kann es passieren, dass der Kunde keinen Cent für den Schaden bekommt. "So etwas ist leider schon vorgekommen", sagt Hochgesang. Um nach so einer Katastrophe wenigstens den materiellen Schaden ersetzt zu bekommen, rät Hochgesang den Kunden zum Abschluss einer Transportversicherung. Die Kosten dafür richteten sich nach dem Wert des Umzugsgutes und machten höchstens 2,5 Promille davon aus.

"Die Hausratversicherung hat mit dem Umzug direkt in der Regel nichts zu tun", erklärt Schweda. Viele Hausratversicherungen gewährten jedoch im Falle eines Umzuges für eine befristete Übergangszeit Schutz für beide Wohnungen. Verbraucher sollten außerdem die Versicherungssumme der neuen Wohnung anpassen lassen.

Vorsicht bei Haftungsausschluss

Auch wer Freunden oder Verwandten bei einem Umzug hilft, ist gut beraten, sich vorher über seinen Versicherungsschutz zu informieren. Lässt der Betroffene die viel besagte Ming-Vase fallen, kann es passieren, dass er diese aus eigener Tasche ersetzen muss. "Für Schäden, die bei Gefälligkeitsarbeiten entstehen, kann es Haftungsausschlüsse geben", erklärt Schweda. Generell hielten sich die Versicherungen an den gesunden Menschenverstand: "Wenn die 65-jährige Großmutter die Waschmaschine fallen lässt, bezahlt das wohl kaum eine Versicherung."

Wer das Risiko einer Enttäuschung mit einem Umzugsunternehmen verringern möchte, sollte sich das Kleingedruckte genau durchlesen: "Werden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen so genannte Kleinschäden von der Haftung ausgenommen, ist das unsinnig und unseriös", sagt AMÖ-Sprecher Dierk Hochgesang. Wer zudem sicher gehen will, dass der Spediteur ausreichend qualifiziert ist, sollte darauf achten, dass das Unternehmen die Europäische Umzugsnorm erfüllt und ein entsprechende Zertifikat besitzt. "Ist der Spediteur Mitglied in unserem Verband, können Kunden außerdem einen Streit durch uns kostenlos schlichten lassen", so Hochgesang.

DPA / DPA
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