AUTO Schwerer Junge

Ein starkes Erbe aus der kurzlebigen deutsch-britischen Ehe: Der runderneuerte Luxus-Geländewagen Range Rover steckt voller BMW-Technik.

Ein starkes Erbe aus der kurzlebigen deutsch-britischen Ehe: Der runderneuerte Luxus-Geländewagen Range Rover steckt voller BMW-Technik

Schöner ist er nicht geworden. Auf den ersten Blick könnte man glauben, ein Möbelwagen käme um die Ecke gebogen. Dabei ist es nur der neue Range Rover, der in der Höhe um fünf und in der Länge um 24 Zentimeter gewachsen ist. Auch die angeschnittenen Scheinwerfer und die wie Kiemen in den Flanken angebrachten Kühlluftöffnungen sehen aus, als habe hier ein Design-Banause mit der Axt gewütet.

Selbsttragende Karosserie

Aber unter dem Blech hat das Trumm durchaus Fortschritte gemacht. Das neue Modell, ab März in Deutschland erhältlich, ruht nicht mehr auf einem Kastenrahmen nach altbackener Lkw-Bauart, sondern auf einer selbsttragenden Karosse, wie sie im Pkw-Bereich seit langem eingeführt ist. Auch die Starrachsen, gleichfalls ein Relikt aus dem Nutzfahrzeug-Erbe, sind verschwunden. Dazu kommt, wie bei jedem zeitgemäßen Straßenauto, Einzelradaufhängung vorn und hinten.

Ein Kind der BMW-Herrschaft

Damit deklassiert der feine Brite, der weitgehend von BMW entwickelt und nun im Ford-Konzern gebaut wird, die Stuttgarter G-Klasse. Der 22 Jahre alte »Mercedes unter den Geländewagen« (Eigenwerbung), der unter seinesgleichen immer noch als Messlatte gilt, verkörpert die konservative Lehrmeinung, dass allein Kastenrahmen und Starrachsen die Beanspruchung im Gelände dauerhaft aushalten.

Pfifig: Luftfederung

Der Range, wie er von seinen Fans liebevoll gerufen wird, »definiert die Klasse neu«, so trompetet die Reklame. Tatsächlich gelang es den Briten, mit der serienmäßigen Luftfederung auf pfiffige Weise einen Widerspruch aufzulösen, der dem Luxus-Offroader in den 31 Jahren seiner bisherigen Bauzeit stets zu schaffen machte: Im Gelände soll er weich und langhubig federn, damit alle Räder stets Bodenkontakt halten. Auf Asphalt dagegen verlangt gute Straßenlage eine straffe Federung. Da der bisherige Range Rover mit Priorität fürs Gelände konstruiert wurde, empfanden ihn viele Insassen auf fester Straße als zu weich. Sensible Beifahrer wurden auf kurvenreicher Strecke regelrecht seekrank.

Geländeweich und...

Der englische Trick, um dieses Wanken zu verhindern: Die eimergroßen Luftbälge, die nun die Stöße des Untergrunds aufnehmen, sind über dünne Schläuche miteinander verbunden und werden durch schlaue Elektronik mit Hilfe von Magnetventilen gesteuert. Beispiel: Die Software merkt nach den ersten Schlaglöchern, dass das Fahrzeug nun in raues Gelände abgebogen ist, und öffnet die Ventile. Das rechte Rad, das gerade einen Findling erklettert, drückt seinen Luftbalg so zusammen, dass dessen Füllung über den Verbindungsschlauch in den linken Balg verdrängt wird. Folge: Das rechte Rad kann tief einfedern; das linke, das gerade keinen Findling zu bewältigen hat, federt dagegen weit aus und hilft so, das ganze Fahrzeug in gerader Haltung über das Hindernis hinwegzuheben.

... straßenhart

Zurück auf der Straße, schließt die Software sofort die Ventile. Der Luftaustausch nimmt ein Ende, und die Bälge verhärten sich wieder zu einer für feste Straßen optimalen Federung. Der Einfall ist genial und löst ein Grundproblem, das den Konstrukteuren anderer Geländewagen schon zu grauen Haaren verholfen hat. Ob das Ganze dauerhaft funktioniert, ist noch ungewiss. Immerhin war die Luftfederung, mit der auch Mercedes seit Jahrzehnten experimentiert, schon beim bisherigen Range Rover auf Wunsch erhältlich, wenn auch ohne Luftaustausch und schlaue Software.

Dickschiff

An Nutzfahrzeuge erinnert nur noch die Masse. Obgleich die Mutter aller Luxus-Offroader wie gewohnt mit viel Aluminium daherkommt, steigt das Leergewicht auf 2,5 Tonnen. Zulässig sind reichlich drei Tonnen. Um dieses Schwergewicht standesgemäß zu bewegen, tun die Engländer es nicht unter sechs Zylindern. Allerdings greifen sie zu deutschen Motoren - ein Erbe aus der Kurzehe mit BMW. Zur Wahl stehen der V8-Benziner und der Sechszylinder-Diesel aus dem Siebener-Typ. Auch anderweitig sind die BMW-Gene allgegenwärtig: Auf den Blechteilen der Rohkarosse prangt hier und da das pfenniggroße BMW-Logo.

Fazit:

Der Range ist das Auto für den weltreisenden Playboy. Der muss keinen Luxus entbehren und kann jederzeit die Straße verlassen, wenn ihm danach ist. Nicht einmal seine Pferde muss er zurück- lassen - der Transportanhänger darf 3,5 Tonnen wiegen. Entsprechend sind die Preise: Ab 113000 Mark geht es los - wobei ausnahmsweise der Diesel die billigere Anschaffung ist.

Von Peter Thomsen


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