VG-Wort Pixel

Ella Risbridger Ein "Kummerspeckbuch" für alle, die sich neu in die Welt verlieben möchten

Autorin Ella Risbridger
Dass Ella Risbridger heute wieder aufrecht steht, liegt vor allem am Kochen.
© Gavin Day
Sie war am Boden, das Kochen brachte sie wieder auf die Beine. Aus ihren Erfahrungen hat Ella Risbridger ein Kochbuch gemacht – mit Rezepten, "für die es sich zu leben lohnt". 

Es war im Sommer, als die Welt zur Seite kippte und Ella Risbridger mit ihr. Sie schlug am Morgen die Augen auf und fühlte es. Sie liebte die Welt nicht mehr. Dunkle Wolken machten sich breit, sie brachten den Pessimismus. Risbridger wusste: Ein Sturm zieht auf. Er ließ sich nicht aufhalten. Aus der Welt wurde schnell zu viel Welt. Irgendwann lag sie wie gelähmt in ihrem Flur auf dem Boden und wusste nicht, ob sie jemals wieder aufstehen würde. Aber da war dieses Huhn. Es hing in einem Stoffbeutel an einem Küchenstuhl. Ella Risbridgers Geschichte beginnt mit diesem Federvieh. Genau genommen mit einem Mitternachtshuhn – viele weitere Gerichte folgten. 

Die Rezeptsammlung, die sie in ihrem Kochbuch "Die Geschichte beginnt mit einem Huhn. Rezepte, für die es sich zu leben lohnt" zusammengestellt hat, erzähle die Geschichte darüber, wie sie gelernt habe, wieder auf die Beine zu kommen. Es sei "eine Art Anleitung dafür, sich neu in die Welt zu verlieben, eine Anleitung dafür, Stürme zu überstehen", schreibt sie.

Kochen, essen, leben

Die junge Londonerin weiß, wovon sie spricht. Es war kurz nach ihrem 21. Geburtstag, als sie sich, wie sie schreibt, einem Bus in den Weg stellte. Es war ihr Versuch, aus der Welt zu gehen. Stunden später, noch im Krankenhaus, ging es ums Weitermachen und plötzlich wusste sie wie. Sie habe es wie eine kleine Landkarte vor sich gesehen: "Ich werde etwas kochen, und ich werde es essen, und ich werde leben". Und genau das tat sie. Heute sagt sie: "Das Kochen hat mich gerettet, genau wie meine Freunde – die Menschen, für die ich gekocht habe." 

Ella Risbridger
"Wenn ich kochen kann, kann jeder kochen", meint Ella Risbridger, die Autorin des Buchs.
© Callwey Verlag

Risbridger ist keine gelernte Köchin, sie ist Autodidaktin. Eine, die Zutaten mit Weingläsern abmisst, die Lebensmittel kauft, ohne zu wissen, was sie kauft. Oder wie sie es beschreibt: "Ich bin Köchin, glaube ich, aber eine schludrige, von ganz unten aus dem Gemüsefach." Risbridger experimentiert, scheitert - und macht sich nichts daraus. Ganz im Gegenteil. So und nicht anders will sie kochen, weil sie überzeugt davon ist, dass diese Herangehensweise gut tut. Genau diese Freude am Werkeln in der Küche möchte sie mit ihrem Buch vermitteln. Drei Grundregeln hat sie diesem vorangestellt: 1. Salz dein Pastawasser. 2. Nimm im Zweifelsfall Butter. 3. Mach einfach weiter.

Küchenfails der Stars zu Corona

Kummerspeckbuch voller Trostessen

Sie selbst bezeichnet das Kochbuch als "Kummerspeckbuch" - es ist voller Rezepte für Trostessen mit so klanghaften Namen wie "Trashige Ingwerbier-Hähnchenschenkel", "Eheglück-Wurstpasta" und "AGA-Mamas Milchbrot". Es sind Rezepte für morgens, mittags, abends, für Picknicks und Mitternachtsgelage, darunter Süßes wie Herzhaftes.

Wie sie die Rezepte ausgewählt hat? "Das ist einfach", sagt sie. "Ich habe einfach die Rezepte aufgeschrieben, die ich immer wieder zubereite. Wenn ich etwas nicht gern gekocht habe, kam es nicht ins Buch. Wenn es zu viel Abwasch verursachte, kam es nicht ins Buch."  Alles, was zu kompliziert war, keinen Spaß gemacht habe, habe sie gestrichen - "weil es nämlich - hoffentlich! - ein total aufrichtiges Buch ist".

Das Kochbuch "Die Geschichte beginnt mit einem Huhn: Rezepte, für die es sich zu leben lohnt" von Ella Risbridger ist im Callwey Verlag erschienen, 288 Seiten, 29,95 Euro.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Dieser Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Mehr Informationen dazu gibt es hier.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker