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Interview

Kita-Köchin Astrid Niessen: "Essen ist dogmatisch" – warum es wichtig ist, dass Kinder schon in der Kita gut essen

Essgewohnheiten prägen sich bereits früh. Kita-Köchin Astrid Niessen kocht jeden Tag frisch. Das ist selten, aber möglich. Ein Gespräch.

Kindergarten Essen

Schon die Kleinen müssen lernen, gut zu essen

Frau Niessen, was gab es heute im Erna-Zink-Kindergarten zum Essen?

Blätterteig-Frischkäse-Röllchen, Kürbissuppe mit Brot-Croutons, Äpfel mit Streuselkruste und Zimtjoghurt. Jeden Tag gibt es ein Menü. Also drei Gänge. 

Hmm. Klingt lecker.

Den Kindern schmeckt es, das Menü ist auf die Kleinen abgestimmt. Einmal in der Woche können Kinder auch mitkochen und sie dürfen Essenswünsche äußern.

Ist das nicht sehr selten, dass im Kindergarten alles noch frisch gekocht wird?

Ja, wir sind da etwas Besonderes. Andere Einrichtungen machen zumindest noch einen kleinen Teil selber, kriegen den Rest aber geliefert. Bei uns ist das anders. Convenience-Produkte gibt es bei uns nicht.

Wie viel Geld haben Sie fürs Essen zur Verfügung?

Fürs Mittagessen kalkuliere ich etwa einen Euro pro Kind pro Tag. Der Essenspreis liegt bei 3,20 Euro.

Uff, das ist wenig.

Ich komme damit gut klar.

Das Budget ist in anderen Einrichtungen ähnlich. Trotzdem kommen da vor allem Convenience-Produkte zum Einsatz. Was machen Sie anders?

Astrid Niessen kocht seit acht Jahren im Erna-Zink-Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt Erlangen Höchstadt. Mit ihrem Essenskonzept ist die Kita etwas Besonderes.

Astrid Niessen kocht seit acht Jahren im Erna-Zink-Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt Erlangen Höchstadt. Mit ihrem Essenskonzept ist die Kita etwas Besonderes.

Es gibt auch mal Gerichte, die nicht so viel kosten - wie zum Beispiel Milchreis. Den Lebensmitteleinsatz plane ich gut und wirtschafte mit dem Geld. Wir kaufen nicht alles in Bio-Qualität, sondern ganz normal im Supermarkt. Manchmal kaufe ich aber auch Kartoffeln und Gemüse direkt vom Bauern, wenn ich aufs Land hinaus fahre. 

In einem ganz gewöhnlichen Monat: Was landet normalerweise auf den Tellern der Kinder?

Durchschnittlich kommen maximal zwei bis drei Fleischmahlzeiten im Monat auf den Tisch. An drei bis vier Tagen pro Woche gibt es Rohkost oder Salat als Vorspeise, an mindestens vier Tagen in der Woche gibt es Gemüse. Entweder als Beilage oder als Suppe – zusätzlich zum Salat. Einmal die Woche bereite ich eine Süßspeise als Hauptgericht vor, aber nur in Kombination mit einer herzhaften Vorspeise. Zweimal die Woche gibt es als Nachtisch Milchprodukte - Joghurt mit frischen Früchten oder Milch, die wir vom Bauern beziehen. Entweder als Schoko- oder Fruchtmilch oder einfach auch mal pur. Ansonsten gibt es viel Obst.

Den Kindergarten, in dem sie arbeiten, besuchen auch Kinder aus sozial schwächeren Familien. Kennen die Kinder eigentlich das, was sie kochen?

Nein, nicht alles. Etwa 70 Prozent der Kinder haben Migrationshintergrund, ein Teil davon sind Flüchtlingskinder, die kennen unsere Gerichte gar nicht. Einige Kinder aus sozial schwächeren Familien kennen regelmäßige Mahlzeiten überhaupt nicht.

Wenn die Kinder keine regelmäßigen Mahlzeiten kennen: Wie bringen Sie den Kleinen ein gesundes Essverhalten bei?

Wir reden im Kindergarten nicht von gesund. Das Essen ist zwar gesund, ausgewogen, vielseitig, aber wir kommunizieren das nicht. Wir sagen: Es ist lecker.

Ein Kind weigert sich partout, Gemüse zu essen. Wie gehen Sie in der Kita damit um?

Wir lassen den Kindern Zeit. Ein Kind weiß erst, wenn es etwas bis zu 20 Mal probiert hat, ob es das Produkt mag oder nicht. Es gibt die Regel: Die Kinder sollen probieren. Gezwungen wird zwar kein Kind, aber sie werden dazu animiert, zu kosten. Außerdem dürfen sie ausspucken.

Auf den Teller?

Natürlich nicht über den Tisch, aber ins Tuch oder in die Hand. Das gibt den Kindern eine Sicherheit, dass sie nichts schlucken müssen, was eklig ist. 


Familien essen immer weniger gemeinsam am Tisch. Woran liegt das?

Das liegt an den Familienstrukturen. Viele Eltern arbeiten in Schichtarbeit, ein Großteil ist alleinerziehend. Was ich immer wieder feststelle: Die Generation nach mir hat das Kochen nicht gelernt. Dabei sind gemeinsame Mahlzeiten sehr wichtig und etwas Wunderschönes.

Machen wir uns - und vor allem auch Eltern - zu viele Gedanken ums Essen?

Veggie-Rezepte für die Kita finden Sie hier: "Das Veggie-Kochbuch für die Kita", das von Dagmar von Cramm entwickelt wurde. Die Rezepte sind bei Kita-Köchin Astrid Niessen fest im Repertoire.

Veggie-Rezepte für die Kita finden Sie hier: "Das Veggie-Kochbuch für die Kita", das von Dagmar von Cramm entwickelt wurde. Die Rezepte sind bei Kita-Köchin Astrid Niessen fest im Repertoire.

Nicht zu viele, eher in die falsche Richtung. Es kommen häufig Eltern, die behaupten, ihr Kind würde beispielsweise kein Gluten vertragen. Ich koche glutenfrei, aber nur nach ärztlichem Attest. Über Unverträglichkeiten macht man sich viel zu viel Gedanken. Besser man achtet darauf, nicht zu viele Fertigprodukte zu konsumieren und wieder mehr frische Lebensmittel zu essen. Für viele Menschen ist Essen dogmatisch, das finde ich schwierig.

Haben Sie das Gefühl, dass schwierige Esser oder auch Essstörungen zunehmen?

Es gibt immer ein paar Kinder, die zum Beispiel aus Trotz nicht essen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass Essen als Protest zunimmt. Im Kindergarten funktioniert der Protest auch nicht wie vielleicht zuhause. Wir gehen auf die trotzigen Esser nicht ein, das merken die Kinder schnell und essen wieder normal. Bei uns ist das Essen und die Küche fest im Kindergarten verankert. Das macht den Unterschied. Es kommen auch oft Eltern, die mich fragen, wie ich das gemacht hätte, zuhause würde das Kind jenes Produkt nicht essen.

Was antworten Sie darauf?

Dass es an der Gruppenatmosphäre liegt. Essen im Kindergarten ist ein Erlebnis für die Kleinen.

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