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Quereinstieg Wie drei Berliner nach Griechenland fuhren und mit 1,5 Tonnen Olivenöl zurückkamen

Marc Schmidt, Amadeus Tzamouranis, Simone Artale (von links im Uhrzeigersinn) waren absolute Quereinsteiger im Öl-Business, heute führen sie ein erfolgreiches Unternehmen.
Marc Schmidt, Amadeus Tzamouranis, Simone Artale (von links im Uhrzeigersinn) waren absolute Quereinsteiger im Öl-Business, heute führen sie ein erfolgreiches Unternehmen.
© Oel
Marc Schmidt und der Halbgrieche Amadeus Tzamouranis fuhren nach Griechenland zur Olivenernte. Das Olivenöl war so gut, dass sie 1,5 Tonnen in Kanister abfüllten und über die Grenzen nach Deutschland brachten. Der Einstieg ins Öl-Business.

Seit Amadeus Tzamouranis denken kann, baut seine Oma Anthoula Oliven an – auf ihrem Land in Meligalas nördlich von Kalamata, Heimat der berühmten Speiseoliven. Oma Anthoula war es auch, die die Koroneiki-Olive mit ihrer dunkel-lila Färbung und ihrem besonderem Geschmacksprofil kultivierte. Jedes Jahr im Dezember wird die Olive geerntet und das produziert, was man für den Eigenbedarf braucht: reinstes, fruchtiges, grasgrünes Olivenöl. Ein so guter Rohstoff, dass die zwei Schulfreunde Marc Schmidt und Tzamouranis diesen den Berlinern nicht vorenthalten konnten.

Also fuhren sie gemeinsam nach Griechenland, füllten 1,5 Tonnen Olivenöl in Blankokanister ab und kehrten damit nach Deutschland zurück. 1,5 Tonnen sind genau die Grenze des zu privat deklarierenden Eigengedarfs. Der italienische Zoll hat sie durchgelassen. In Berlin dann waren sie völlig ahnungslos, ob sie das Zeug überhaupt loskriegen würden. Aber die Qualität des Olivenöls sollte ihnen in die Hände spielen. "Die Gastronomie war völlig hingerissen von dem Öl, wir brauchten weniger als drei Monate und hatten alles verkauft. 1,5 Tonnen Olivenöl. Einen größeren Wink mit dem Zaunpfahl hätte man uns nicht geben können. Das Zeug war gut", sagt Marc Schmidt im Gespräch mit dem stern. Sie träumten davon, dass besseres Öl in Küchen verwendet wird, und sie den Rohstoff sogar an Privatkund*innen verkaufen könnten. Sie gründeten daraufhin eine Firma, kreierten ein Design, holten noch den dritten Berliner mit italienischen Wurzeln Simone Artale ins Boot und veröffentlichten 2015 die Marke Oel

Die Öl-Produzenten

Das Besondere an ihrer Firma ist, dass die Berliner nicht nur Importeure und Wiederverkäufer sind, sie sind vor allem Produzenten: "Teil des Geldes haben wir in eigene Haine investiert, wir haben eine eigene Produktion auf die Beine gestellt, Olivenbäume kultiviert, bestehende gekauft und weiter kultiviert. Wir haben das Öl vom Baum über das Abfüllen in den Kanister bis zum Regal beim Händler begleitet und am Ende alles selbst vermarktet. Und das unterscheidet uns von anderen, wir sind uns in diesem Punkt treu geblieben", erklärt Schmidt.

Ohne Oma Anthoula und ihre Kontakte aber wäre all das nicht möglich gewesen. "Wir waren Anfang 20 und niemand glaubte uns, dass wir mit einem pechschwarzen Ölkanister Erfolg in Deutschland haben würden", sagt Schmidt. Allein Land in Griechenland zu erwerben, stellte sie vor Herausforderungen. Es mussten Bodenproben genommen, Bäume analysiert und auch auf Bio-Bewirtschaftung überprüft werden. Ein Punkt, der für die Produzenten nicht streitbar war. "Der Weg war steinig, vor allem die Bürokratie. Wir haben sehr viel Leergeld gezahlt, denn es war sehr kompliziert, ein Unternehmen hierzulande und eine Logistik international zu organisieren."

Ohne Oma Anthoula wäre das Öl-Business nicht da, wo es heute ist
Ohne Oma Anthoula wäre das Öl-Business nicht da, wo es heute ist
© Oel

Das Öl-Business wächst

Die schwarzen Kanister sind ein Blickfang und haben Wiedererkennungswert. Oma Anthoulas Konterfrei darf darauf natürlich nicht fehlen.
Die schwarzen Kanister sind ein Blickfang und haben Wiedererkennungswert. Oma Anthoulas Konterfrei darf darauf natürlich nicht fehlen.
© Oel

Heute haben sie 12 Mitarbeiter*innen und verkaufen 75.000 Liter Bio-Olivenöl im Jahr, von 5000 Olivenbäume, die zwischen zehn und 1000 Jahre alt sind. Die Gastronomie ist deren größter Abnehmer, aber auch Privatkund*innen lieben das aromatische Olivenöl. Zu finden sind die Olivenöl-Produkte beispielsweise in ausgewählten Bio-Läden wie BioCompany. Zudem gibt es allerlei Nebenprodukte wie Oliven, Olivenpaste oder auch eine Seife. Mittlerweile wird das Olivenöl in ihrer eigenen Ölmühle in Griechenland gepresst und verarbeitet, sie haben die Schwestermarke A gegründet und kooperieren mit lokalen Bauern. Die Wertschöpfungskette soll gänzlich in Griechenland bleiben. Fünf Jahre lang haben sie sich zu 100 Prozent selbst finanziert, jetzt werden sie durch die GLS finanziert, damit das Unternehmen wachsen kann.  

Gemüse wird auf einem Holzbrett geschnitten

Und wie schmeckt nun das Öl? "Grasig, jung, frisch und fast ein bisschen scharf. Ein bisschen wie frisch gemähte Wiese", sagt Schmidt. Die Schärfe ist der geschmackliche Beweis für den Reichtum der Inhaltsstoffe. "Das sind die Polyphenole im Öl, schmeckt man die nicht, ist die Qualität nicht gut." Schmidt trinkt jeden Tag einen Olivenöl-Shot. Kann man machen, muss man aber nicht. Für alle anderen empfiehlt er, einfach Brot ins Olivenöl zu tunken.


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