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Das Geschäft mit unserem Essen: Die Lebensmittel, die wir kaufen, schrumpfen - und wir zahlen drauf

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Vor einigen Jahren war die Packung Eis oder das Marmeladenglas irgendwie noch größer. Der Preis ist aber der gleiche geblieben. Schrumpft die Industrie unsere Lebensmittel?

Lebensmittel

Weniger Inhalt, gleicher Preis. So schrumpft die Industrie unsere Produkte.

Getty Images

Es ist nichts Neues, dass die Lebensmittelindustrie trickst. Aber wenn es schon dem Otto-Normal-Verbraucher auffällt, ist auf jeden Fall was dran: Die Industrie schrumpft unsere Produkte. Reichte das Viennetta-Vanille- von Dr. Oetker früher locker einige Tage einem Vier-Personen-Haushalt, muss man heute fast schon zwei Packungen kaufen. Das gleiche gilt fürs Marmeladenglas, beispielsweise von Schwartau (solo). Man hat das Gefühl, das Glas samt Inhalt wird immer weniger. Der Preis bleibt aber gleich.

Die Verbraucherzentrale deckt jeden Monat sogenannte Mogelpackungen auf. Das Credo scheint zu heißen: weniger Inhalt, gleicher oder sogar höherer Preis. Skrupel kennt die Industrie dabei nicht. War das Früchtemüsli Vitalis von "Dr. Oetker" mal 600 Gramm schwer, wiegt es jetzt nur noch 500 Gramm. Der Preis blieb gleich. Oder aber die Packung Kaugummis Mentos Pure White. Früher gab's mal 50 Dragees, jetzt nur noch 35. Auch Schokoriegel werden kleiner: Der Milka-Riegel Nussini speckte von 37 auf 31,5 Gramm ab. (Lesen Sie hier mehr über die Mogelpackungen des Jahres!)

Dass unsere Lebensmittel schrumpfen, ist also nicht nur eine gefühlte Wahrheit, sondern Fakt. Und nicht nur in Deutschland. Auch die "BBC" berichtete jüngst darüber, dass sich unsere Lebensmittel verkleinern. Natürlich ist ein Grund, dass die Hersteller den Preis für ein Produkt erhöhen können, ohne dass es der Verbraucher bewusst merkt. 

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Die Kellogg's Frosties wären auch mit deutlich weniger Platz ausgekommen. Laut Verbraucherzentrale Hamburg enthält die Packung 49 Prozent Luft.

Die Kellogg's Frosties wären auch mit deutlich weniger Platz ausgekommen. Laut Verbraucherzentrale Hamburg enthält die Packung 49 Prozent Luft.

Die "BBC" geht sogar noch weiter. Das "Schrumpfen" von begann bereits vor etwa 100 Jahren. Damals wurden Automaten für Schokoriegel aufgestellt, die haben aber nur eine bestimmte Geldmünze angenommen. Als die Preise für Schokolade schließlich stiegen, konnten die Betreiber der Automaten nicht einfach den Preis erhöhen (dazu hätten sie den Automaten umbauen müssen). Also baten sie die Schokohersteller, die Riegel einfach kleiner zu machen.

Dass diese Praktik nicht nur für Lebensmittel gilt, zeigen die "geschrumpften" Verpackungen von Waschmittel und auch CremesAuch hier wird der Inhalt bei gleichem Preis weniger. 

Wirtschaftlich gesehen, gibt es drei Möglichkeiten, wenn die Herstellungskosten für ein bestimmtes Produkt steigen: den Preis erhöhen, das Produkt verkleinern oder die Zutaten ändern. Letzteres ist riskant, schließlich kennen die Kunden den Geschmack eines Produkts seit Jahren. Auch den Preis zu erhöhen, birgt eine gewisse Gefahr. Der Verbraucher könnte verärgert sein. Also tut man das, was am wenigsten schmerzt: Den Verbraucher täuschen, das Produkt verkleinern und den gleichen Preis dafür verlangen.    

Die Industrie kennt einen simplen Trick: beispielsweise wird die Dose geschälte Tomaten einfach größer gemacht, der Inhalt aber wird weniger. Die Optik täuscht und der Verbraucher denkt, er kriegt mehr für sein Geld. Das genaue Gegenteil ist aber der Fall.