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Wegen Premiumpizzen: Die TK-Pizza feiert ein Comeback - ein Hersteller krempelt den Markt um

Während die Produkte im Handel immer frischer werden, feiert die Tiefkühlpizza derzeit ein Comeback. Was man kaum für möglich gehalten hat, ist vor allem einem Hersteller zu verdanken, der in Markt in Aufruhr versetzt.

Tiefkühlpizza

Tiefkühlpizzas feiern derzeit ein Comeback

Getty Images

Tiefkühlpizzas sind der Renner in jedem Singlehaushalt oder bei denjenigen, die manchmal etwas zu faul zum Kochen sind. Rund 700.000.000 TK-Pizzas essen wir Deutschen jedes Jahr. Das sind neun Stück pro Kopf. Das Angebot ist mehr als vielfältig. Ob Lidl, Aldi oder Netto, jeder Discounter bietet seine Hausmarken-TK-Pizza an, aber auch gängige Marken wie Dr. Oetker oder Wagner füllen die Gefrierschränke in den Supermärkten. Die sind aber geschmacklich häufig 08/15.

Lange Zeit hatte die Tiefkühlpizza ein ziemlich schlechtes Image. Zu viel Convenience, zu viele Zusatzstoffe. Das scheint sich jetzt zu ändern. Dr. Oetker und Nestlé Wagner bringen die ersten Edelpizzas auf den Markt. Grund dafür ist ein Start-up, das als Pionier unter den Premiumpizzas in der Tiefkühltruhe gilt.

Das Unternehmen Franco Fresco aus dem oberbayerischen Geretsried hat eine TK-Pizza unter dem Namen "Gustavo Gusto" auf den Markt gebracht. Damit will der Gründer Christoph Schramm die Verbraucher "zurück an die Truhen" holen, wie er der "Lebensmittel Zeitung" verrät. Ein Drittel der Kunden seien Menschen, die eigentlich keine Tiefkühlpizza essen würden. Trotzdem greifen diese zur Tiefkühlware. Und zahlen dafür auch gern etwas mehr: Für die Pizza des Start-ups müssen Verbraucher vier Euro hinlegen. Das ist doppelt so viel wie eine Durchschnittspizza.

Dr. Oetker und Nestlé Wagner steigen auch ins Edelpizza-Geschäft ein

Laut der "Lebensmittel Zeitung" peilt Schramm einen Umsatz von 30 Millionen Euro an. Im nächsten Jahr soll sich der verdoppeln. Die TK-Pizza-Firma hat mittlerweile 20 Mitarbeiter im Außendienst und investiert millionenschwer ins Marketing mit TV-Werbung und Kooperation mit der Sat1-Kochshow "The Taste". Von Schramms Erfolg wollen auch die Lebensmittelriesen Dr. Oetker und Nestlé Wagner etwas abhaben: Nestlé bietet seit kurzem eine Premiumpizza an, die unter der Veggie-Marke Garden Gourmet vertrieben wird. Dr. Oetker steigert seinen Profit mit der Premium-Pizza "La Mia Grande". Vor allem die Sorten Margherita und Salame Piccante sind umsatzstark.

Das Rezept der Tiefkühlpizza - so werden Industriepizzas normalerweise produziert

Normalerweise wird Pizzateig aus Wasser, Mehl, Salz, Hefe und Olivenöl hergestellt. So machen es die Italiener seit Generationen. Bei vielen industriellen Herstellern ist die Zusammensetzung zwar ähnlich, doch wird meist kein teures Olivenöl, sondern billiges Raps- oder anderes Pflanzenöl verwendet, zudem wird dem Fertigprodukt oft Zucker hinzugegeben. Anders als beim Italiener werden in der Fabrik pro Tag 300.000 Pizzas gebacken: Der Teig wird von Maschinen vollautomatisch zusammengerührt, geknetet, ausgerollt und ausgestanzt. Dann werden die Pizza-Platten – ebenfalls automatisch – belegt und bei 220 bis 380 Grad nur wenige Minuten vorgebacken. Anschließend wird die Pizza bei -18 bis -24 Grad schockgefrostet und eingeschweißt. 

Die Pizza von "Gustavo Gusto" wird anders hergestellt: von Hand schonend ausgebreitet, der Teig extra lang gereift und die Zutaten von höchster Qualität. So zumindest das Versprechen. Der Umsatz gibt dem Gründer Recht.

+++ So schmeckt die Edelpizza "Gustavo Gusto +++

Christoph Schramm entschied sich 2003 während seines BWL-Studiums, eine Pizzeria direkt gegenüber der Universität Passau zu eröffnen. Das Wichtigste sei für ihn Qualität, wie er sagt. Der Erfolg der "guten" Pizza war so groß, dass drei weitere Lokale und auch ein Lieferservice hinzukamen. Das war Schramm aber nicht genug, und er überlegte, ob es möglich sei, eine Pizza in dieser Qualität als TK-Ware anzubieten? Für ihn lautete die Antwort "Ja". Seit Ende 2017 gibt es das Original von Schramm als TK-Pizza. Unter dem Namen "Gustavo Gusto" ist sie bereits in ausgewählten Rewe- und Edeka-Märkten zu kaufen. Schramm sagt, er komme mit der Produktion kaum hinterher, die Nachfrage sei groß.  

Quelle: "Lebensmittel Zeitung"

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