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Wer dahinter steckt, ist unklar: Dieser Twitter-Kanal zeigt die kulinarische Wahrheit hinter Gittern

Seit Anfang August wird aus der JVA Heidering getwittert. Die Bilder zeigen ironisch das trostlose Essen der Häftlinge. Wer twittert, weiß man nicht. Einschreiten kann die Justiz auch nicht. 

Eine Collage vom Essen, das in der JVA Heidering serviert wird. Auf dem Twitter-Account "Gefängniscuisine" sieht man Bilder aus dem kulinarischen Alltag hinter Gittern.

Wer schon mal im Krankenhaus war, weiß, dass die Mahlzeiten oft zu wünschen übrig lassen. Das liegt häufig am Budget, das die Krankenhäuser zur Verfügung haben. Die Devise gilt: Quantität vor Qualität, Hauptsache günstig. Fatal, wenn man bedenkt, wie viel Einfluss Ernährung auch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

Auch in Gefängnissen lässt der Speiseplan zu wünschen übrig. Zumindest, wenn man sich den Twitterkanal "Gefängniscuisine" ansieht, der gerade im Netz kursiert. Seit Anfang August wird das Essen aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering, südlich von Berlin, gepostet. Wer da twittert? Das weiß man nicht. "Es ist schwer zu unterbinden", sagte Justizsprecher Sebastian Brux der "DPA".

Das trostlose Essen aus der JVA Heidering

Eigentlich sind Smartphones im Gefängnis nicht erlaubt, Geräte würden bei Kontrollen immer wieder eingezogen. Ein bisher anonymer Häftling berichtet ironisch über das tägliche Essensangebot in der JVA. Die Bilder zeichnen ein trostloses Bild: Auf einer blauen Fleece-Decke drapiert, ist ein Brötchen, eine halbe Möhre, eine Scheibe Käse. Dazu der Text: "Rezeptideen? Ach so, habe noch Margarine."

Bei einem anderen Bild sieht man Nudeln, Tomatensoße und einen Becher Joghurt. Dazu schreibt der anonyme Twitter-Nutzer. "Für ein Kind wäre die Portion ausreichend." Mittlerweile folgen dem Kanal über 1000 User.

Und der anonyme Häftling antwortet auch auf deren Fragen. So erfährt man beispielsweise, dass Schwarzbrotscheiben und Margarine extra nach genommen werden dürfen. Dafür soll es nur etwa sechs bis sieben Brote für 72 Gefangene geben. Zudem gibt es eine warme Mahlzeit und eine Kaltverpflegung pro Tag, letztere besteht meist aus einem doppelten Brötchen, ein paar Scheiben Wurst oder Käse. Ab und an gibt es Frischkäse oder auch mal ein Stück Gemüse.

Satt werden? Eher nicht.

Dem Häftling geht es wohl darum, auf Missstände der Essensversorgung in der JVA aufmerksam zu machen. Einem User antwortet der anonyme Häftling auf die Frage, ob man von dem Essen hinter Gittern satt wird: "Laut Anstalt sind es, inkl. der Kaltverpflegung am Abend, mindestens 2800 Kalorien. Genau können wir es nicht messen, aber wir denken und merken es täglich, dass es zu wenig ist." 

Laut Justizverwaltung gibt es übrigens keinen Anlass, an der Echtheit der Posts aus der JVA Heidering zu zweifeln.

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